Bruno Manser Fonds Aktualisierung 2001-12-17 |
Tong Tana, August 2001Zeitung des Bruno Manser Fondszu den Themen Regenwald, Indigenenrechte und Holzhandel
Inhaltsverzeichnis
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Illegale Produkte aus den letzten Urwälder dieser Erde sind überall anzutreffen. In Indonesien werden 7 von 10 Bäumen illegal gefällt. In Brasilien sind 80% des Holzeinschlages illegal. In Indonesiens Schutzgebieten werden die letzten Raminbestände illegal geplündert, der Staat verfügt ein totales Export- und Einschlagsverbot als letzter Rettungsversuch. Ein Gericht in Sarawak entscheidet, dass die Vergabe von Abholz- und Plantagenlizenzen über Territorium der UreinwohnerInnen nicht illegal ist. International finanzierte Unternehmen brennen riesige Flächen illegal ab, um Platz für Rindvieh, Soja-, Palmöl- und Papierholz-Plantagen zu schaffen. Kamerun entzieht im Mai dieses Jahres 32 Holzfirmen die Lizenz zum Abholzen, weil sie die Stämme aus dem Land schmuggelten, um Steuern zu sparen. Die Ressourcen des Kongobeckens werden von kriminellen Verbänden illegal geplündert. Die Abnehmer, multinationale Konzerne in der Holz-, Gold-, Diamant- und Mobiltelefon-Branche finananzieren mit diesen Geschäften den lodernden Afrikanischen Weltkrieg.
Das ist nur die Spitze des Eisberges, denn zahllos sind die Verbrechen gegen Mensch und Natur, begangen im Namen des Wachstums (der Grossen) und des Wohlstandes (der Fetten). Entsprechend zahlreich und mittlerweile alle Segmente unseres Alltages durchdringend sind illegale oder teilweise illegale Produkte. Wieso lassen wir das zu? Sind wir nicht schockiert? Verbrennende Orang Utans im brennenden Kronendach eines Regenwaldes? Bruno Manser, der auf dem Weg zu seinen Freunden, die in Sarawak gegen die Abholzung ihres Lebensraumes kämpfen, spurlos verschwindet? Die Verzweiflung der letzten Penan-Nomaden, die gezwungen werden, ihre Traditionen aufzugeben um in Siedlungen zusammengepfercht billige Arbeitskräfte für die Ölpalm-Plantagen zu stellen? Die Ausrottung der letzten grossen Affen Afrikas im Gefolge der Holzfällerei? Die Ausrottung des Sumatra-Nashorns, einst Symbol der Tierschutz-Bewegung? Die Verheerungen durch Wirbelstürme und Wassermassen in Zentralamerika?
Warum nur werden weiter Geschäfte gemacht mit den für solche Missstände verantwortlichen Leuten? Wieso fördern reiche Industrienationen solche Geschäfte gar noch mit Steuergeldern (Exportrisikogarantien)? Warum wird der Handel mit illegalen Produkten nicht verboten, der Handel mit bedrohten Arten kaum kontrolliert? Warum sind die Starken die Partner der Starken und nicht der Schwachen? Wer hat denn eigentlich ein Interesse an einer kriminellen Welt, wer profitiert von der ganzen Illegalität? Das ist die Frage. Die allmächtige Wirtschaft und ihre KomplizInnen in der Politik versuchen die tumben Massen mittlerweile unisono davon zu überzeugen, solche Opfer müssten gebracht werden - ZUM BESTEN FÜR UNS ALLE - und geben eine Menge Geld aus, damit wir das gefälligst auch begreifen. Dass unser Bundespräsident einen Häuptling aus Brasilien empfängt und der Aussenminister gewandt über Menschenrechte referiert, dass die Schweiz 700 Millionen Gold-Franken für die Verfolgten und Entrechten, die Schwachen und Armen dieser Welt reservieren will, all die Foren, Konferenzen und Vereinbarungen: Das alles ist nichts anderes als Schaufenster-Dekoration und wie alle Schaufenster hat es zum Ziel, abzulenken von der Realität, die zu ändern die Mächtigen Null Interesse haben.
Die Wirtschaft kann leider nur durch Boykott zum Umdenken bewegt werden. Boykott von Produkten, Boykott von Firmen, Boykott ganzer Branchen und Nationen
Das macht es uns natürlich nicht einfacher und erst recht nicht billiger - aber es wirkt. In der Vielfalt liegt der Reichtum - bleiben Sie dran! John Künzli
Bruno besuchte die Pygmäen im Ituri-Wald des Kongobeckens in Afrika 1995
jk - Am 22. April 2001 kamen mehrere Penan-Gemeinden am Oberlauf des Baram-Flusses zusammen um eine feierliche Zeremonie in Erinnerung an Bruno durchzuführen. Ihre Botschaft taten sie auf einem Banner kund, das sie nach einem feierlichen Gottesdienst mit Kerzenlichtern in den Wald trugen. Links auf dem Banner ist der Batu Lawi gemalt, der heilige Berg der Penan, in dessen unmittelbarer Nähe sich Brunos Spuren verlieren.

Penan-Zeremonie für Bruno, Mai 2001, Sarawak
Wir sprechen diese Worte in Erinnerung an unseren Grossen Mann - Möge Gott Dein Leben und Deine Seele schützen
BRUNO MANSER
Wir, alle Penan aus dem Osten Sarawaks in Malaysia sind zu diesem grossen Treffen gekommen, um unserem Freund und Führer, der seit fast einem Jahr vermisst wird, die Ehre zu erweisen. Er hat uns unterstützt und uns eine Stimme gegeben im Kampf um unseren Lebensraum, den letzten intakten Regenwald von Borneo. Wir hoffen, diesen Kampf zu gewinnen, für Bruno und uns Penan.
Du bist verschwunden und hast uns verlassen, aber in unseren Herzen und Erinnerungen werden wir, Deine Freunde, Dich niemals vergessen. Wir werden unser Wort halten und diesen Kampf niemals aufgeben - für Dich und unsere kommenden Generationen.
