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Rundbriefe






Bruno Manser Fonds
Heuberg 25
4051 Basel
Schweiz
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Aktualisierung 2001-12-11

Tong Tana, Dezember 2001

Zeitung des Bruno Manser Fonds

zu den Themen Regenwald, Indigenenrechte und Holzhandel

Cover Tong-Tana 1999-9 30K

Inhaltsverzeichnis


Editorial


Bruno Manser, Häuptling Along Segah, Gisa Paren (von links) kurz vor Brunos Ausreise 1990

Der BMF im Umbruch

jk - Seit Roger Graf Mitte der 80er Jahre nach seiner Rückkehr aus Sarawak, wo er Bruno Manser und das Volk der Penan kennenlernte, den Einmann-Verein "Pro Penan" gründete, hat sich vieles verändert. Aus dem kleinen Kreis verschworener AktivistInnen. zu dem seit erster Stunde die energische Barbara Nathan-Neher gehörte (s. Seite 11), wurde eine national und international etablierte Nichtregierungs-Organisation (NRO).

1990, nach Brunos Rückkehr in die Schweiz, wurde der Bruno-Manser-Fonds (BMF) gegründet, welcher ab 1993 als "Verein für die Völker der Regenwälder" selbständig arbeitete. Das Sekretariat wurde anfänglich von Aila Ziegler, später von Roger Graf geführt, und die Gruppe, auf die Bruno zurückgreifen konnte, um seine spektakulären, phantasie- und humorvollen Aktionen zu realisieren, wuchs ständig. Ziel dieser Aktionen war die Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung, Boykott von Tropenholz, die Anerkennung und Respektierung der Land- und Nutzungsrechte der Penan und anderer Völker des Regenwaldes, Importmoratorium für Holz aus Raubbau sowie die Einführung einer Deklarationspflicht nach Art und Herkunft für alle Hölzer, auch solche aus der Schweiz!

Vor allem in Sarawak unterstützt und finanziert der BMF verschiedene Organisationen, die sich für die Urbevölkerung einsetzen, indem wir Miet- und Infrastrukturkosten, Transport- und andere Spesen im Zusammenhang mit dem Informations-Austausch und der Teilnahme an Konferenzen übernehmen. Auch die Demarkierung der Territorien, zahnmedizinische Hilfe oder die Erstellung eines Menschenrechts-Berichtes werden neben Anwalts- und Gerichtskosten, sowie Entschädigungen für Gefängnisaufenthalte vom BMF mitfinanziert. Weitere Projekte, z. B. in der alternativen Landwirtschaft, werden dank dem BMF von Dritten wie der JUMBO AG oder FLY finanziert (s. Seite 10).

Daneben pflegt der BMF den Kontakt zum globalen Netzwerk für Umweltschutz und Menschenrechte und nimmt regelmässig an internationalen Konferenzen wie dem "Forest Movement Europe (FME)" teil.

Brunos Einsatz garantierte über Jahre hinweg die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft. Der Verein vergrösserte sich ständig, und heute erhalten 4500 Adressaten regelmässig unseren Rundbrief "Tong Tana" in Deutsch, Französisch und Englisch, davon 3700 in der Schweiz. Neben Privatpersonen (3000) handelt es sich dabei um politische Behörden und Institutionen, andere Nichtregierungsorganisationen, die Holzbranche und diverse Medienhäuser.

80% des Aufwandes werden von freiwilligen Spenden, der Rest aus dem Warenverkauf, Bild- und Photohonoraren, Vorträgen u.ä. finanziert. Ein durchschnittliches Budget der vergangenen Jahre betrug rund 250'000 Schweizer Franken, wobei der Jahresertrag etwa 200'000 Franken betrug das Defizit wurde jeweils aus dem während Brunos Hungerstreik 1993 geäufneten Vermögen beglichen. Näheres über die Verteilung der Gelder im Jahr 2000 erfahren Sie auf Seite 11.

Bis 1999 beschäftigte der BMF jeweils zwei Angestellte: Bruno à 20% sowie einen Sekretär à 50%. Ab 1999 kam dann eine dritte Person dazu. Seit Brunos Abreise Anfang 2000 sind es wieder zwei mit zusammen 90 Stellenprozenten. In der Aufklärung der Öffentlichkeit spielt der BMF und Bruno eine wichtige Rolle.

Das zeigen die vielen Anfragen von Privaten, Schulen, Firmen, Behörden und Medien an den BMF. Sogar das neuste Positionspapier zur Schweizer Tropenwald-Politik des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) nennt den BMF als treibende Kraft, wenn es um den Schutz der letzten Urwälder geht und anerkennt unsere Wichtigkeit, obwohl wir kaum Freunde sind. Zudem haben 300 Schweizer Gemeinden aufgrund unserer Kampagne den Verzicht auf Holz aus Raubbau beschlossen! Dies beweist, dass der BMF als Regenwald- und Indigenen-Organisation ernst genommen wird und seine bescheidenen Mittel sehr effizient einsetzt.

Nun ist Bruno seit bald zwei Jahren verschwunden, seine Rückkehr ist unwahrscheinlich. Bruno ist unersetzlich. Wenn wir aber weitermachen, Brunos Positionen halten und die Penan auch in Zukunft unterstützen wollen (sie bitten inständig darum), müssen wir handeln. Um in der Öffentlichkeit weiter präsent zu sein, haben wir die Stelle eines Kampagnen- und Aktionsgruppenleiters geschaffen (s. Seite 12).

Da sich Bruno nicht mehr regelmässig selbst ein Bild machen kann und niemand von uns die Sprache und Kultur der Penan versteht, muss der Informationsfluss in und aus Sarawak neu organisiert werden. Um das zu kompensieren, wurden vor Ort zusätzliche Leute eingestellt, eine bessere Infrastruktur geschaffen und vermehrt Aktivisten aus Sarawak in die Schweiz eingeladen. Auch Mutang Urud, ein Dayak vom Stamm der Kelabit, der heute im kanadischen Exil lebt, arbeitet aus diesem Grund seit Jahresbeginn für uns; er war seither schon zweimal in der Schweiz, um an UNO-Konferenzen teilzunehmen.

All das hat eine Aufstockung des Budgets auf mindestens 350'000 Franken zur Folge. Weil die letzten Reserven bald aufgebraucht sein werden, muss mehr Geld zusammenkommen, soll der BMF seinen Auftrag weiterhin erfüllen. Ein provisorisches Budget für 2002 finden Sie auf Seite 11.

