Bruno Manser Fonds Aktualisierung 2003-04-30 |
Tong Tana, April 2003Zeitung des Bruno Manser Fondszu den Themen Regenwald, Indigenenrechte und Holzhandel
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«Globalisierungsgegner»?! Ist das nicht Glück: Meine Familie darf in einer Wohnung im Forstzentrum des Berner Bremgartenwaldes wohnen! In diese Wohnung zieht nämlich kein Waldarbeiter mehr ein. Und zwar, weil der Forstbetrieb (Burgergemeinde Bern) das Personal reduzieren musste. Weil der Betrieb defizitär zu werden drohte. Weil Kahlschlagholz aus Sibirien in der Schweiz die Konkurrenz gegen einheimisches Holz gewann! - Womit die Debatte über die sogenannte «Globalisierung» beginnen könnte. Aber was meint dieses Wort eigentlich?
Die erste, am nächsten liegende Bedeutung ist die, dass lokale Errungenschaften, z. B. Coca Cola oder Pizza, sich weltweit (jedenfalls weit über ihre Ursprungsgebiete hinaus) ausbreiten. Mit dem Reis, dem Rad oder der Schrift ist das schon vor Jahrtausenden geschehen. Längst ist auch der Federschmuck der Amazonas-Indianer in die «Globalisierungs»-Mühle geraten: In vielen Teilen der Welt gehört er heute zum Inventar einer gut ausgestatteten Kinderstube… Über die Welt ausgebreitet hat sich ausserdem ein spezieller Typ von Wettbewerb. Der Schönheitswettbewerb? Die Winterolympiade? Der Wettbewerb im sparsamen Umgang mit Ressourcen?? Jein. Der Verdrängungswettbewerb - Der Brauch, dass in der Weltwirtschaft der Stärkere den Schwächeren, der Billigere den Teureren aus der Bahn wirft. Dieser Wettbewerb gehört zum Spätkapitalismus wie der Schatten zum Relief. Er bringt uns alle auf Trab. Auch die Forstbetriebe, wie erwähnt.
«Globalisierung» bedeutet daher zweitens, dass der Wettbewerbsdruck alle Gesellschaften zu lokal spezifischen Reaktionen anstachelt. Je rascher, desto besser, denn die Uhr tickt unnachgiebig. Also beschleunigt sich die technologische Entwicklung, der Kampf ums Überleben spitzt sich zu. Flüsse werden vergiftet, Wälder abgeholzt, Arten vernichtet, indigene Völker vertrieben. Oder ebenfalls vernichtet?
So kommt es, dass uns, drittens, eine wachsende Reihe von Herausforderungen bedrängen: die ökologische Krise; die abgrundtiefe Kluft zwischen Arm und Reich; die Folgen der annähernden Ver vierfachung unserer Spezies allein im 20. Jahrhundert; und die Entdeckung, dass es viele Wege gibt, wie wir uns selbst und einen Grossteil des irdischen Lebens vernichten können. Jedes einzelne dieser Probleme ist neu. Und neu ist vor allem, dass wir ihnen gegenüber alle im gleichen Boot sitzen; dass also alle Gesellschaften, alle ethnischen Gruppen auf diesem Globus zusammenwirken müssen, damit wir die Lage in den Griff bekommen. Der Irak soll umgehend seine Massenvernichtungswaffen unschädlich machen! Einverstanden aber damit sind die Probleme noch nicht im Ansatz gelöst…
Viertens sind heute Verkehr, Transport und Handel weltumspannend: Ihr Volumen hat seit 300 Jahren um das Achthundertfache zugenommen - hundertmal schneller als die Weltbevölkerung. Heute ist es möglich, Güter zu konsumieren, die in einem völlig anderen Teil der Welt hergestellt worden sind - oft um den Preis rücksichtslosen Raubbaus, von dem wir in unserem geschützten Winkel (noch) nichts spüren. Es sei denn, wir stellen aufwändige Recherchen an…
Fünftens sind unsere Kommunikationsmöglichkeiten dank einer Reihe technischer Revolutionen - vom Telefon über Fernsehen und Fax zu Computer und Internet - wahrhaft explodiert. Zum Glück, denn dank diesen Medien kommen wir jetzt dem Raubbau, wo immer er stattfindet, leichter auf die Spur.