Penan-Zeremonie

Bruno im Regenwald von Kalimantan (Indonesien), März 2000
jk - Das von der deutschen "Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ)" mit deutschen Steuergeldern gefördert Projekt FOMISS, das es der Holzgesellschaft Samling Company ermöglichen sollte, den grössten noch intakte Wald Sarawaks im Gebiet der Penan am Baram-Fluss "schonend" abzuholzen, ist definitiv beendet worden. Wie Lothar Zimmer, Direktor des "Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)" gegenüber BMF am 9. Juli 2001 meinte, sei das Projekt am 31. März dieses Jahres seitens GTZ und gemäss Vereinbarung mit der Waldbehörde von Sarawak und der Firma Samling offiziell abgeschlossen worden. Seit Beginn des Projektes (1993) - das entgegen seines Umfanges und Grösse (1700 km2!) erst noch als "wissenschaftliches" Projekt klassifiziert wurde - kritisierten Umweltorganisationen GTZ und BMZ, weil die direkt betroffenen Penan-Gemeinden schlicht vergessen wurden. In der Folge wurde das sogenannte FOMISS-Projekt mehrmals modifiziert und Ende 1999 um eine soziale Komponente ergänzt. Die malaysischen Partner versprachen, sich selber um die Penan zu kümmern. Dieses "Versprechen" genügte den deutschen "Entwicklungshelfern", sie stellten die technischen Komponenten des Projektes fertig, verliessen das Land.
Das BMZ gibt heute zwar zu, grosse Fehler schon bei der Projektplanung gemacht zu haben, und sagt, es sei das Verdienst der NGOs, sie darauf hingewiesen zu haben, an Folge-Projekte für die von FOMISS betroffenen Penan denken sie jedoch nicht. Dies ist umso bedenklicher, als GTZ/BMZ mit Sarawak eine der im Umgang mit Mensch und Natur rücksichtslosesten Regierungen und mit Samling eine der grössten und verrufensten Holzfirmen der Welt mit Technik und Know-How für über 8 Mio. DM aufrüsteten - das ist mehr, als Malaysia in 10 Jahren offziell für die Penan aufgewendet hat! Abgesehen davon gehören die Besitzer von Sarawaks Holzfirmen - genau wie der Chief Minister Taib Mahmud - zu den reichsten Menschen der Welt, wie die kürzlich vom Forbes Magazine veröffentlichte Liste der 500 Superreichen zeigte.
Am 16. Juli erreichte uns die Nachricht, dass die beiden vom Projekt betroffenen Penan-Dörfer Long Benali und Ba Pengaran die Strassen blockieren, um die Firma Shin Yang Company am eindringen in ihre angestammten Territorien zu hindern. Fünf Polizisten versuchten, die Penan bei der Blockade festzunehmen, jedoch vorerst ohne Erfolg. Long Benali und Ba Pengaran sind mittlerweile gespaltene Gemeinden, da die Holzgesellschaft einige Penan mit Geldzahlungen bestochen hat - die Mehrheit tritt aber nach wie vor geschlossen gegen die Abholzung auf ihrem Gebiet auf.
Quellen: BMZ, www.rengah.c2o.org, Sarawak Tribune 16. Mai 2001
jk - Adat, das ungeschriebene Gesetz der Dayak-Völker Borneos, welches unter anderem das soziale Zusammenleben regelt, z. Bsp. Besitz- und Nutzungsrechte - sei schon in Kraft gewesen, lange vor der Kolonisierung durch die Briten und dem ersten weissen Raja James Brooke. So sprach am 12. Mai in einem für Sarawak bisher einmaligen Urteil das Hohe Gericht in der Hauptstadt Kuching und entschied zugunsten der 63 Iban-Familien vom Langhaus Rumah Nor, welche den Staat und die Plantagen-Firma Borneo Pulp & Paper (BPP) verklagten, ohne ihre Erlaubnis in ihr Territorium eingedrungen zu sein. Nach über zweijährigem, mit hohem finanziellem und persönlichem Engagement geführtem Kampf (monatelange Strassenblockaden, Verhaftungen, Einschüchterung durch Behörden und Medien, hohen Anwaltskosten usw), wurden 200 extra nach Kuching gereiste Iban von ihren Emotionen überwältigt: Die UreinwohnerInnen, von denen anfänglich gar verlangt wurde, zu beweisen, dass sie echte Iban sind, bekamen Recht: Richter Datuk Ian Chin sah es als erwiesen an, dass das Langhaus Rumah Nor traditionelle Rechte auf einer Fläche von 700 ha besitze und deshalb die Ausgabe und Ausübung der Plantagenlizenz illegal war.
Weil die Iban das umstrittene Territorium heute noch im traditionellen Stil nutzen, könne man davon ausgehen, dass dies bereits ihre Vorfahren so gehalten haben und deshalb die Landrechtsansprüche legitim seien.
Das Besondere daran ist, dass damit erstmals überhaupt Gewohnheitsrechte über nicht landwirtschaftlich genutztes Gebiet anerkannt werden. Die Dayak unterscheiden bei der Definierung ihrer Landansprüche zwischen Temuda (Fläche aktiv durch Kultivierung genutzt) und Menoa (Fläche passiv genutzt für Jagd, Fischfang, Sammelwirtschaft etc.). Bisher wurde in Sarawak nur Temuda-Land anerkannt - jedoch warten Dutzende solcher Menoa-bezogener Gerichtsfälle auf ihre Behandlung, darunter diejenigen der Penan, die vor 1958 überhaupt keine Landwirtschaft betrieben, sowie 3 weitere Klagen von Iban gegen BPP. Ein Urteil mit Sprengkraft!
Wohl deshalb wurde das Urteil von allen nationalen Medien totgeschwiegen. Einzig
Sidi Munan, Mitglied der Dayak-Partei, bewies einigen Mut, als er das Urteil
als längst überfällig begrüsste und verlangte, sämtliche Lizenzen über umstrittene
Flächen in ganz Sarawak seien nun sofort einzufrieren bis sämtliche Rechtsfälle
gelöst seien: "Glaubt denn jemand, die Ureinwohner hätten der Loslösung von
der britischen Krone zugestimmt (1946), oder dem Beitritt zu Malaysia, wenn
man uns gesagt hätte, damit würden wir alle unsere traditionellen Rechte verlieren?"
