Forest Movement Europe Meeting 2009 offiziell eröffnet

Mit den Reden von Nationalrätin Maya Graf und des Vertreters des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO), Hans-Peter Egler, wurde heute die internationale Klima- und Waldkonferenz der europäischen Umweltverbände eröffnet. Dabei wurden auch die Schweizer Politik und Schweizer Unternehmen in die Pflicht genommen. Vom 12. bis 14. Juni diskutieren NGOs aus 23 Ländern im Tagungszentrum Leuenberg in Hölstein/BL die Rolle der Wälder im Klimawandel. Sie erarbeiten gemeinsame Positionen, die sie an der UNO-Weltklimakonferenz im Dezember vertreten werden.
Nationalrätin Maya Graf forderte weltweit verstärkte Anstrengungen der Regierungen für den Schutz der Wälder. Industrieländer wie die Schweiz stünden besonders in der Verantwortung. Aus diesem Grund hat Maya Graf gestern im Nationalrat einen Vorstoss eingereicht, der die Schweizer Regierung auffordert, eine Task Force für die Wald- und Klimapolitik einzusetzen. Die Task Force soll auch Vertreter/innen von Umweltverbänden und Entwicklungsorganisationen einbeziehen.
Credit Suisse soll Fehler zugeben
Für ein mit der globalen Ökonomie eng verflochtenes Land wie die Schweiz sei es zudem besonders wichtig, dass nicht nur die Politik, sondern auch die Privatwirtschaft ihre Verantwortung wahrnehme. Die weltweiten Aktivitäten von Schweizer Unternehmen hätten in vielen Fällen Auswirkungen auf die Wälder: „Leider muss man sagen, dass unsere Unternehmen oft unverantwortlich handeln“, so Maya Graf in ihrer Eröffnungsrede. Klare Forderungen richtete die Nationalrätin an die Credit Suisse (CS), die 2007 beim Börsengang des umstrittenen malaysischen Tropenholzkonzerns Samling federführend war. Nicht zuletzt wegen der scharfen Kritik des Bruno Manser Fonds habe die CS seither zwar neue Richtlinien für die Finanzierung von Geschäften im Waldbereich verabschiedet, doch sie weigere sich, diese Richtlinien zu publizieren: „Ich möchte heute die CS dazu auffordern, ihre „Global Forestry Policy“ zu publizieren und sich öffentlich zu hohen Nachhaltigkeitsstandards zu bekennen. Schön wäre auch, wenn die CS dazu stehen könnte, dass sie mit ihrer führenden Rolle beim Börsengang von Samling einen Fehler gemacht hat“, forderte Graf. Sie kritisierte zudem auch den Rohstoffhandelskonzern Trafigura mit Hauptsitz in Luzern wegen seiner Rolle beim fragwürdigen Handel mit palmölbasierten Agrotreibstoffen in Südostasien: „Trafigura muss aus diesem inakzeptablen Geschäft aussteigen!“
Nachhaltigkeitskriterien gefordert
Auch Lukas Straumann, Geschäftsleiter des gastgebenden Bruno Manser Fonds, betonte zur Eröffnung die wichtige Rolle der Schweiz. Die Schweiz sei zwar kein grosser Konsument von Tropenholz oder Palmöl, habe aber eine wichtige Position in der Finanzwirtschaft und im Rohstoffhandel. Er forderte die UBS und die CS auf, für das Investmentbanking starke Nachhaltigkeitskriterien aufzustellen und umzusetzen, damit weniger Kapital in Waldzerstörung fliesse. „Diese Kriterien zu überwachen, ist eine wichtige Rolle von NGOs“, so Straumann zu den Konferenzteilnehmern: „Allgemein treibt die Zivilgesellschaft die Umweltfragen voran - es sind besorgte Bürger, die diese Organisationen gründen.“
Die internationale Wald- und Klimakonferenz im basellandschaftlichen Hölstein dauert bis Sonntag. Zentrale Themen des Treffens der Umweltverbände sind der Informationsaustausch und die Erarbeitung gemeinsamer Positionen zu Wald- und Klimafragen im Hinblick auf die UNO-Klimakonferenz von Kopenhagen im Dezember 2009. Am Sonntag wird eine gemeinsame Schlussdeklaration der Konferenzteilnehmer erwartet.
(12. Juni 2009)