Zur Mittelbeschaffung haben wir verschiedene Ideen:

Liebe Leserin, lieber Leser, das Schiff BMF hat seinen Kapitän verloren. Wir müssen Instrumente ergreifen, um auf dem eingeschlagenen Kurs weiterzufahren. Ohne Bruno bleibt uns nur die "Flucht nach vorn"! Wir sind zuversichtlich, dass uns das mit Ihrer Unterstützung gelingt! Im nächsten Rundbrief werden wir über konkrete Schritte zur Mittelbeschaffung berichten, und Ihnen detailliert ein Projekt in Sarawak vorstellen.

Wir wünschen Ihnen frohe Festtage und ein gesegnetes neues Jahr

John Künzli & das BMF-Team




Genügend Sago für Alle bringt Gesundheit und gute Laune! August 2001, Ulu Baram




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Nachrichten aus Sarawak



Zweite Suchexpetition zum Batu Lawi (Juli - August 2001)

Während dem Flug nach Kuala Lumpur besprechen Ruedi Suter und ich das Vorgehen, falls unsere Namen, vor allem mein Name "Manser", im Zentralcomputer gespeichert ist. Wider Erwarten haben wir keine Probleme an der Grenze, auch in Sarawak nicht.


Erich Manser mit Freunden unterwegs zum Batu Lawi, August 2001

Von der Stadt Miri aus geht es in rasanter Fahrt mit dem Jeep Richtung Urwald. Es ist sehr heiss, als wir den Check Point erreichen. Die Polizisten haben sich in den Schatten zurückgezogen; wir passieren ohne Probleme. Stundenlang fahren wir durch hügelige Landschaft, links und rechts Palmölplantagen so weit das Auge reicht. Monokultur par excellence; tausende Hektaren Regenwald verschwunden. Erschreckende Realität. Ständig kreuzen wir Holztransporter, welche riesige Staubwolken aufwirbeln. Im letzten "grossen" Ort decken wir uns mit Nahrungsmitteln ein; Reis, Sago, Salz, Zucker, sowie Buschmesser und anderes Nützliches.

Es ist schon dunkel, der Fahrer nimmt eine Abkürzung, eine steile, rutschige Strasse, die etwa nach einer Stunde im nirgendwo endet. Die Rückfahrt ist ein Abenteuer. Wir rutschen seitwärts gegen den Abgrund, dann wieder gegen die Felsen. Wir drehen uns um die eigene Achse und kommen uns vor wie in einem Schlitten auf Glatteis. Gegen Mitternacht erreichen wir das Ende der Loggingstrasse. Wo sind die Penan, die uns begleiten werden?

Am nächsten Nachmittag treffen acht Penan ein. Der Übersetzer erklärt uns, dass sie vier Tage zu Fuss unterwegs waren, um hier her zu kommen. Nach etwa fünf Stunden Fussmarsch erreichen wir die Penansiedlung "Pa Tik" welche aus ein paar Langhäusern besteht. Wir essen gemeinsam das Abendmahl: Reis, Sago und Bärenfleisch.

Ich spreche zu den Penan und erkläre ihnen, dass meine Freude gross ist, dass wir uns gemeinsam, sie als Freunde und ich als Bruder und zusammen mit Ruedi auf die Suche nach Bruno, dem "Laki Penan" machen können. Auf meine Worte folgt ein für mich einmaliges Erlebnis. Gisa Paren, erhebt sich und umklammert meine Brust. Alle anderen Penan berühren mich ebenso irgendwo und bilden einen Kreis um mich. Minutenlang stehe ich in diesem Knäuel von Penan; meine Gefühle sind kaum in Worte zu fassen.

Mit diesem Ritual werde ich von den Penan als einer der "Ihren" akzeptiert.

Früh am nächsten Morgen machen wir uns mit den elf Eingeborenen in Richtung "Batu Lawi" auf den Weg. Unterwegs sein bedeutet stundenlang marschieren, Flüsse überqueren, Hindernisse überwinden, Nachtlager bauen...

Die physischen und psychischen Anstrengungen sind eine grosse Herausforderung. Die hohe Luftfeuchtigkeit (es regnet jeden Tag mindestens einmal, oft auch nachts), das eigene Schwitzen, die immer feuchten Kleider, die Blutegel, die unsere Füsse strapazieren, und vieles mehr gilt es auszuhalten. Die Nahrung ist überaus eintönig und besteht hauptsächlich aus Reis und Sago, einer trockenen, klebrigen Masse ohne Geschmack. Fleisch vom Stachelschwein, dem Otter und anderem Wild bereichert unsere Mahlzeiten. Zum Glück sind die Penan gute Jäger.

Der Aufstieg zum "Batu Iran" ist steil und rutschig, wir müssen uns an allem halten, was wir zwischen die Finger kriegen.

Hier hatte Bruno den letzten Kontakt mit Paleu. Wir steigen hinab zum "Brunei River". Mit dem Buschmesser werden Bäume gefällt, um darauf den reissenden Fluss zu überqueren. Wir erreichen Bruno`s letztes Lager, ein idyllisches Plätzchen am Fluss.

Der Bergmooswald, indem wir uns befinden, ist so dicht, dass wir uns jeden Meter frei schneiden müssen. In diesem Gebiet suchen wir intensiv nach weiteren Spuren von Bruno; leider ohne Erfolg.


Waghalsige Flussquerung: improvisierte Brücke, August 2001

Tief in meinem Herzen werden zwei Ebenen stark berührt. Die eine ist die Ungewissheit, das Bangen um Brunos Schicksal. Die andere ist die Faszination der täglichen neuen Eindrücke und Erlebnisse, vor Allem aber die des herzlichen Zusammenseins mit den Penan.

Unter dem "Batu Lawi" bauen wir unser Basislager auf. Wir besteigen den eindrücklichen Berg bis zu jenem Punkt, der auch von der ersten Expedition erreicht wurde. Es ist neblig, wir sehen nur wenige Meter weit. Die Feuchtigkeit ist dermassen hoch, dass wir innert kurzer Zeit völlig durchnässt sind. Durchfroren kehren wir ins Lager zurück. Am nächsten Morgen haben wir Wetterglück. Wieder an derselben Stelle angelangt überwinden wir mit einiger Mühe eine Steilpartie und dringen weiter vor. In einer Felsspalte finden wir Silberpapier, Plastik und Verpackungsmaterial datiert mit 1985. Dies lässt sich nicht Bruno zuordnen.

Wir klettern bis an die senkrechte Felswand des gigantischen "Batu Lawi". Auf der ganzen Strecke finden wir Spuren, die von einem Buschmesser erzeugt wurden. Die Penan schätzen, dass diese etwa ein Jahr alt sind. Am nächsten Tag durchkämmen wir den Wald am Fusse des Berges: auch hier ist es uns nicht möglich, Hinweise zu finden.