Den beiden unterlegenen Parteien riet er ab, wie angekündigt Berufung gegen
das Urteil einzulegen. Das wäre, gerade in einem Wahljahr wie 2001, kontraproduktiv
für die Regierungskoalition, denn dann müssten die Dayak ernsthaft annehmen,
die Regierung wolle ihnen das Land wegnehmen.
Die Penan sind lieber...
Gerade diese Konstellation lässt aber die Befürchtung zu, es handle sich um ein wahlstrategisches Urteil. Denn für Sarawaks Elite geht es bei diesem Milliarden-Projekt bereits jetzt um sehr viel: Der Sohn des Vize-Chief Ministers Alfred Jabu hat sich diverse lukrative Aufträge von der BPP sichern können - und der Verkauf der Kahlschlag- und Plantagen-Lizenzen für eine Fläche von mehr als 3'000 km2 dürfte ebenfalls einiges an (Schmier-)Geld abgeworfen haben. Zudem ist der Staat Hauptaktionär an der Plantagenfirma. Gut möglich, dass nach erfolgter Wahl alles weitergeht wie gehabt. Die Richtung der Berufung zeichnet sich bereits ab: Die Iban vom Rumah Nor hätten ihre Landrechte aufgegeben, als sie vor Jahren der Firma Samling gegen Kompensationszahlungen erlaubten, in ihrem Wald Holz einzuschlagen. Oder dass vor 100 Jahren eine Chinesin ins Rumah Nor eingeheiratet hat, weshalb die Iban keine Iban mehr sind sondern kriminelle Landbesetzer. Im System Sarawak ist alles möglich. Vorerst ist aber die Hoffnung ausgebrochen, die Hoffnung, dass Sarawak endlich begreift, dass es so nicht weitergehen kann.
Der BMF hat die Klage der Iban von Rumah Nor finanziell unterstützt und wird das auch weiterhin tun. Zudem fördert der BMF Demarkations-Projekte, denn um vor Gericht Ansprüche geltend machen zu können, sind gute Landkarten der Temuda- und der Menoa-Territorien der Schlüssel zum Erfolg.
Quellen: www.rengah.c2o.org, http://brimas.www1.50megs.com,
www.malaysiakini.com, http://communities.msn.com/HighCourtI (Foto) Auf Ölpalm-Plantage
in Sarawak, Mai 2000

... im Wald, ...
jk - Nun soll er doch gebaut werden, der Bakun-Damm. Über 10'000 UreinwohnerInnen der Dayak Stämme Kayan, Kenyah, Ukit, Lahanan und Penan wurden bereits gezwungen, aus dem Gebiet des geplanten Stausees wegzuziehen. Die Regierung versprach Kompensationszahlungen für die aufgegebenen Territorien, Langhäuser, Schulen, Kliniken und Arbeitsstellen. Allerdings nur für jene, die sich in der von der Regierung aus dem Boden gestampften Siedlung namens Asap niederliessen. Alle, die nicht bereit waren, ihre viel grösseren Territorien in guten Jagd- und Fischgründen aufzugeben für 3 ha teilweise unfruchtbaren Boden, sind - nach guter Väter Sitte - selbständig weitergezogen und gehen leer aus. Mittlerweile haben Dutzende von Familien Asap ebenfalls verlassen: Sie leiden Hunger, haben nichts zu tun, die versprochenen Schulen und Spitäler funktionieren nicht, die Kompensationszahlungen sind aufgebraucht und die in Aussicht gestellten Arbeitsstellen bei den umliegenden Plantagen so schlecht bezahlt, dass praktisch ausschliesslich billige und grossteils illegale Arbeiter aus Indonesien angestellt werden. Alkoholismus, Glücksspiel und Prostitution geben der Kultur den Rest. Bisher einziger Gewinner des Mammut-Projektes sind die Holzfirmen, die das Becken des Stausees kahlschlagen - obwohl der Bau des Dammes weiterhin unsicher ist: Malaysia hat weder das Geld für den Bau noch benötigt es die Energie von 2'400 MW! Nun soll dieses ökonomisch und sozial fehlgeschlagene Projekt gar Modell sein für die Entwicklung der Penan! Wie der Penan-Minister Abang Johari in der Sarawak Tribune (16. Mai 2001) mitteilt, plant die Regierung, die in abgelegenen Gebieten lebenden Penan in einer einzigen grossen Siedlung nach dem Modell "Asap" zusammenzupferchen, wo sie den Plantagen als billige Sklaven dienen sollen. "Wir glauben, dass die Penan, wie alle anderen auch, vom Service der Regierung profitieren wollen", meint Johari. Dass die Regierung von Chief Minister Taib Mahmud "fair zu allen Rassen" ist, geht aus einem Artikel der Sarawak Tribune vom 18. Mai hervor: Einem unzufriedenen Politiker beschied der Chief Minister (selber ein Dayak), er solle sich gefälligst nicht beklagen, schliesslich sei er fair zu allen Rassen und habe ihm, einem Malaiien, eine Abholz-Lizenz im Wert von über 13 Mio. US$ geschenkt...