Sechstens haben über 60 000 Unternehmen - die berühmt-berüchtigten «Multis» ihren Aktionsradius international, ja zum Teil global ausgedehnt. Sorr y, auch die Mafia operiert inzwischen global: Drogenhandel, Waffenhandel, Organhandel, Frauenhandel, Kinderhandel. Und viele Schlepperorganisationen tun, was sie können, damit die Wohlstandsparadiese sich nicht entvölkern. Selbst der Terror knüpft seine Netze rund um den Globus. Wenn einmal der Weltmarkt völlig «dereguliert» und von staatlichen Regeln befreit werden sollte, wie könnten wir da das Geschäftsgebaren der «Multinationalen» noch von dem der Mafia unterscheiden?
Zum Glück gibt es auch die sog. «Zivilgesellschaft»: An die hunderttausend Nichtregierungs-Organisationen (NGO), verstreut und vernetzt über alle Kontinente, setzen sich für Gerechtigkeit und das Wohl der Allgemeinheit ein. Vielerorts haben sie die Kernaufgaben des Staates übernommen. Ob Amnesty International, Greenpeace oder BMF - ihr Engagement gilt Anliegen von A, wie Armutsbekämpfung bis Z, wie Zertifizierung von Holz. Ihr Engagement verdient zweistellige Wachstumsraten!
Siebtens steht «Globalisierung» für das internationale Kongresswesen - für die Möglichkeit, dass Menschen aus aller Welt sich treffen und austauschen. Wissenschaftler, Politiker, Unternehmer - sie alle veranstalten Kongresse. Auch die NGO! Der grösste solche Kongress - das dritte Weltsozialforum in Porto Alegre (23.-28.1.2003) - hat eben erst stattgefunden. Die «Globalisierungsgegner» hätten sich da getroffen, heisst es. Wie bitte? Die Gegner von was genau? Thomas Kesselring
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jk - Als Abdul Taib Mahmud 1981 zum Chief Minister gewählt wurde, war der Wahlkampf begleitet von einer inszenierten Schlammschlacht gegen seinen Vorgänger und Onkel. Gegenseitig beschuldigten sie sich der Korruption und spielten den Medien Dokumente zu, die bewiesen, dass sich beide Kandidaten der unrechtmässigen Bereicherung schuldig gemacht hatten. Als lukrativster Selbstbedienungsladen erwies sich schon damals der Wald. Die schamlos an Verwandte und Freunde verschenkten Konzessionsflächen und Abholz-Lizenzen bildeten die Grundlage für den immensen Reichtum von Sarawaks Elite und erlaubten der Komplizenschaft letztlich und bis heute die Herrschaft und Kontrolle über die gesamte Volkswirtschaft Sarawaks - vom Bausektor über die Landwirtschaft (Palmöl) bis hin zum Dienstleistungssektor und der Medienbranche. 2001, als der Chief Minister Taib Mahmud zum fünften Mal für 5 Jahre gewählt wurde, liess er verlauten, in Sarawak gäbe es noch 10% intakten Urwald - das grosse Geschäft scheint also vorbei. Nun hat die Regierung Pläne aus den frühen 90er Jahren wiedergefunden, die auf die Privatisierung des gesamten Departements für Wald abzielten. Nur noch die Einhaltung der Gesetze soll von weniger als einem Dutzend Staatsangestellten garantier t werden - den ca. 2000 Angestellten wurde die Weiterbeschäftigung bei der neuen Firma, oder ein Departementswechsel angeboten.
Dieses einschneidende Unterfangen wurde weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorangetrieben und soll am 1. April 2003 in Kraft treten. Damit gibt die Regierung praktisch die ganze Verantwortung ab!
Einzig die Oppositionspartei DAP (Democratic Action Party) bekämpfte das Unterfangen: «Sarawaks Wälder, Umwelt und Bodenschätze gehören allen BürgerInnen von Sarawak und können deshalb nicht privatisiert, sondern müssen von der Regierung im Interesse Aller verwaltet werden. Es ist kurzsichtig und unverantwortlich, ein Departement zu privatisieren, welches von so grossem öffentlichem Belang ist. Die Wahrung der Interessen der Bevölkerung ist der Job der Volksvertreter!».