Wir lösen unser Basislager auf und kehren nach "Pa Tik" zurück, verabschieden uns von den Penan und reisen Richtung Flughafen.

Trotz des traurigen Anlasses für diese Reise und der erfolglosen Suche nach meinem Bruder Bruno war es für mich ein einzigartiges Erlebnis, mit meinen eigenen Augen und all meinen Sinnen dem nachzuspüren, was Bruno im Dschungel und im Zusammensein mit den Penan dermassen faszinierte. Jetzt erst verstehe ich ihn aus vollem Herzen. Erich Manser




Erich mit den Penan auf dem Batu Lawi, August 2001



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Geschichte vom Vogel But und vom Vogel Kuwai

Der Vogel Kuwai (Argus-Fasan), ein schlauer Kerl, der den Vogel But (eine andere Fasanen-Art) immer hereinlegte, hatte ursprünglich auch keine schönen Zeichnungen auf seinem Federkleid, deshalb war er ja der Freund von But.

Die Geschichte erzählt, dass früher, als die beiden Vögel noch Freunde waren, beide ganz schwarz waren und erbärmlich anzusehen waren. Alle Vögel, vom Nashornvogel "Belengang" bis zu den ganz kleinen Vögeln trugen schöne, farbige Zeichnungen. Die beiden schwarzen Vögel schämten sich ihrer unansehnlichen Federkleider. Eines Tages kamen sie zusammen, um sich zu beraten. "Warum nur sind wir von allen Vögeln auf der Welt diejenigen mit dem schlechtesten Aussehen?", fragten sie sich. "Nun, nachdem es halt so ist, tun wir gut daran, uns selber zu dekorieren.", meinte Kuwai. "Ja, deine Idee ist wirklich gut!", antwortete But und sie begannen, sich gegenseitig zu verzieren. "Schmücke mich zuerst!" verlangte Kuwai von But, und so zeichnete ihm But herrliche Motive vom Kopf bis zum Schwanz und als er fertig war, war sein Werk wirklich gut gelungen! Nun war Kuwai an der Reihe, auch auf But schöne Zeichnungen zu malen. Weil es aber Kuwai gar nicht passte, dass sein Kamerad von schönem Aussehen war, malte er ihm bräunliche Federn und meinte, seine Dekoration sei vollendet. "Mein Herz ist voller Glück, denn Du hast mich wirklich schön geschmückt", fügte Kuwai noch an.

Als But sein schäbiges Aussehen erkannte, wurde er sofort wütend auf Kuwai und wollte ihn packen, aber Kuwai schwang sich in die Lüfte und verschwand.

Wegen Kuwai blieb But nun für alle Zeiten ein hässlicher Vogel und schämte sich seines Aussehens. Er lebte von nun an schlecht, sass nur noch im Unterholz und begnügte sich damit, durch das Gestrüpp zu streifen.

Der Kuwai hingegen, mit seinem aufgepeppten, attraktiven Äusseren setzte sich auf die hohen Ästen, denn er war unter den schönen Vögeln der König!


Die schönen Federn des Argus-Fasans haben für die Ureiwohnern Sarawaks magische Kräfte. Durch die Abholzung ist er jedoch vor dem Aussterben bedroht. Mai 2000



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Wieder Verhaftung von Penan

jk - Hendry David, 20-jähriger Penan von Long Sabai am Oberlauf des Baram-Flusses, wurde am 8. Oktober 2001 von der Polizei verhaftet. Die halbstaatliche Holzfirma Shin Yang Company beschuldigte ihn, zwischen dem 25. und 29. September auf dem Firmengelände zwei Sattelschlepper in Brand gesteckt zu haben. Obwohl Hendry David und die DorfbewohnerInnen die Unschuld beteuerten und versicherten, sie seien zum angegebenen Zeitpunkt nicht im Camp gewesen, und die Firma Shin Yang auch keine Beweise für ihre Anschuldigungen vorlegen konnte, wurde der junge Mann per Express-Boot und in Handfesseln nach Marudi ins Gefängnis überführt. In der folgenden Untersuchung ergaben sich aber keinerlei Hinweise auf Hendrys Täterschaft und er wurde am 14. Oktober wieder freigelassen.Quelle: www.rengah.c2o.org


Schild der Dayak vom Stamm der Kenyah



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Wahlen in Sarawak und erste Folgen

jk - Am 27. September fanden in Sarawak Kabinetts-Wahlen statt. Mit grossen Hoffnungen warben erstmals auch die in West-Malaysia recht erfolgreichen Oppositionsparteien Keadilan (AnhängerInnen des seit 1997 inhaftierten ehemaligen Vize-Premiers Anwar Ibrahim) und PAS (Islam-Partei) neben der Democratic Action Party DAP um die Gunst der Wähler. Vergebens: Taib Mahmud - Chief Minister seit 1981 - und seine Regierungskoalition "Nationale Front" gingen als strahlender Sieger aus dem Wahlkampf hervor und gewannen 60 der 62 Parlamentssitze. Die DAP verlor 3 Sitze und stellt mit Chiew Chin Sing nun den einzigen Oppositionellen im ganzen Parlament!

Gründe für diese harte Niederlage gibt es viele: Die Oppositionsparteien konnten sich nie zu einer engen Zusammenarbeit durchringen; zu Dutzenden verliessen Kandidaten kurz vor dem Wahltermin ihre Parteien; der mächtigen Progapandamaschine der "Nationalen Front" hatten die unerfahrenen Oppositionellen wenig entgegenzusetzen; Einschüchterung und Gewaltanwendung gegen unliebsame Kandidaten, resp. Schmiergeldzahlungen an Kandidaten und WählerInnen waren an der Tagesordnung. Des Weiteren instrumentalisierten Taib und Komplizen die Angst nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York für ihre Zwecke.

Das Wahlresultat hat gravierende Folgen: Die Opposition wird keine eigenen Vorstösse im Parlament machen können, das Gesetz verlangt dafür zwei Unterzeichner ...

Aber auch den (wenigen) Nichtregierungs-Organisationen, den noch traditionell wirtschaftenden UreinwohnerInnen generell, sowie den armen Bevölkerungsschichten weht ein rauher Wind entgegen. Als erste Amtshandlung verabschiedete das neue Parlament ein Gesetz, das die Rechte der indigenen Bevölkerung, ihre Land- und Gewohnheitsrechte zu verteidigen ein weiteres Mal drastisch beschneiden wird. In Zukunft werden nämlich nur noch vom Staat lizenzierte Personen Landvermessungen vornehmen dürfen. Wer ohne amtliche Bewilligung Landvermessungen vornimmt, z. Bsp. Penan, die ihre Territorien mit Hilfe von Experten aus dem Ausland selber demarkieren, wird mit bis zu 50'000 Ringgit (14'000 US$), oder mit 3 Jahren Gefängnis oder mit beidem gebüsst!