... als in der Plantage, März 1999
jk - Der BMF weist schon lange darauf hin, dass die Internationale Tropenholz-Organisation ITTO in ihrem Ziel, ab dem Jahr 2000 auschliesslich Tropenholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern zu handeln, gescheitert ist. Nach wie vor stammt weniger als 1 Prozent des international gehandelten Tropenholzes aus umwelt- und sozialverträglicher Waldwirtschaft, aus Sarawak garnoch weniger! Das hielt aber die Malaysische New Straits Times nicht davon ab, am 11. Juli unter dem Titel "Malaysias Forstwirtschaft ist ein Erfolg" zu behaupten, sie hätten die ITTO-Vorgaben erfolgreich umgesetzt. Da tönt der Chief Minister Taib Mahmud in der Sarawak Tribune vom 3. April ganz anders: Mahmud wies darauf hin, dass 90 Prozent der Bäume in Sarawak gefällt seien: "Wir sind jetzt abhängig von den 10%, die noch übrig sind. Wenn die gefällten Bäume nicht ersetzt werden, wird die Holzindustrie rasch zugrunde gehen!" Um Nachschub zu garantieren, setzt Sarawak ganz auf schnellwachsende Baumarten, die dereinst über 20'000 km2 bedecken sollen. "Wenn uns das gelingt", so der Sekretär des Chief Ministers, "dann wird die Holzindustrie nicht untergehen und die Arbeitsstellen werden erhalten bleiben" (Sarawak Tribune 02.07.01). Wie schlimm es tatsächlich um den Wald steht, beweisen auch hektische Bemühungen der Wald- und Holzwirtschaft, ihre Produkte zertifizieren zu lassen. Die Märkte in Europa, USA und zunehmend auch in Japan verlangen nach zertifiziertem Holz. Während 1999 die Holz-Exporte Malaysias um total 20% wuchsen, konnte der Export nach Europa nur um 8% gesteigert werden. Malaysia hat aber derzeit keine Chance, den Anforderungen des von ökologischen und sozialen Organisationen getragenen FSC-Labels (Forest Stewardship Council) zu genügen. FSC stellt nämlich die Land- und Nutzungsrechte der UreinwohnerInnen über die Rechte der Holzfirmen. "Wie kann man von Regierungen verlangen, gegenüber Nicht-Regierungs-Organisationen Rechenschaft abzulegen?" liess sich Chew Lye Teng vom Malaysischen Holz-Zertifizierungsrat aufgebracht in der "Far Eastern Economic Revue" (7. Sept. 2000) zitieren. Und wer soll dann "unabhängige" Zertifizierungen und Kontrollen vornehmen? Natürlich die notorische ITTO! Erstens weil diese keine Aufgabe mehr hat, und zweitens weil die ITTO garantiert niemals mit Nicht-Regierungsorganisationen zusammenarbeitet!
Diese Entwicklung ist ein weiterer Beweis, dass die ITTO ihre Existenzberechtigung verloren hat - verlangen Sie den Austritt Ihres Landes aus diesem Alibi-Verein! Bitte drucken Sie die Petition an den Schweizer Bundesrat aus, sammeln Sie möglichst noch einige Unterschriften mehr und senden Sie uns den Bogen (auch nicht vollständig ausgefüllte!) zurück bis spätestens Ende November 2001 - für den Wald! Herzlichen Dank.
jk - Zehn Prozent der Regenwälder unserer Erde finden sich in Indonesien, darunter der älteste Urwald überhaupt auf Borneo. Der weltberühmte Tanjung Puting Nationalpark im Süden der Insel ist einer der letzten intakten Tiefland-Wälder Borneos. Diese oft sumpfigen Regenwälder sind das angestammte Wuchsgebiet des Ramin-Baumes (Gonystylus spp.) und bevorzugter Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Orang Utans, deren Bestand wohl bereits auf weniger als 20'000 gesunken ist. Nun ist Ramin aber ein vor allem in Europa gut bezahlter Rohstoff (Leisten, Stangen u.ä.), Malaysia und Indonesien die einzigen Produzenten, und die gut zugänglichen Wälder in Küstennähe leichte Beute. Dass dies eine gefährliche Konstellation war, erkannte Holland zwar und wollte bereits 1994 den Handel mit Ramin kontrollieren (CITES Liste 2), hatte aber gegen Malaysia, Indonesien und die schweigende Mehrheit keine Chance.
So kam es, wie es kommen musste: Mangels Alternativen werden jetzt die Raminbestände des Tanjung Puting NPs geplündert, wie die Umwelt-Detektei Environmental Investigation Agency (eia) im April dieses Jahres beweisen konnte. Die etwa 500 Orang Utans im Park sind akut bedroht, während die Drahtzieher zwar bekannt, dank Komplizen in Militär und Politik jedoch vor Strafe geschützt sind. Der indonesische Waldminister erkannte den Ernst der Lage und liess Ramin auf die Liste 3 der CITES (Washingtoner Artenschutzabkommen, Sitz in Genf) setzen und verbot sofort sämtliches Fällen und Exportieren dieser Baumart. Und er hofft bei diesem Rettungsversuch auf internationale Unterstützung: Ab 6. August 2001 können Importländer - auch die Schweiz - rechtlich gegen Ramin-Importe aus Indonesien vorgehen.
Derweil sich Sarawak/Malaysia auf die Monopol-Stellung im Ramin-Handel freut - und wohl auch auf indonesisches Ramin-Holz, das es bald zu guten Preisen geben wird...

Auch Teak ist nach wie vor ein begehrter Rohstoff der (Garten-)
Möbelindustrie. Seit der Forest Stewardship Council (FSC) indonesische
Plantagen zertifiziert hat, finden sich auch in Schweizer Geschäften wieder
vermehrt Produkte aus Teakholz sowohl aus FSC-zertifizierter Produktion als
auch aus Raubbau in Naturwäldern und Plantagen. Die Firma SmartWood orientierte
nun am 11. Juli überraschend über gravierende Missstände in den von ihr nach
den Kriterien und Prinzipien des FSC zertifizierten Teak-Plantagen: Die Betreiber
schlagen massiv mehr Bäume ein, als erlaubt! 1999 konfiszierten die Behörden
ein Volumen an illegal gefälltem Teak, das der Hälfte der Jahresproduktion entsprach.
Im Jahr darauf war es noch mehr und das tatsächlich geschlagene - nicht konfiszierte
- Holz übertrifft teilweise die Richtlinien des FSC um bis das 7fache.
Weiter nennt SmartWood die grassierende Korruption und fehlende Kooperation der Plantagenbetreiber als Hindernisse bei der Problemlösung. Offensichtlich ist die Lage so beunruhigend, dass SmartWood mit dem Gang an die Oeffentlichkeit die Flucht nach Vorne angetreten hat und keine andere Lösung mehr sieht, als den Teak-Plantagen das FSC-Zertifikat zu entziehen. Solche Machenschaften schaden dem von Umwelt- und sozialen Organisationen mitgetragenen FSC-Label, zumal die Kritik nicht neu ist: Der FSC konzentriert sich viel zu stark aufs Wachstum, arbeitet naiv und schlampig und reagiert auf Missstände nur träge.
Mit dem Entzug der Plantagen-Zertifikate wird es ab Mitte nächsten Jahres nur noch Teak aus Raubbau auf dem Markt geben.