Die Vergangenheit habe bereits vielfach gezeigt, dass von der Privatisierung - zumal in der Regel ohne öffentliche Ausschreibung - einzig die korrupte Elite profitiere. Um die Korruption zu bekämpfen fordert DAP des Weiteren grössere Transparenz und Zuverlässigkeit bei der Vergabe von Regierungsprojekten. «Auch wenn sich die Auslagerung bestimmter Aufgaben (nicht des Departementes) positiv auswirken würde, besteht die DAP auf dem Standpunkt, dass die Regierung andere Alternativen zur Verbesserung der Waldwirschaft berücksichtigen soll, wie z. B. die Zertifizierung».
Quelle: www.dapsarawak.com, 12.12.2002

Nachhaltigkeit in Sarawak: «Weil es zu wenige Setzlinge gibt …
… und die Ureinwohner illegal Land besetzen, kommt die Wiederaufforstung nicht vom Fleck», sagte der Samling-Boss Datuk Leo Chai an der Jahresversammlung des Holzverbandes am 18. März 2003 (Fotos Juni/ August 2002)
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jk - Wie der BMF vor Ort im Dezember 2002 erfahren hat, reagierte das Departement für Wald im Juli 2002 positiv auf eine Bittschrift der Nomaden vom Barehund vom Magohfluss. Die drei Nomadengruppen, angeführt von Guman Megut, Bujan Lawai und Tebaran Agus, erhielten ein gemeinsames Waldreservat von 5000 ha zugesprochen. Eigentlich wäre das eine Feier wert. Die Tatsache, dass diese scheinbar positive Entwicklung erst bekannt wurde, als sich die Penan-Nomaden Anfang Dezember im Büro von Sahabat Alam Malaysia in Marudi einfanden, um das massive Eindringen der Holzfirmen (u. a. Samling …) zu melden und um Hilfe baten, lässt die Hoffnung auf eine Wende zum Guten wieder schwinden. Zwar wurde den Nomaden eine Karte mit der Ausdehnung des Waldreservates ausgehändigt, diese ist aber so vage und von Hand gestrickt, dass nicht von einer eigentlichen Ausscheidung aus der Holznutzung gesprochen werden kann. Auch ist die rechtliche Verbindlichkeit - obwohl vom Walddepartement gezeichnet - nicht klar. Ein Drittel des «Reservates» war zudem bereits in den vergangenen Jahren «selektiv» abgeholzt worden und ein weiteres Drittel des ohnehin zu kleinen Reservates wird derzeit ausgebeutet. Der Grossteil der an das «Reservat» angrenzenden Penan-Territorien, die ihre Jagd- und Sammelgründe nach alter Väter Sitte teilen, sind ebenfalls verwüstet. Im Einzugsgebiet des Bareh- und des Magohflusses - einem eigentlichen Kerngebiet der Penan und Brunos Freunden - versuchen aber noch über 30 nomadisch lebende Penan-Haushalte mit über 150 Mitglieder auf traditionelle Art und Weise zu überleben. Die Regierung von Sarawak, resp. das Departement für Wald hat also einmal mehr leere Versprechen abgegeben und spielt auf Zeit - sind die Fakten einmal geschaffen, d. h. der Wald kaputt, ist auch das Penan-Problem gelöst, denken die verantwortlichen Profiteure. Und mit der Privatisierung des Waldes dürfte auch dieses «Waldreservat» im Papierkorb landen…
Der BMF hat die 3 kämpferischen Nomaden-Gruppen für ihren Einsatz finanziell entschädigt und plant, im Rahmen des Mapping Projektes, das von der Stiftung «Kunst für den Tropenwald» massgeblich unterstützt wird, noch dieses Jahr die Dokumentierung ihrer legitimen Land- und Gewohnheitsrechte fertigzustellen. Ziel ist es, mindestens zwei Nomadengruppen so rasch als möglich den Gang vors Gericht zu ermöglichen.