Viele Initiativen von Dayak-Gemeinschaften können künftig für illegal erklärt werden, da die Ureinwohner in der Regel nicht über den von der Regierung verlangten beruflichen Grad verfügen. Das Amt für Landvermessung kann aber selbst ausgewiesene Experten ohne Angaben von Gründen zurückweisen und erteilte Lizenzen jederzeit widerrufen.

Diese Gesetz ist sowohl in Malaysia als auch in der ganzen Welt ohne Beispiel. Aktivisten und Nichtregierungs-Organisationen nutzen das Mittel der Kartenerstellung ohne jegliche gesetzliche Einschränkung. Dank solcher Karten gewinnen die Landrechte indigener Völker weltweit Anerkennung - sogar in Sarawak urteilten die Gerichte in solchen Fällen immer fortschrittlicher. Nur die Staatsregierung von Sarawak bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung. Es handelt sich wohl um eine Reaktion auf den Sieg der Iban-Gemeinschaft von Rumah Nor, die mit selber angefertigten Karten erfolgreich die Regierung und die Plantagenfirma Borneo Pulp & Paper BPP Company wegen illegaler Landnahme verklagte. (s. Tong Tana August 2001)

Am selben Tag wurde auch gleich noch ein neues Waldgesetz behandelt. Den Ureinwohnern soll es künftig verboten sein, Holz und andere Waldprodukte für den Verkauf und anderen kommerziellen Zwecken zu sammeln. Wieder war Chiew Chin Sing die einzige kritische Stimme. Er bemängelte, dass den Ureinwohnern verboten ist, was die Regierung schon lange tut, nämlich die Ressourcen zu plündern und dabei stinkreich zu werden. "Die indigene Gemeinschaft tut nur, was sie die Regierung lehrt: die natürlichen Ressourcen zu Geld zu machen. Nun können sie strafrechtlich verfolgt werden und müssen beweisen, dass sie Waldprodukte nicht zu kommerziellen Zwecken sammeln. Das ist gegen unser Rechtssystem, wo alle unschuldig sind, bis das Gegenteil bewiesen ist!"

Aufgrund eines weiteren Gesetzes macht sich in Zukunft strafbar, wer "geschützte Bäume oder solche mit einem pharmazeutischen Wert" züchtet, vermehrt oder anbaut. Dazu Chiew Chin Sing: "Das versehe ich nicht. Da gibt es wertvolle Baumarten, aber Menschen, die diese Bäume kultivieren, werden mit bis zu 30'000 Ringgit (US$ 8400.--) und/oder Gefängnis bestraft, während eine Abholz-Firma, die unqualifiziertes Personal oder Schwarzarbeiter einstellt, mit gerade mal 5000 Ringgit (1400 US$) bestraft wird: Da versuchst man, etwas richtig zu machen und wird viel härter bestraft, als wenn jemand wirklich etwas falsch macht! Ich sehe weder eine Begründung noch eine Berechtigung dafür!"

Das allerletzte Wort zu diesen neuen Gesetzen ist zwar noch nicht gesprochen, auch ist nicht abzusehen, wie die Richter es anwenden werden. Immerhin urteilten diese in der jüngeren Vergangenheit vermehrt zugunsten der UreinwohnerInnen, wobei sich die Gerichte auf das Beweis-Recht berufen - und dieses müsste ebenfalls geändert werden.

Aufgrund dieser Sachlage - und weil schon sehr viel Geld investiert ist - wird der BMF die Demarkierung der Penan-Territorien weiter zügig vorantreiben und finanzieren. Helfen Sie mit - herzlichen Dank!

Quellen: www.rengah.c2o.org, www.malaysiakini.com, Presse-Erklärung Sahabat Alam Malaysia (SAM) v. 31.10.2001


Traditionelles, selbstverantwortliches Leben wird den Penan und anderen Dayak-Gruppen zunehmend verboten.



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Holzwirtschaft in Malaysia

jk - Gemäss einer Studie des WWF (1995) war Mitte der 90er Jahre ein Drittel von Malaysias Holzproduktion illegal. Dass Malaysia, und insbesondere dessen grösster Teilstaat Sarawak, exzessiv mehr Bäume fällt, als eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zulässt, ist hinlänglich bekannt. Nun sind die eigenen Wälder aber sosehr dezimiert, dass der aufgeblähten Holzindustrie der Rohstoff ausgeht. In Malaysia steht der Holzindustrie (u.a. über 1000 Sägereien) mit einer Verarbeitungskapazität von 40 Mio. m3 Holz pro Jahr, eine Jahresproduktion von nur 22 Mio. m3 (1999) gegenüber. Irgendwo muss die Differenz beschafft werden. Was liegt da näher, als von der instabilen Lage im armen und korrupten Indonesien zu profitieren? Zwar kauften sich die Malaysischen Unternehmen auch Lizenzen zum Abholzen in anderen Tropenländern - und wurden in zahlreichen Fällen der illegalen Praxis überführt, so in Kambodscha, Papua Neuguinea und Brasilien - aber billiger als aus Indonesien geht’s nicht. Grosse Mengen des in Indonesien gestohlenen Holz landet auf dem internationalen Markt, vieles davon via Malaysia.

Regierung von Sarawak wäscht gestohlenes Holz

Wie nun eine Untersuchung der englischen Environmental Investigation Agency (EIA) an den Tag brachte, ist der Chief Minister von Sarawak, Taib Mahmud und dessen Regierung direkt in den Holzschmuggel verwickelt. Die Nichtregierungs-Organisation identifizierten die beiden Hauptstädte Pontianak (West-Kalimantan, Indonesien) und Kuching (Sarawak/Malaysia) als Schlüsselstellen des illegalen Holzhandels im Wert von mehreren Millionen US$ pro Monat.

Ein Teil des illegalen Holzes kommt auf dem Landweg nach Sarawak und wird noch vor Grenzübertritt in eigens dafür eingerichteten Sägereien zu Blöcken gesägt, da Sarawak die Einfuhr von rohen Stämmen nicht erlaubt... An einem einzigen Tag wurden letztes Jahr bis zu 80 Lastwagen mit gestohlenem Holz gezählt (Strait Times 5. März 2000), vieles davon in Schutzgebieten eingeschlagen. Allein im August letzten Jahres bezahlten über 50 malaysische Holzfirmen je 4500 US$ an den indonesischen Zöllner, um unbehindert die Grenze zu passieren.

