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Bruno Manser Fonds Aktualisierung 2001-05-25 |
Documentation "Mahnbaum für Bruno Manser"Texte für BrunoVon Roger Graf, im Mai 2001 9. Januar 1985, ich treffe auf Bruno. Kurz vor Mittag am zweiten Tag einer Bootsfahrt zwischen dem Sungai Tutoh-Holzfällercamp und Long Seridan. Bruno ist mir gegenüber sehr distanziert. Er wundert, ja vielleicht sogar nervt sich über den fremden Eindringling. Erstmals erwähnte ich Bruno in meinem Reisetagebuch auf Seite 555: "Wir fahren weiter. Es regnet. Um 12.00 Uhr treffen wir vier Boote mit Kelabits und Bruno. Sie sind am Fischen. Schliesslich essen wir etwas, inkl. Bruno, dem Schweizer, von dem ich schon so viel gehört habe". Bruno war im oberen Baram-Gebiet weitherum bekannt als "Orang Inggris", als "Engländer". Er lebe bei diesen "schmutzigen Penan", wie viele Einheimische sagten. Long Seridan, ein Kelabit-Dorf, besteht aus zwei Langhäusern, links und rechts der Graspiste. Bruno hatte sein zu Hause bei einer Witwe, ich auf der anderen Seite bei einem Angestellten des Flugplatzes. In den ersten Tagen sahen wir uns jeweils nur für kurze Momente. Bruno zeigte mir seine wissenschaftlichen Zeichnungen und Skizzen in seinem Tagebuch, aber auch seine kalte Schulter. Ich empfand jeweils schon nach kurzer Zeit, dass ich ihn wohl in seiner Ruhe und seinen Gedanken störte. Nach ein paar Tagen schliesslich kam Bruno zu mir und entschuldigte sich. Einmal dafür, dass er in einer heimlichen Stunde mein Tagebuch durchgelesen hatte, aber auch dafür, dass er mich falsch eingeschätzt habe. Jedenfalls war das Eis nun gebrochen und er bot mir an, mit ihm zusammen die nomadischen Penan zu besuchen. Es war wunderbar - wohl das eindrücklichste Erlebnis in meinem Leben. Bruno war damals gerade ein Jahr in Sarawak, sein Visum war gerade abgelaufen, und schon konnte er sich fliessend mit den Penan unterhalten. Die BewohnerInnen von Long Seridan schrieben einen Brief an die Behörden, man möge doch Bruno als Einheimischen anerkennen, damit er in der Gegend bleiben könne. Das Schreiben hatte keinen Erfolg, Bruno war von da an illegal im Land. Bruno erzählte mir viel von den Problemen mit der Holzfällerei. So erzählt er mir die folgende Geschichte: Holzfäller im Layun-Camp hatten Alpträume, weil sie einen Wald auf einem Felsplateau abholzen mussten. "Leute vor Urzeiten" seien gekommen und hätten ihnen im Traum geraten, nicht zu holzen. Der Holzeinschlag war von Unglück verfolgt, drei Arbeiter wurden dabei getötet. Schliesslich haben sich die Holzfäller geweigert, weiter zu arbeiten. Beim Abschied bei den Penan und von Bruno am 24. Januar 1985 wurde mir klar, dass ich helfen wollte, ja einfach musste. Ich versprach Bruno, die Sache der Penan in der Schweiz bekannt zu machen. Bruno verfasste Petitionen an die Behörden Sarawaks und motivierte die Penan zum Widerstand mit gewaltlosen Blockaden der Holzfällerstrassen. Brunos Situation wurde immer brenzliger. Zweimal konnte er den Paramilitärs entkommen, seine Dokumente, Reisepass und Tagebücher wurden beschlagnahmt. Nach 6 ½ Jahren hartnäckigem, aber eben auch erfolglosem Einsatz in Sarawak konnten wir Bruno davon überzeugen, zurück in die Schweiz zu kommen und als "Botschafter" für die Penan zu wirken. Eine Gruppe von FreundInnen organisierte und bezahlte seine Rückkehr in die Schweiz. Sogleich begann ein Medienrummel um seine Person. Sonntagszeitung und Sonntagsblick hatten gleichzeitig Bruno zum Sonntagsinterview geladen, was nur bei einer Bundesratswahl (oder etwas Vergleichbarem!) geschieht. Plötzlich war er im Rampenlicht der Medien. Eine Rolle, die ihm völlig missfiel, die ihm mehr als nur lästig war. Es folgten zehn Jahre faxen, Briefe beantworten, Stress aushalten, reden, reden, reden, um die Welt jetten und diplomatische Floskeln von vielen - nicht allen - PolitikerInnen