Und es zeichnet sich mehr Ungemach ab: Die Organisation Rainforest Foundation verlangt in einer Presse-Erklärung vom 11. Juli 2001 die sofortige Widerrufung des FSC-Zertifikates der Firma PT Diamond Raya, die auf Sumatra eine 900 km2 grosse Konzession bewirtschaftet. Dieser Regenwald ist als eines der letzten Rückzugsgebiete der knapp 300 noch frei lebenden Sumatra-Tiger bekannt - trotzdem sieht das Unternehmen keine Schutzmassnahmen vor. Weitere Nachforschungen der Rainforest Foundation brachten illegale Holzschläge und gewalttätige Konflikte mit der Lokalbevölkerung ans Tageslicht. Longgena Ginting vom Indonesischen Umweltforum WALHI: "FSC muss davon lernen. Solange 7 von 10 Bäumen in Indonesien illegal gefällt werden, brauchen wir schnellstens ein Holzschlag-Moratorium und keine zweifelhaften Belohnungen für Firmen, die es nicht verdienen. Solange die nationale Gesetzgebung nicht mit den Prinzipien und Kriterien des FSC vereinbar ist, sollten überhaupt keine Konzessionen mehr zertifiziert werden."

Indonesiens Reichtum geht buchstäblich den Bach runter...
Gemäss offiziellen Zahlen produziert Indonesien jährlich 21,4 Mio. Kubikmeter Holz und importiert weitere 21.9 Mio. m3. Diesem offiziell zur Verfügung stehende Volumen stehen ein Inlandverbrauch von 51 Mio. sowie ein Exportvolumen von 49 Mio m3 gegenüber. Für WALHI (angeschlossen dem int. Dachverband "Freunde der Erde") ist klar: die Differenz von 56.7 Mio m3 - 70% der jährlichen Einschlages - stammen aus illegalem Holzschlag. Ursache für diesen Zustand ist die riesige Überkapazität der holzverarbeitenden Industrie in der Sperrholz-, Papier- und Zellstoffbranche. Diese Industriezweige wurden in der Vergangenheit aggressiv gefördert, oft international finanziert, und die Geschäfte durch staatliche Exportrisikogarantien abgesichert. Die Rentabilität der Fabriken wurde mit billigen Rohstoffen aus Holzplantagen erklärt. Als klar wurde, dass - neben vielen anderen Problemen - auch die Erträge der Plantagen längst nicht das budgetierte Volumen abwarfen, war es zu spät: die hochverschuldete - und deshalb mittlerweile vom Staat kontrollierte - Branche war und ist zu 85% abhängig von Zulieferungen direkt aus dem Regenwald. Klar ist damit auch: Es sind die Holzfirmen mit offiziellen Abholz-Lizenzen, welche die illegalen Geschäfte machen und für die es im korrupten Indonesien ein leichtes ist, illegales Holz durch "offizielle" Papier reinzuwaschen.
Diese selbstzerstörerische Dynamik hat zur Folge, dass der Regenwald in Sumatra in 5, auf Borneo in 10 und auf Sulawesi und Papua in 15 Jahren verschwunden sein wird und Indonesien damit sehr kurzfristig ein Einkommen von jährlich 7 Milliarden US Dollar verlieren wird. Einen Ausweg aus dieser Sackgasse sieht WALHI einzig in der Reduktion der Verarbeitungskapazität auf jährlich 20 Mio m3. Die mächtige Industrie lässt sich aber nur mit drastischen Massnahmen zur Vernunft bringen. Aus diesem Grund verlangt WALHI ein totales Holzschlag-Moratorium in ganz Indonesien und ein Ausfuhrverbot für unverarbeitete Stämme. Dies würde der Regierung die Möglichkeit geben, illegale Aktivitäten effektiv zu verfolgen und auch in anderen Bereichen (Rechte der UreinwohnerInnen, Brandrodung für Plantagen, Verschuldung der Holzindustrie) die längst überfälligen Reformen durchzuführen. Ein weiterer positiver Effekt dieser Massnahmen wäre eine Verteuerung von Tropenholz auf dem internationalen Markt.
Sind das erste Anzeichen des Kollapses der südostasiatischen Regenwälder? Thailand, die Phillipinen und Westmalaysia sind längst abhängig von Holzimporten, andere Länder stehen kurz davor. Wer an diesem Massaker nicht beteiligt sein will, boykottiert schon heute Tropenholz aus Raubbau an den letzten Regenwäldern, sei es aus Asien, Afrika oder Südamerika!
(Quellen: CITES, UNEP, WALHI, Rainforest Foundation, eia, Pro Regenwald, Bernama Malaysian News)

Schamane der Mentawai (Ureinwohner Sumatras)
Orang Utans vor dem Aussterben
jrd - Eine 145-jährige Jura-Fichte wurde im Botanischen Garten Bern von zahlreichen Freunden und Verwandten in einen Mahnbaum für Bruno verwandelt. Am 23. Mai wurde der nach indianischem Vorbild geschnitzte Totempfahl in einem kleinen Umzug auf den Bärenplatz getragen und aufgerichtet. Bei heissem Sommerwetter erinnerte dieses Gemeinschaftswerk die zahlreichen Passanten, Interessenten und Medienvertreter daran, dass Bruno an diesem Ort 60 Tage (vergeblich) für einen Tropenholzimportstopp und eine Deklarationspflicht gefastet hatte und dass unser Freund seit einem Jahr verschollen ist. Auch jetzt, beim Redaktionsschluss' Mitte Juli, können wir nichts Neues über den Verbleib von Bruno Manser berichten!
Nach 5 Tagen wurde der Mahnbaum in den Botanischen Garten transportiert und definitiv aufgestellt. Besucher können sich dort ins weiterhin aufliegende Gästebuch eintragen.
Der Bilderbogen gibt einen Eindruck vom gelungenen Gemeinschaftswerk. Der BMF dankt allen, die dazu beigetragen haben, insbesondere Wädel Brunner für die Betreuung der Schnitzarbeiten und Franz Hohler für seine eindrückliche Darbietung auf dem Bärenplatz.


Im botanischen Garten Bern wurde der Mahnbaum während 2 Wochen vom Freundeskreis
geschnitzt und bemalt...