Einmal in Sarawak angekommen, stellt die Harwood Timber Company, eine Tochter der staatlichen Sarawak Timber Industry Development Corporation für 6 US$ pro Kubikmeter Papiere aus und legalisiert damit das gestohlene Holz. Insgesamt drei solcher "Holzwäschereien" unterhält die Harwood Timber Co.: Zwei an der Grenze zu Kalimantan (Lubok Antu, Tebedu) und eine an der Küste nahe Kuching (Sematan), wo Holz auf dem Seeweg ankommt. Harwood "legalisiert" auf diese Weise mindestens 500'000 m3 Holz pro Jahr und die EIA nimmt an, dass nochmals dieselbe Menge undokumentiert nach Sarawak gelangt.

Sabah, der zweite malaysische Staat auf Borneo, kommt ebenso nicht mehr ohne Schmuggelholz aus. Während die Industrie jährlich 16 Mio. m3 Holz pro Jahr verarbeiten kann (und um zu überleben auch muss), geben die Wälder Sabahs nicht mehr als 3,4 Mio. m3 her (1999). Wieder wird dieses Loch mit illegalem Holz vorwiegend aus Indonesien gefüllt. Im Mai 2000 warf das indonesische Forstministerium dem malaysischen Militär vor, in diesen Schmuggel verwickelt zu sein. Auf 80'000 bis 100'000 m3 pro Monat bezifferten indonesische Offizielle die geschmuggelte Menge.

Auch Westmalaysia ist ein grosser Käufer von illegalem Holz, vor allem aus Sumatra. Das indonesische Forstministerium beziffert hier die monatliche Menge auf 70'000 m3, wobei das Abladen der Schiffe - die ihre Flaggen wechseln, wie es ihnen gerade passt - stets unter Aufsicht malaysischer Behörden vonstatten geht.

Total stiehlt Malaysia so seinem Nachbarn jährlich fast 3 Mio. m3 wertvollstes Holz, hauptsächlich der Baumarten Ramin, Meranti und anderer Arten aus der Dipterocarpacea-Familie. Die EIA schätzt, dass Indonesien allein durch den Schmuggel von Kalimantan nach Malaysia in den letzten 10 Jahren mindestens 580 Mio. US$ verlor!!! Die Baumart Ramin wurde von Indonesien mittlerweile unter Schutz gestellt (die letzten Bestände befinden sich in Natur- und Wildschutzgebieten) und jeglichen Handel damit untersagt, auch international! Ramin ist aber eines der wertvollsten Tropenhölzer überhaupt und erzielt in Industrieländern Preise von bis zu 1000 US$ pro m3 (s. Kasten). 1989 produzierte Sarawak noch 620'000 m3 Ramin, im Jahr 2000 waren es nur noch 67‘000 m3, denn die Torf/Moor-Wälder im zugänglichen Tiefland sind kahlgeschlagen. Auch West-Malaysia, das gar keine Sumpfwälder mehr hat, exportierte letztes Jahr 31'000 m3 Ramin-Holz - Tendenz steigend, denn Malaysia ist neben Indonesien das einzige Land, in dem Ramin wächst, und somit das einzige Land, das Ramin "waschen" kann .

Die Beträge, die Indonesien durch diese illegalen Machenschaften jährlich verliert, sind immens. Dieser Sachverhalt alarmierte nun die Regierungen Südost-Asiens. Vom 11. - 13. September 2001 fand deshalb auf der Insel Bali eine Ministerkonferenz statt, an der über 15 Länder und sogar Nichtregierungs-Organisationen teilnahmen, dass ausgerechnet Malaysia durch totale Abwesenheit glänzte, ist also kein Zufall. Einzig der Chief Minister von Sabah meldete sich am 28. September in der Borneo Post zu Wort und warnte die Schmuggler im Land, ihre Aktivitäten zu stoppen, bevor sie vor Gericht gestellt werden...

Internationaler Handel zerstört die letzten Regenwälder: das Beispiel Ramin

Holzfäller-Bande im Tanjung Puting Nationalpark erhält US$ 2.20 per m3
Indonesischer Händler bezahlt US$ 20 per m3
Malaysischer Händler bezahlt US$ 160 per m3
Malaysischer Käufer von Ramin-Schnittholz bezahlt US$ 710 per m3
Exporteur in Singapur verlangt US$ 800 per m3
Europäische Käufer zahlen für geformtes Ramin US$ 1'000 per m3

Quellen: Report: Timber Trafficking, http://eia-international.org/Campaigns/Forests/Reports/timber/index.html, 12.09.2001, Jakarta Post, 14.09.2001, Borneo Post, 28.09.2001



Vollbeladener Holztransporter verlässt Penan-Territorium am Oberlauf des Baram-Flusses: Die Tage von Borneos Wälder sind gezählt. August 2001



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Schweiz


FLY unterstützt ein lokales Projekt in Sarawak

jrd - Die Möbelfirma FLY Schweiz AG wurde anfangs Jahr vom BMF wegen des Verkaufs von Gartenmöbeln aus asiatischem Raubbauholz gerügt. Die Direktion hat diesen Fehler eingesehen und Verbesserungsmassnahmen in die Wege geleitet (s. Tong Tana Mai 2001, S. 14). Ausserdem wurde vereinbart, dass der Gewinn aus dem Abverkaufs dieser Meranti-Möbelstücke als Wiedergutmachung in ein Projekt einer vom Holzschlag betroffenen Bevölkerungsgruppe fliessen soll.

FLY unterstützt nun ein von der malaysischen Nichtregierungsorganisation BRIMAS (brimas.www1.50megs.com) in Sarawak betreutes, neues Projekt und hat dafür die erste Rate von 5000 US$ überwiesen.

Durchgeführt wird das zweijährige Projekt von KEBAMA, einer 300 Mitglieder umfassenden Selbsthilfeorganisation des zu den Kenyah gehörenden Stammes der Badeng, in Long Mejawah (Belaga Distrikt). Diese Gruppe lebt vor Allem vom Anbau von Bergreis und von Waldprodukten. Weil ihr Waldgebiet durch den kommerziellen Holzschlag stark geschädigt wurde, sind darin die traditionellen Produkte wie Wild, Fisch, Medizinalpflanzen, Bau- und Handwerksmaterialien usw. kaum noch zu finden.