anhören. Immer wieder kam Bruno zu mir ins Sekretariat und hatte Hoffnung, Hoffnung auf diesen Diplomaten, Hoffnung über die angekündigte Hilfe von jenem Politiker und jener Politikerin. Immer wieder sah er sich aber getäuscht. Sein herzhaftes Lachen, ein Markenzeichen von Bruno, war immer seltener zu hören. Brunos Ziel war es, ein Waldschutzgebiet für die Penan zu schaffen. Die Chancen für einen Erfolg wurden aber bei nüchterner Abwägung der Fakten und Sachzwänge immer unrealistischer, so dass ich mich immer häufiger fragte, wie Bruno damit umgehen würde. Konnte er wieder etwas Distanz gewinnen und für sich den Frieden finden, auch wenn die Sache hoffnungslos wäre? Was würde er wohl nach der Einsicht machen, dass der "Kampf", wie er es oftmals nannte, verloren ging? Bruno ist nicht der Diplomat, dafür ist er zu ehrlich. Bruno war ein Mann des totalen Engagements. Zu seinem Willen, mit spektakulären Aktionen, die manchmal an den Rand der körperlichen Erschöpfung gingen, gesellte sich immer mehr auch Frustration. Frustration, weil sein Hilfeschrei zwar angehört wurde, doch niemand mit Macht in Politik und Wirtschaft bereit war, konsequent zu handeln und die Penan wirklich zu unterstützen. Anlässlich der Abstimmung über die Motion zur Deklarationspflicht von Holz hat der damalige Schweizer Wirtschaftsminister vor dem Nationalrat gesagt: "Les motionaires sont insincère". Solch arrogante Sprüche haben Bruno schwer getroffen. Seinem totalen Engagement als "Botschafter der Penan" zu wirken, war wenig Erfolg beschieden. Zwar wurde der Verzicht auf Tropenholz und anderer Hölzer aus Raubbau dank Bruno zu einem Thema in der Schweizer Oeffentlichkeit, doch wie stehts um die Penan? Die Wälder schrumpften immer mehr, es war und ist noch immer ein Rennen gegen die Zeit. Bruno versuchte in den letzten Jahren wieder vermehrt, seine Aktivitäten nach Sarawak zu verlagern. So bot er der Regierung die Zusammenarbeit an. Er wollte eine mobile Zahnklinik für die Penan verwirklichen, damit endlich ein versöhnlicher Anfang gemacht wäre. Die Regierung aber hatte kein Interesse. Den Manser wollte man nicht im Land haben, und schon gar nicht mit ihm zusammen arbeiten. Bruno bat um Versöhnung und um ein Gespräch mit Taib Mahmud, dem Regierungschef von Sarawak. Er wollte sich in Malaysia gar verhaften lassen, um seinem Anliegen endlich die nötige Publizität und damit zum Erfolg zu verhelfen - auch ein Misserfolg. Sein letzter Weg führte ihn wieder über die grüne Grenze in seine zweite Heimat und seinem Volk zurück. Die Zeiten hatten sich inzwischen aber dramatisch verändert. Die Zerstörung der Wälder ging einher mit dem Eintreffen der negativen Folgen einer modernen - in diesem Fall malaysischen - Gesellschaft. Christianisierung und die Macht des Geldes hielten auch im Penanland Einzug. Einige Penan gaben die Einwilligung zum Schlagen von Holz, sie sehen keine andere Möglichkeit mehr. Inzwischen sind die Holzfällerstrassen beim Batu Lawi-Berg angelangt. Von diesem Berg sprach Bruno immer wieder. Er war sein kleines Paradies. Bruno wollte nochmals auf diesen Berg - irgendwann in seinem Leben nochmals. Die Aussicht von dort oben sei so toll, man würde die unendliche Weite des unberührten Regenwaldes sehen. Die letzte Reise musste für Bruno ein Schock gewesen sein. Bruno war konsequent. Er engagiert sich für ein Penan-Waldschutzgebiet in der Umgebung des Batu Lawi, keinesfalls wollte er sich aber um "Entwicklungshilfe" für ein entwurzeltes und verarmtes Volk kümmern. Das sei nicht sein Ziel und Aufgabe. Nun ist Bruno verschollen. Sein Weg verliert sich im letzten Resten Paradies am Batu Lawi. Bruno hat genug Raubbau an sich selber betrieben. Mögen andere Menschen nun aktiv werden, es gibt immer mehr zu tun!Roger Graf, Freund von Bruno und ehem. Sekretär des Bruno-Manser-Fonds
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