Vom Botanischen Garten wurde der Totem-Pfahl auf den Bärenplatz in der
Berner Innestadt getragen
Aufrichtung am Bärenplatz, unweit des Schweizer Regierungssitzes, am
Ort, wo Bruno 1993 während 60 Tagen gefastet hat, um einen Import-Stopp
für Holz aus Malaysia zu erwirken.
Freunde und Verwandte sprachen zu Publikum und Medien.

Auf dem Bärenplatz in Bern.
Im Botanischen Garten in Bern fand der Mahnbaum einen Platz für die
nächsten Jahre.
Für Bruno wo immer er ist
von Franz Hohler

"Manser ist tot"
so lese ich in der Zeitung
und gleich darunter
dein Bild
dein lebendiger Blick
diese Mischung aus Skepsis und Hoffnung
Ist das möglich
Bruno dass deine Augen erloschen sind
und dass dein Mund
welcher Wörter und Blasrohr
gleichermassen beherrschte
sich nicht mehr öffnet?
Wer hat ihn
zum Schweigen gebracht?
Die Kopfgeldjäger der Kettensägen?
Die langen Klauen des Kapitals?
Oder hast du dich einfach
zu weit vorgewagt
zu der grossen Göttin Natur
so dass sie dich plötzlich
ihre grüne Arme schloss
und sagte:
Jetzt bleibst du bei mir
ich gebe dich nicht mehr zurück.
Dann wärest du nun
schon ganz und gar
von Palmenblättern bedeckt
ein gefallener Stamm
unter Moosen, Lianen und Farnen
nur ab und zu berührt
von den leichten Pfoten
der Kletteraffen
oder gestreift vom schillernden Leib einer Python
und langsam liessen sich
hängende Orchideen
über dir nieder
und manchmal hielte
ein Zwergkauz auf dir Rast
und flöge dann weiter
mit seinem Ruf
den du nachahmen konntest
"kuk - kukuk"
die letzten wilden Wälder durchmessend
die du für ihn erhalten wolltest
und in denen du bleiben wirst
tot vielleicht aber immer lebendig
für uns.
Unsere Freundin und Gönnerin Barbara Hartmann möchte künftig immer am letzten Samstag im Mai ein Treffen für Freunde, Verwandte und Seelenverwandte von Bruno durchführen, damit sein Geist "fortlebt". Wer daran teilnehmen möchte, soll sich bitte bei ihr melden: B. Hartmann, Loch, 3157 Milken; Fax 031/731 08 79.
jrd - Ebenfalls am 23. Mai fand im Pro Natura Zentrum Champ-Pittet am Neuenburgersee eine Benefizveranstaltung zugunsten des BMF und der Penan statt. Nach der Vorführung des immer noch aktuellen Films "Blasrohre gegen Bulldozer" wurden von Marie-France Jankow afrikanische Tänze aufgeführt. Dann zeigte Marie-Claude Bruss Tänze aus Bali, gefolgt von musikalischen Improvisationen zu indonesischen Themen. Dieser gelungene Anlass ergab einen Reinertrag von Fr. 1163.-, den wir zur Fortführung unseres Einsatzes in Sarawak verwenden werden. Der BMF dankt allen Beteiligten herzlich für ihr Engagement, insbesondere den Tänzerinnen und Musikern sowie den Organisatoren Roseline Clarière und Pierre-André Monney.
jk - Am 19. Juni fand im Naturhistorischen Museum in Paris ebenfalls eine Pressekonferenz in Erinnerung an Bruno statt, an den Medien und interessierte Organisationen eingeladen wurden. An dem vom französischen Verein "Peuples des forêts primaires" organisierten Anlass sprachen neben Sonia Fraquet Prof. Francis Hallé von der Universität Montpellier, Francois Terrasson, Prof. am Naturhistorischen Museum, Telo Abing vom Stamm der Penan sowie Vertreter der Organisationen ATTAC und Robin des Bois und BMF. Später im Jahr soll eine Bruno gewidmete Skulptur einen festen Platz in der Bretagne erhalten.
db - Jährlich werden in der Schweiz Importstatistiken evaluiert und gelesen. Je nach Auftraggeber ergeben diese ein paar Tonnen mehr oder weniger Tropenholz, während sich der Import sowieso jährlich ändert. Doch was kann man aus diesen Statistiken entnehmen? Eigentlich nur, ob mehr oder weniger importiert wurde. Eine genaue Vorstellung von den angegebenen Zahlen in Tonnen oder Kubikmetern Rundholzäquivalent hat eigentlich niemand. Deshalb hat der BMF dieses Jahr ausgerechnet, wieviel Tropenwald für die Importe von 1970 - 2000 zerstört wurde.
Unsere Berechnungen basieren auf Auswertungen der schweizerischen Zoll- & Aussenhandelsstatistik. Berücksichtigt wurden klar als Tropenholz deklariertes Rundholz (entrindete Stämme) und Schnittholz (v.a. Bretter) sowie andere daraus hergestellte Produkte, welche direkt aus tropischen Ländern importiert wurden. Die verschiedenen Posten wurden mit angemessenen Äquivalenzwerten1 in Rundholz und dann in die dafür zerstörte Fläche umgerechnet2. Mit anderen Worten in der Statistik wurde die Zerstörung rückwärts berechnet: Von Produkt und Schnittholz zu Rundholz; von Rundholz zur Fläche.
Für den Schweizerimport wurde zwischen 1970 und 2000 eine Fläche von 270 km2 tropischen Regenwaldes kahlgeschlagen, was ungefähr der Grösse des Kantons Genf entspricht. Das bedeutet im Durchschnitt jährlich 8.7 km2, oder eine Fläche von 5 Fussballfeldern pro Tag! Nicht vergessen werden darf, dass bei diesen Zahlen Halb- und Fertigprodukte (z.B. Möbel, Türen, Küchenutensilien, Papier u.A.) die Holz aus den Tropen enthalten können, nicht berücksichtigt sind. Die beeinträchtigte Waldfläche ist also noch wesentlich grösser. Für diese Zerstörung tragen diejenigen die Verantwortung, die mit tropischen Hölzern handeln und auch die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten, die sie kaufen.