Das Projekt will verhindern, dass die Lokalbevölkerung auch selber zur Zerstörung des Waldes beiträgt, und wählt einen integralen Ansatz, der die Selbstversorgung verbessern, die traditionellen Sitten stärken und eine Aufforstung ermöglichen will. Dazu wird in Gemeinschaftsarbeit im Projektgebiet ein Nassreisfeld angelegt, ergänzt durch Fischteiche. Die gekaufte Reismühle ermöglicht es KEBAMA, den Reis selber zu verarbeiten und den Mitgliedern günstig abzugeben.

Zusätzlich werden Küken, Entlein und Schweine erworben und aufgezogen. Später sollen im ganzen Projektgebiet einheimische Bäume gepflanzt werden, insbesondere Fruchtbäume, die nicht nur Nahrung liefern, sondern auch den Boden vor Erosion schützen.


Kenyah-Frau mit traditionellem Ohrschmuck, fotografiert von Bruno 1999



Palmöl: MIGROS bringts!

jk - "Der Palmöl-Sektor entwickelt sich leider nicht in einer sozial und ökologisch verträglichen Art und Weise. Ölpalm-Plantagen sind heute massgeblich mitverantwortlich für den Verlust tropischer Regenwälder. Mit der Dezimierung des Regenwaldes verschwinden die Lebensräume ansässiger Bevölkerungsgruppen und unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Die Einrichtung von Ölpalm-Plantagen ist oft begleitet von Waldbränden, grossflächigen Kahlschlägen, Verletzung nationaler und regionaler Gesetze, Konflikten mit der Lokalbevölkerung und dem Verlust von Boden- und Wasserqualität." Dies teilte die der MIGROS-Genossenschafts-Bund in einer Presseerklärung vom 1. Oktober 2001 mit. Die MIGROS wird in Zukunft nur noch Palmöl kaufen, dass den sozialen und ökologischen Richtlinien entspricht, die sie gemeinsam mit dem WWF in Anlehnung an die Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) erarbeitet hat.

Ein weiteres Mal bestätigt die MIGROS ihr vorbildliches, weit über die Landesgrenzen hinausgehendes ökologisches und soziales Verantwortungsbewusstsein. Dass sie es ernst meint mit dieser Unternehmensphilosophie, beweist der Umstand, dass die MIRGOS auf namhafte Gewinne im Geschäft mit pflanzlichen Ölen und Fetten zu verzichten gewillt ist. Der Bruno-Manser-Fonds, der sich kurz vor Brunos Abreise im Januar 2000 mit der MIGROS-Tochter MIFA AG in Frenkendorf/BL getroffen hat, um der Geschäftsleitung die Palmölproblematik näher zubringen, gratuliert der MIGROS von Herzen zu diesem Schritt!
Quelle: Brückenbauer Nr. 41, 09.10.2001



Wo einmal der älteste Regenwald der Erde stand, steht heute eine grüne Wüste: Ölpalm-Plantagen soweit das Auge reicht...



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Schon 300 Schweizer Gemeinden verzichten auf Holz aus Raubbau

jrd -Birmenstorf AG ist die 300. Gemeinde, die sich der vom Bruno-Manser-Fonds 1997 lancierten Gemeindekampagne angeschlossen hat. Damit verpflichtet sie sich, auf Holz aus Raubbau zu verzichten, also insbesondere auf Holz aus den tropischen Regenwäldern (Brasilien, Kamerun, Malaysia usw.) oder aus den Nadelwäldern des Nordens (z.B. Kanada, Sibirien). Die in diesen Gebieten praktizierte Forstwirtschaft ist kaum je sozial verträglich oder ökologisch nachhaltig, und die verbleibenden Urwälder werden rücksichtslos geplündert.

Kurz vorher haben die bernischen Gemeinden Guggisberg und Wahlern beschlossen, künftig bei den eigenen Bauten einheimisches Holz zu bevorzugen.

Mit dieser Selbstverpflichtung schöpfen diese 300 Schweizer Gemeinden unterschiedlichster Grösse (mit einer Bevölkerung von insgesamt 2,84 Mio.) ihre Kompetenzen auf vorbildliche Weise aus, gemäss dem Motto "Global denken - lokal handeln".

Auch in Frankreich verzichten immer mehr Gemeinden bei ihren Bauten auf Raubbauholz. Anlässlich einer Hommage an Bruno (2. September 2001) am 5. Festival in L'Albenc (Isère) konnte die organisierende Association Espace Nature Isère bekanntgeben, dass im Département 6 Gemeinden (Adrets, Montferrat, Saint-Cassien, Sainte-Agnes, St Etienne de Crossey und auch Meylan) einen entsprechenden Beschluss gefasst hatten. Im Oktober hat der Pariser Stadtrat seine Absicht bekundet, künftig an Stelle von Holz aus nicht-nachhaltiger Nutzung oder von bedrohten Baumarten Holz aus der Umgebung zu verwenden. Diese löbliche Absicht muss noch als Beschluss rechtsverbindlich verabschiedet werden.
Beachten Sie dazu anhuman.anotherlight.com/bonnews/bonnews.htm.



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 Kaufen Sie keine Gartenmöbel aus Tropenholz

jrd - Die Möbelgeschäfte haben die Bestellungen für die kommende Gartenmöbelsaison schon lange getätigt. Es ist zu hoffen, dass nicht nur bei FLY und Jumbo, sondern auch bei allen andern Geschäften keine Gartentische und -stühle aus tropischen oder anderen Raubbauhölzern ins Sortiment aufgenommen wurden.

Sie als Konsumentin oder Kunde müssen wachsam sein: Nur Holzprodukte deren Herkunft und verarbeitete Baumart korrekt und verständlich angegeben sind, belegen den Willen der Firma, für Transparenz im Handel zu sorgen! Meiden Sie Hölzer mit exotischen Namen wie Teak, Nyatoh, Meranti oder Tectona, denn dabei handelt es sich meistens um Baumarten, die nur im Regenwald gedeihen! Lassen Sie sich auch nicht von Versprechungen wie "aus Plantagen", "aus Wiederaufforstung", "aus nachhaltiger Forstwirtschaft" usw. täuschen. Solche Behauptungen sind nicht die Etikette wert, auf denen sie kolportiert werden!

Falls Sie tatsächlich neue, wetterfeste Gartenmöbel brauchen, kaufen Sie solche aus mitteleuropäischem Holz; geeignet sind Lärche und Robinie. Der BMF gibt gerne Tipps.



Geben Sie Acht: für Tropenholz-Gartenmöbel typisches Design!



