BMF logo - 3K


Home Page
Aktivitäten
Archiv
Rundbriefe
Presse
Links







Bruno Manser Fonds
Heuberg 25
4051 Basel
Schweiz
Tel. +41 61 261 94 74
Fax +41 61 261 94 73

info@bmf.ch

Aktualisierung 2001-05-25

Documentation "Mahnbaum für Bruno Manser"

Texte für Bruno

Von Jürgen Blaser, Bethesda, Maryland USA, 16. Mai 2001

Bruno,

"Wie weit ist es von Dir zu Hause bis ins Büro"? - "Etwa 19 km". "Oh, wenn Du das jeden Tag mit dem Velo machst, dann kriegst Du eine saugute Form, und Gesundheit obendrauf". Teil einer Unterhaltung zwischen Bruno und mir, im Auto, auf der sich durch das Rock Creek Tal schlängenden Strasse von Bethesda hinunter nach Washington, in den ersten Frühlingstagen des Jahres 1998. Und seither fahre ich mit dem Velo zur Arbeit, praktisch täglich. Den Weg so zu nehmen, auf das hast Du mich gebracht, Bruno, mit Deinem Willen, mit Deiner unendlichen Überzeugungskraft. Du hast mir so eine tägliche Zeit der Besinnung geschenkt, zwei Stunden, die eine am morgen bei der Fahrt hinunter ins Büro, die andere am Abend, beschwerlicher und hinauf, bergauf. Und oft, sehr sehr oft in den letzten Monaten, bist Du mein Begleiter auf diesem Weg, gehen mir Fragen durch den Kopf - Wo bist Du? Was machst Du? Warum diese Stille? Und, auf welchem Weg bist DU jetzt?

Irgendwann, ich glaube es war im Winter 1993 auf einer Veranstaltung in Bern, fliegt ein kleiner Pfeil über meinen Kopf. Ein Pfeil, den Du als krönender Abschluss Deines Vortrages durch den Saal geschossen hast. Ein Pfeil der als Beginn eines gemeinsamen Weges steht, eine Verknüpfung von Ideen und Idealen, eines gemeinsamen Traumes, einer Freundschaft.

Deine Umarmungen waren immer dick und herzhaft, trotz kratzendem Bartstoppeln. Die erste Frage nach der Familie, dann die Frage nach der Befindlichkeit, und dann hinein in die Strategien, auf den Weg zu einer besseren Welt, zumindest zu einer an der wir beide glauben können.

Weisst Du noch, bei mir zuhause, die Karten ausgebreitet, den Bleistift gespitzt, die Grenzen des Bioreservates diskutiert, die Möglichkeiten durchdacht wie wir "die" davon überzeugen können es anders anzupacken? Wie so oft bei uns, Du "hü" und ich "hott", aber irgendwie lief das Pferd, in eine Richtung, die die unsere war, auf einem Weg, von der wir beide überzeugt waren. Ja, das ist auch eine Seite von Dir, Bruno, der Hoffende, der Konziliant, der Kompromissbereite - eine Seite von Dir die nur wenige kannten und die Dir doch so eigen ist. Bruno, der Kaempfer, der Risikofreudige, der Spinner, der alles tut um seine Sache zu vertreten, er seilt sich auf Seilbahnen ab, er springt vom Flugzeug, er eckt das Establishment an. So wirst Du gesehen von vielen, hier und dort. Nur, so bist Du nicht, so ist Deine Natur nicht, so ist Dein Herz nicht geschaffen. Du machst es, weil Du es machen musst, weil es der Weg ist der Dir vorgegeben war.

Sarawak: Du der Illegale, Gebranntmarkte, Feindbild es Establishments, Aufwickler, "Troublemaker". Ich der Offizielle, Geduldente, Akzeptierte. Ja, Sarawak, die offizielle Seite, mein Teil, der Besuch mit den Parlamentariern, der "Rundschau", Besuch mit dem Botschafter: Mercedes, Polizeieskorte, Empfang beim Chiefminister - die "Sonnenseite". Das Bioreservatprojekt in der Hand, GEF, ITTO-Perspektiven. Und dann das andere Bild, das andere Sarawak. Weisst Du noch, der Generalsekretär: "Wir wissen genau das Sie ein Freund von Bruno Manser sind, seine Freunde sind unsere Feinde"?. "Sehen sie diese Karte, sehen sie diesen Fluss?" (Rajeng). "Nie wieder werden Sie diesen Fluss offiziell überschreiten, das verspreche ich Ihnen!" Ja, wir haben uns festgebissen, sind dem Filz auf die Füsse getreten, Du auf Deine, ich auf meine Weise, nur - geschafft haben wir es noch nicht - der Weg ist weit und wie Du so oft in den letzten Monaten gesagt hast: "Die Zeit, die Zeit die rennt uns davon?"

Dein letzter Brief....

1. Mai 2000
Lieber Juergen,
Viel Schönes und viel Trauriges gesehen hier in Kalimantan. Alles Traurige war menschengemacht. Die Malaria habe ich mit John überstanden. Ich schlage mich jetzt zu Fuss zu meinen Penanfreunden durch - plane eine Aktion für Juli. Hast Du neue Information zu Sarawak, wie Satellitenbilder, mit denen wir zum Boykott aufrufen können???.. E liebs Grüessli Bruno

Ich bin auf meinem Velo, auf meinem Weg zurück, hinauf, nachhause. "Jeder auf seine Art, jeder mit seinen Mitteln" geht mir durch den Kopf. Das Ziel ist das gleiche: das Eintreten für den Wald und den Menschen deren Leben so eng mit seinem Überleben verknüpft ist. Du machst es mit Deiner Überzeugungskraft, Deiner Hingabe, Deiner eigenen Art die Probleme zu sehen und dagegen zu handeln, unkonventionell, provozierend und doch so konziliant. Ich auf meine Art, "technokratisch, wissenschaftlich", wie Du manchmal sagst, konventionell, ja vielleicht, aber zusammen, zusammen sind wir doch stark, gel. Aber Du bist nicht da, und Du fehlst uns auf diesem Weg, Du fehlst unendlich - "loins des yeux, pres du coeur" - ja, aber die Lücke, die Lücke die ist unendlich gross.

Jürgen

GEF steht für Global Environment Facility und ITTO für die International Tropical Timber Organisation. Juergen Blaser ist Senior Forester in der Weltbank in Washington D.C.



Seitesanfang | Home | Aktivitäten | Archiv | Rundbriefe | Presse | Links