Des Weiteren zeigt die Statistik, dass insbesondere der Rundholz-Import (1970: 124'955.63m3, 2000: 11'130.67m3) massiv abgenommen hat. Dieser war bis 1982, als einige Länder den Export von unverarbeiteten Stämmen untersagten, dominierend. Seither ist es der Schnittholz-Import, der seit 1970 ziemlich gleichgeblieben ist, und der fast als Konjunkturindex unserer Bauindustrie angesehen werden kann.

jk - Die Brunegg AG (Brunex) aus dem aargauischen Brunegg ist mit Abstand die grösste Schweizer Türen-Verkäuferin und wohl auch die grösste Schweizer Tropenholz-Verbraucherin. Seit dem Jahr 1954 hat Brunex mittlerweile fünf Millionen Türen verkauft - praktisch alle mit einem versteckten Anteil an Tropenholz! Wir haben ausgerechnet, was das für den Regenwald vor allem in Afrika bedeutet. Geht man von einer Türe aus mit den Massen 200 cm x 85 cm deren Kanteln aus 4 x 4 cm Tropenholz besteht, wobei die Unterseite aus 3 übereinandergelegten Kanteln besteht (um die Türe individuell anpassen zu können), ergibt das ein Tropenholz-Volumen von 0.011328 m3 pro Türe. Für 5 Mio. verbaute Türen macht das total 56'640 m3 an Tropen-Schnittholz. In Rundholz-Äquivalenten1 umgerechnet ergibt das fast 102'000 m3 - was wiederum einer kahlgeschlagenen Fläche2 von über 10 km2 entspricht, die von der Firma Brunex in Schweizer Häuser verbaut worden sind! Die Fläche ist tatsächlich deutlich grösser, da viele Türen mit Tropenholz-Furnieren beklebt werden und Spezialprodukte wie Brandschutztüren teilweise ganz aus Tropenholz bestehen.
"Baut Eure Häuser nicht aus unserem Wald!" Penan-Häuptling Unga Paren, Sarawak
1 Beim Verarbeiten von Rundholz entsteht viel Abfall: 1 m3 Rundholz = 0,55 m3 Schnittholz, Quelle: Ara Konkret 2 (1992)
2 Ausbeute = 1 m3 Rundholz pro 0,01 ha, Quelle: Grünberger (1999)
jrd - Die Internationale Tropenholzhandelsorganisation ITTO mit Sitz in Jokohama wurde von Konsumenten- und Produzentenländern gegründet, um den Aufrufen zum Boykott von Tropenholz den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie will das Überleben der Regenwälder vor Allem durch die Förderung des Handels mit tropischen Hölzern erreichen...
Das wichtigste Ziel, dass ab dem Jahr 2000 nur noch nachhaltig produziertes Tropenholz in den internationalen Handel gelangen darf, hat die ITTO klar verfehlt: Kein einziges der angeschlossenen Produzentenländer betreibt nachhaltige Forstwirtschaft! Dennoch werden keine Sanktionen gegen diese Produzenten ergriffen, und der Handel mit tropischen Raubbauhölzern geht munter weiter (oder nimmt sogar zu).
Eine Organisation, die so wirkungslos ist, verdient keine weitere Unterstützung, umso mehr als sie der Schweiz als Vorwand dient, um keine griffigen Massnahmen gegen die Zerstörung der tropischen Regenwälder zu treffen: Mit dem Hinweis auf die ITTO-Mitgliedschaft wurde unter Anderem die Einführung einer Deklarationspflicht für Holz und Holzprodukte bekämpft.
Wir fordern deshalb den Bundesrat auf, die Schweizer Mitgliedschaft in der ITTO zu kündigen und die dadurch eingesparten Mittel für andere, wirksamere Massnahmen zum Schutz der Tropenwälder zu verwenden. Ausserdem verlangen wir als Sofortmassnahme einen Importstopp für sämtliches, aus nicht nachhaltiger Produktion stammende Tropenholz!
Alle in der Schweiz und Frankreich wohnhaften Adressaten erhalten eine Petition. Unterschreiben Sie bitte, sammeln Sie möglichst noch ein paar Unterschriften mehr und schicken Sie den Petitionsbogen (auch wenn er nur teilweise gefüllt ist) bis Ende November an den BMF bzw. an Peuples des Forêts Primaires zurück. Danke!
jrd - Die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, einem UNO-Gremium mit Sitz in Genf, ist die einzige international gültige Übereinkunft zum Schutz von Urvölkern. Sie verankert nicht nur deren Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, sondern legt für diese Völker auch Grundrechte wie den Anspruch auf ein eigenes Territorium, eine eigene Lebensweise und Sprache fest. Der BMF fordert schon lange die Ratifizierung dieses nützlichen Instruments und hat am Bärenplatz in Bern über 400 Unterschriften für eine entsprechende Petition an das Eidgenössische Parlament und den Bundesrat gesammelt. Sie wurde am 31. Mai, kurz vor der Nationalratsdebatte, eingereicht. Die Aussenpolitische Kommission des Nationalrats hatte eine Motion formuliert, die einen raschen Beitritt der Schweiz zur IAO-Konvention 169 verlangt. Nachdem das Staatssekretariat für Wirtschaft "seco" sich gegen die Ratifizierung aussprach, übernahm der Bundesrat diese Haltung, obwohl er sich davor für die Konvention ausgesprochen hatte! Bei der Behandlung der Motion im Nationalrat erhielt Bundesrat Couchepin Unterstützung von rechts, mit dem Argument, die Fahrenden in der Schweiz könnten dadurch gegenüber der übrigen Bevölkerung bevorzugt werden.