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ITTO-Austritt: Unsere Petition ist auf gutem Weg

jrd - Im Mai lancierten der BMF in der Schweiz und die befreundete Organisation "Peuples des Forêts Primaires" in Frankreich je eine Petition, die den Austritt ihres Landes aus der Internationalen Tropenholzorganisation (ITTO/OIBT) verlangt. Erfreulicherweise sind schon hunderte von Unterschriften eingegangen.

Die Schweizer ITTO-Mitgliedschaft wird vom markt-fundamentalistischen Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) wahrgenommen, das mit "mehr Markt und verstärktem Handel" alle Probleme dieser Welt lösen will. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass im neusten Tropenholz-Strategiebericht vom 28.03.2001 (...) noch immer eine Deklarationspflicht für Holz- und Holzprodukte abgelehnt wird, mit der abwegigen Begründung, damit würden selektiv tropische Hölzer diskriminiert! Das seco will einfach nicht begreifen, dass der BMF und viele andere eine obligatorische Deklaration für alle Hölzer [und Holzprodukte] aus allen Ländern verlangen. Geben Sie doch dem Autor Nachhilfeunterricht und schreiben Sie an hans-peter.egler@seco.admin.ch !

Nicht zuletzt solcher Ignoranz wegen sammeln wir noch bis Mitte April weiter. Wer zusätzliche Petitionen (auf deutsch, französisch oder englisch) braucht, kann diese gern beim Sekretariat des BMF beziehen oder direkt ab unserer Homepage (www.bmf.ch) ausdrucken.

Bitte alle Unterschriftenbögen, auch wenn sie nur teilweise ausgefüllt sind, bis 15. April 2002 an den BMF bzw. an "Peuples des Forêts Primaires" zurückschicken Herzlichen Dank!



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BMF Intern




In Erinnerung an Barbara Nathan-Neher

jk - In tiefer Trauer hat der BMF Abschied genommen von Barbara Nathan, die am 25. August einem plötzlichen, schweren Leiden erlegen ist. Im Mai noch war Barbara bei uns am Gedenkanlass für Bruno am Berner Bärenplatz, teilte mit uns ihr spontanes, schöpferisches Wesen, das auch mit fast 75 Jahren seinesgleichen suchte an Kraft und Bestimmtheit, Mut und Grösse. Und genau diese Eigenschaften setzte Barbara von Anfang an energisch auch für die Sache der Penan und des Bruno-Manser-Fonds ein, dessen Werdegang sie bis 1997 als Vorstandsmitglied, danach als eng verbundene Freundin bis heute prägt.

Als Barbara mich im Juli schon schwer krank aus dem Spital anrief, tat sie das auch aus Sorge um die Zukunft des BMF. Vor solcher Grösse wird man klein, so gross der Schock und unsere Trauer über das völlig unerwartete war und ist. Vergleichbar vielleicht mit Bruno Manser, der grosse Stücke auf Barbara hielt, wie auch heute diverse Fotos an den Bürowänden bezeugen und dessen Gedanken sich in einem kurz vor der Abreise verfassten Testament ebenfalls um FreundInnen und den BMF drehen. Barbara und Bruno hatten vieles gemeinsam, das wir schmerzlich vermissen, die Art und Weise aber wie sie ihre Überzeugungen lebten, und zwar hier und heute, unbeugsam, willensstark trotz Rückschlägen und Widerständen, das wird uns immer Vorbild sein.

Barbara Nathan gilt unsere grösste Achtung und Dankbarkeit, wir werden sie nie vergessen. Im Namen unserer Freunde in Sarawak verabschiedet sich Mutang Urud vom Stamm der Kelabit:

"Für alle, die Dich gut kannten und Dich gern hatten, wird der Schmerz tief und dauerhaft sein. Für uns und unseren Kampf ist Dein Fortgang ein grosser Verlust. Möge Deine ewige Reise frei von Hindernissen sein. Heute Nacht, wenn wir einen speziellen Stern hell blinken sehen, wissen wir, dass Du zu uns herunter siehst."

Ganz herzlich bedanken wir uns auch bei allen Angehörigen, Freundinnen und Freunden, die auf Wunsch der Verstorbenen anstatt Blumen dem BMF gespendet haben - wir werden diese 16'000 Fanken im Sinn von Barbara einsetzen.


Barbara Nathan-Neher, Bruno Manser: Wir vermissen Euch!



Unsere Finanzen

jk - Die Erhöhung des Budgets ist eine Folge des Verschwindens von Bruno Manser. Um zu Überleben muss der BMF von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Ohne Bruno wird das anstrengend, aber wir wollen es versuchen! Bruno fehlt aber auch den Penan als Sprachrohr und Anwalt, was vermehrte Reisen der Aktivisten aus Sarawak notwendig macht. Zu guter Letzt hat sich die Situation der Penan, vor allem der Nomaden, derart verschlechtert, dass es mit "Hilfe zur Selbsthilfe" nicht mehr getan, sondern vermehrt finanzielles Engagement gefragt ist. Sei es in rechtlichen Belangen, bei der Demarkierung der Territorien oder in der alternativen Landwirtschaft.

Budget Aufwand 2002                                  Aufwand 2000

Personalkosten BMF Schweiz 122'000 106‘500
Rundbrief 47'000 43‘000
Kampagnen/Aktionen Schweiz 20'000 10‘000
Büromaterial/-geräte 15'000 15‘000
Büromiete, Nebenkosten 12'000 12‘000
Tel/Fax/Porti 12‘000 12‘000
Handelswaren-Einkauf 10'000 14‘000
Diverse Kosten Schweiz 10‘000 6‘000
Personal-/Bürokosten Sarawak 42'000 20‘500
Projekte Sarawak 40'000 20‘500
Reise- und andere Spesen S’wak 10‘000 0
Total 340‘000 259'500
     
Ertrag 2000   194‘900
Verlust 2000   64'600

Der grosse Verlust im Jahr 2000 wurde aus den Reserven beglichen und zum Teil auch mit dem für die Such-Expedition nach Bruno im Dezember 2000 nicht verwendeten Geld. Die zweckgebundenen Spenden durften in Absprache mit den GeberInnen zur Tilgung des Defizits benutzt werden. Da sich die Situation um Bruno völlig unvorhergesehen entwickelt hat, sind in der hier wiedergegebenen Jahresrechnung die Kosten der Expedition nicht enthalten. Auch 10'000 Franken, mit denen die JUMBO Markt AG in Sarawak die erste Phase eines alternativen Landwirtschafts-Projektes finanziert, sind nicht berücksichtigt.