Doch schliesslich setzten sich die Pro-Argumente knapp durch, und die Motion wurde am 5. Juni 2001 überwiesen. Jetzt muss sie noch vom Ständerat behandelt werden, und der BMF, die Gesellschaft für bedrohte Völker und andere NGOs, die "eingeborene und in Stämmen lebende Völker" unterstützen, fordern die kleine Kammer auf, dem mutigen Entscheid des Nationalrats zu folgen.
jrd - Die Drogistenklassen 2c und 3c der Gewerblichen Berufsschule Luzern befassten sich vor einiger Zeit mit den Völkern der Regenwälder und hörten dabei auch von Bruno Mansers Einsatz für die Penan. Sie beschlossen seine Arbeit gegen die Abholzung der Urwälder zu unterstützen. Dabei stellten sie fest, dass in der Innerschweiz nur wenige Gemeinden offiziell auf Holz aus Raubbau verzichten und bestellten deshalb beim BMF die detaillierten Unterlagen. 23 Gemeinden unterschiedlicher Grösse wurden angeschrieben und gebeten, künftig auf Raubbauholz zu verzichten. Das Echo war fast durchwegs positiv. Zwei Gemeinden werden über den Vorstoss in nächster Zeit entscheiden, während bei zehn Gemeinden noch nähere Abklärungen nötig sind, bevor sie auf unsere Verzichtsliste aufgenommen werden können. Baar und Buttisholz figurieren inzwischen schon auf dieser Liste.
Neun Gemeinden haben neu einen verbindlichen Beschluss zum Verzicht auf Raubbauholz in öffentlichen Bauten gefasst, nämlich Ebikon LU, Hünenberg ZG, Kerns OW, Oberkirch LU, Rothenburg LU, Seedorf UR, Sempach LU, Steinerberg SZ und Wauwil LU. Damit figurieren nun 297 Schweizer Gemeinden mit einer Einwohnerzahl von insgesamt 3,1 Millionen auf unserer Liste. Der BMF dankt den Schülerinnen und Schülern der beiden Klassen ganz herzlich für ihren tollen Einsatz und gratuliert den genannten Gemeinden zu ihren Beschlüssen.
jrd - In der Remise des Gellertgutes in Basel hielt der BMF am Samstag 16. Juni seine von 23 Personen besuchte Generalversammlung ab.
Der Jahresbericht und der Bericht der Revisoren wurden zur Kenntnis genommen. Die Jahresrechnung 2000 schliesst bei einem Ertrag von Fr. 303'155.63 Franken und einem Aufwand von Fr. 321'196.15 mit einem Ausgabenüberschuss von Fr. 18040.52 ab. Sie wurde ohne Gegenstimme genehmigt.
Die langjährigen Vorstandsmitglieder Barbara Jäckli und Marco Baettig treten zurück. Der BMF dankt Ihnen herzlich für die geleistete Arbeit.
Es lagen 4 Anträge von Mitgliedern vor, die die Zukunft des BMF betreffen. Nach langer Diskussion wird beschlossen, den Vorstand auf 3 Mitglieder zu verkleinern, eine aus Freiwilligen bestehende Aktionsgruppe aufzubauen und neu die Teilzeitstelle eines Campaigners zu schaffen (siehe das Inserat unten). Das Sekretariat wird entsprechend neu organisiert werden. Man ist sich einig, dass der BMF weiterbestehen soll. Das sind wir seinem Gründer Bruno Manser schuldig, und die Penan lassen wir jetzt auch nicht im Stich! Ausserdem soll die Zusammenarbeit mit zielverwandten Organisationen intensiviert und die Arbeitsfelder des BMF etwas ausgedehnt werden, ohne unsere Schwergewichte in Sarawak (Unterstützung der Penan) und Malaysia bzw. Borneo (gegen den Raubbau an den Regenwäldern) zu vernachlässigen. Dafür müssen wir zusätzliche Finanzmittel auftreiben, Anschliessend werden 7 neue Mitglieder aufgenommen und die Revisoren Rolf Loosli und Roger Graf wiedergewählt. Bei den Wahlen in den Vorstand werden Michael Mettler und Michael Studer bestätigt und neu Thys Meyer aus Basel gewählt. Thys (29) ist zur Zeit in der Ausbildung zum Primarlehrer, engagiert sich seit vielen Jahren für Umweltschutz und Menschenrechte und wird dem BMF sicher neue Impulse geben.
John Künzli, Mutang Urud, Michael Studer, J. Rudolf Dietrich, Thys Meyer (von
links)
bmf - Der BMF macht bei der von der "Erklärung von Bern" lancierten Kampagne gegen den Ausverkauf des öffentlichen Dienstleistungssektors mit. Im Rahmen des GATS (General Agreement on Trade in Services), eines Abkommens der Welthandelsorganisation WTO, hat sich die Schweiz verpflichtet, bisher mehrheitlich von staatlichen Stellen im Interesse der Gesamtbevölkerung wahrgenommene Dienstleistungen wie die Wasserversorgung oder das Gesundheitswesen der privatwirtschaftlichen Konkurrenz auszusetzen. Wir meinen aber, dass die Bevölkerung bei der Grundversorgung ein Mitspracherecht behalten muss, damit nicht plötzlich amerikanische Multis unsere Schulen übernehmen...
Für ärmere Länder des Südens ist es erst recht wichtig, dass sie über die Basisdienste für ihre Bevölkerung selber bestimmen und diese allenfalls auch subventionieren können. Zudem muss es den Entwicklungsländern ermöglicht werden, Rahmenbedingungen in der Beschäftigungspolitik aufzustellen, z.B. welcher Anteil an Einheimischen im Kader beschäftigt werden muss. Solche Regelungen wären aber unter dem GATS nicht erlaubt.
Impressum Tong Tana Zeitschrift des Bruno-Manser-Fonds (BMF) Verein für die Völker des Regenwaldes Heuberg 25, CH-4051 Basel Telefon 061/261 94 74 Fax 061/261 94 73 E-mail: info@bmf.ch Internet: http://www.bmf.ch Redaktion: John Künzli, J. Rudolf Dietrich Autoren: Dominik Bucheli (db), J.R. Dietrich (jrd), F. Hohler, J. Künzli (jk) Fotos: BMF, Fritz Berger, Walter Brunner, Erika Müri-Marrer Titelbild: Bruno Manser Übersetzungen: Robert Gogel (französisch), Nicole Widmer (englisch) Auflage: 5600 (3500 deutsch, 1400 französisch, 700 englisch) Erscheint dreimal jährlich Auf Spenden sind wir angewiesen - herzlichen Dank! Spendenkonti: Schweiz/Liechtenstein: Postkonto: 40-5899-8 Coop-Bank, CH-4002 Basel, Konto 421329.29.00.00-5 Frankreich: La Poste, Strassburg, N° CCP 2.604.59T Satz und Druck: Gremper AG, Basel