Im Vergleich mit dem Jahr 2000 muss sich also der Ertrag beinahe verdoppeln! Positiv ist, dass der Spendeneingang seit der Vermisstmeldung von Bruno Manser nicht rückläufig ist. Das Ergebnis vom Jahr 2000 ist bereits übertroffen: Zu den 160'000 Franken Einnahmen (total 1133 Spenden-Eingänge von bisher 843 Parteien) kommen 54'000 Franken aus dem Warenverkauf u.ä. Bis zum Jahresende 2001 werden noch etwa 20‘000 Franken eingehen, der Jahres-Ertrag wird rund 235'000 Franken betragen.


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Unser neuer Kampagnen- und Aktionsgruppenleiter

jrd - Auf unsere Inserate sind 57 Bewerbungen eingegangen. Die Auswahl unter den vielen Qualifizierten gestaltete sich schwierig. Mit Claude Haltmeyer wurde schliesslich jemand gefunden, von dessen Erfahrung der BMF sehr wird profitieren können.

Claude (43) hatte in Bern und Berlin Geschichte, Geographie und Politologie studiert. Er arbeitete vorerst als Lehrer, dann beim Ökozentrum Bern, das er auch 4 Jahre leitete. Ab 1996 führte er als Selbständiger diverse PR-Projekte und Veranstaltungen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Umweltschutz aus.

Claude wird teilzeitlich im Auftrag des BMF Aktionsgruppen aufbauen (siehe unten), diese und das Sekretariat in Öffentlichkeitsarbeit beraten und verschiedene Kampagnen weiterführen oder neu organisieren.


Claude Haltmeyer


Machen Sie beim BMF mit! Aufruf zur Unterstützung und aktiven Mitarbeit

bmf - Mit «bad news» sind wir in diesem Jahr reichlich eingedeckt worden: Terroranschläge, Krieg in Afghanistan, Firmenpleiten und und und. Sie haben auch uns Schweizerinnen und Schweizer stark verunsichert. Neben allen diesen neuen Verunsicherungen dürfen wir aber die «alten» Globalisierungsprobleme nicht einfach vergessen und verdrängen: Wachsendes Gefälle zwischen Arm und Reich, Klimaschutz und Menschenrechte.

Auch für den Bruno-Manser-Fonds ist 2001 kein einfaches Jahr gewesen. Zwar hat sich mit Birmenstorf (AG) kürzlich gerade die 300. Schweizer Gemeinde unserer Kampagne zum Verzicht auf Holz aus Raubbau angeschlossen, doch ist im 2001 auch die Zuversicht kleiner geworden, dass Bruno Manser je wieder zu uns zurückkehren wird. Die Anliegen und Ideen von Bruno für die Erhaltung des tropischen Regenwaldes und der Rechte der indigenen Völker sind aber aktueller denn je. Die Mitgliederversammlung und der Vorstand des BMF haben deshalb beschlossen, 2002 zusätzliche Anstrengungen gegen die weltweite Waldzerstörung zu unternehmen. Es wurden Mittel freigestellt, um eine zusätzliche Kampagnenstelle zu finanzieren. Diese übernimmt auf den 1. Dezember 2001 Claude Haltmeyer. Er wird unter anderem auch lokalen Aktionsgruppen beratend und unterstützend zur Verfügung stehen.

Wir rufen deshalb alle Interessierten auf, die in einer regionalen Aktionsgruppe mitarbeiten möchten, sich bald bei uns zu melden (Adresse im Impressum). Die Aufgabe einer Aktionsgruppe wird es sein, Informationsstände in ihrer Region zu betreuen, Unterschriften zu sammeln und die Ideen von Bruno Manser in die Gemeinden und Schulen zu tragen. Wir möchten Anfangs 2002 mit 2 oder 3 regionalen Aktionsgruppen starten: Zum Beispiel in der Nordwestschweiz (BS, BL, SO), in der Ostschweiz (SG, TG, evtl. ZH) und in der Westschweiz (Bern, Biel, Fribourg, Neuchâtel etc.).

Natürlich braucht der BMF für diese zusätzlichen Aktivitäten auch Geld. Anstelle einer aktiven Mitarbeit können Sie unsere Kampagnenarbeit 2002 auch finanziell unterstützen. Vielen herzlichen Dank für Ihre Mithilfe und Unterstützung!


Indianerschultheater

jrd - Die Primarklasse 2a des Schulhauses Sulgenbach in Bern hatte sich mit der Lebensweise der Indianer befasst und das Buch "Der fliegende Stern" gelesen. Daraus gestaltete die Lehrerin Karin Gräppi ein Musical, das die Kinder im Juni mit Begeisterung aufführten. Am Schluss wurden sogar die Kulissen versteigert!

Der ganze Erlös dieses gelungenen Anlasses (805 Franken) kommt dem BMF zugute. Wir bedanken uns herzlich dafür und werden die Spende zu Gunsten der letzten Urvölker dieser Erde einsetzen.

Bruno Mansers Tagebücher in Olten

jrd - Die schon an anderen Orten viel beachtete Ausstellung "Die Tagebücher des Bruno Manser" wird vom 11. Januar bis ca. 30 April 2002 im Naturmuseum Olten gezeigt.

Schon am 9. Januar beginnen zwei Vertreter des Volkes der Penan mit dem Bau einer traditionellen Hütte; man kann ihnen dabei während der Öffnungszeiten des Museums zusehen. Am 7. Februar und am 21. März wird der Film "Tong Tana – das verlorene Paradies" oder eine Diashow gezeigt werden.


Flughörnchen, Bruno Manser’s Tagebuch 1995



Impressum

Tong Tana
Zeitschrift des Bruno-Manser-Fonds (BMF)
Verein für die Völker des Regenwaldes
Heuberg 25, CH-4051 Basel
Telefon 061/261 94 74
Fax 061/261 94 73
E-mail: info@bmf.ch
Internet: http://www.bmf.ch
Redaktion: John Künzli, J. Rudolf Dietrich
Autoren: J.R. Dietrich (jrd), J. Künzli (jk), E. Manser
Fotos: BMF, Ruedi Suter, Renate Rabus
Titelzeichnung: Bruno Manser
Übersetzungen: Robert Gogel (französisch), Nicole Widmer, Susan Gut (englisch)
Auflage: 5400 (3500 deutsch, 1300 französisch, 600 englisch)
Erscheint dreimal jährlich
Auf Spenden sind wir angewiesen - herzlichen Dank!
Spendenkonti: Schweiz/Liechtenstein:
Postkonto: 40-5899-8
Coop-Bank, CH-4002 Basel, Konto 421329.29.00.00-5
Frankreich: La Poste, Strassburg, N° CCP 2.604.59T
Deutschland: Deutsche Bank, Lörrach (BLZ 683 700 34) Konto 1678556
Satz und Druck: Gremper AG, Basel

 

 



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