Mögen die Bäume weiterhin in den Himmel wachsen - auch für die Penan! Baumriese im Ulu Limbang, Juni 2002.
jk - Im Gerichtsfall Kelesau Naan gegen Samling und die Regierung fand am 4. Januar 2003 eine Anhörung der Anwälte der drei Parteien statt. Behandelt wurde die von Samling beantragte Zulassung von zwei in Nachbarschaft zu den klagenden Penan gelegenen Kenyah-Langhäusern als Ver teidigung gegen die Landrechtsforderungen der 4 Penan-Siedlungen (s. Tong Tana Dezember 2002). Das Gericht hat diesbezüglich bis Redaktionsschluss keine Entscheidung verlauten lassen, es ist aber denkbar, dass dem Samling-Antrag aufgrund verschiedener Widersprüche nicht zugestimmt wird. Mittlerweile sind sich einige Kenyah nämlich bewusst geworden, dass sie viel öfter - und nicht nur bildhaft - mit den Penan im selben Boot sitzen, als mit Samling, und auch dass es dabei nie Probleme gab. Deshalb überlegen sich die Kenyah ernsthaft, anstatt gegen ihre langjährigen Nachbarn zu agieren, eigene Landrechtsansprüche einzufordern - von der Regierung und Samling!
jk - Um ein Bild über den Stand der Dinge zu erhalten sowie die Jahresplanung 2003 abzusprechen, reiste ich im Dezember für 10 Tage nach Sarawak und traf mich in 3 stickig-heissen Städten mit sämtlichen Projektpartnern. Ich erhielt dabei einen sehr positiven Eindruck von der geleisteten Arbeit und was den Einsatzwillen und die Kooperation der Beteiligten untereinander anbetrifft. Ein solch grossangelegtes Projekt durch die lokalen Untiefen (Know-how/Personal, Technik/ Infrastruktur, finanzielle Mittel etc.) zu schiffen, ist kein leichtes Unterfangen. Die resultatorientierte Zielvorgabe ist notwendig, um die finanzielle Unterstützung auch zukünftig garantieren zu können - trifft in Sarawak aber auf erwähnte Defizite. Auch zwingen die traditionelle Subsistenz-Wirtschaft (Jagen und Sammeln, anlegen/ernten von Reisfeldern), und das Wetter (Regenzeit) die Penan immer wieder, die Prioritäten neu zu setzen. Trotzdem ist das auf 3 Jahre angelegte Projekt auf gutem Weg und die erste Phase wird planmässig Mitte Jahr abgeschlossen sein.
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jk - 1996 beschloss der Hamburger Senat, Tropenholz nur dann bei öffentlichen Bauten einzusetzen, wenn dieses das FSC-Zertifikat trägt (www.fscoax.org). Als Mitglied des internationalen Klimabündnisses (www.klimabuendnis.org) hat sich die Stadt ausserdem verpflichtet, sich für den Schutz des Regenwaldes und die Rechte der Ureinwohner einzusetzen. Doch am 11. Dezember 2002 lud die Hamburger Wirtschaftsbehörde Robin Wood, Greenpeace und WWF sowie die Gewerkschaft IG B.A.U zum «Runden Tisch» in dieser Sache. Die NGOs wurden mit der bereits detailliert ausgearbeiteten Absicht konfrontiert, neben dem FSC-Zertifikat für die Probezeit von 2 Jahren auch das staatliche Malaysische Zertifikat zuzulassen, denn «Malaysia scheint entschlossen, die in den vergangenen Jahrzehnten stark verwilderten Praktiken der Forstwirtschaft (in Richtung Raubbau) wieder zur Nachhaltigkeit hin zu entwickeln» (Zitat Folkhard Spangenberg, Senat Hamburg). Dass diese völlig verzerrte Wahrnehmung der Realität vom Gesamtverband des deutschen Holzhandels geteilt wird, kann nicht erstaunen.
Gestützt auf Berichte der wichtigsten Umwelt- und Ureinwohnerorganisationen Malaysias und Sarawaks, die sich 2001 aus dem Malaysischen Zertifizierungsprozess zurückzogen, da sämtliche ihrer Einwände (v. a. Land- und Gewohnheitsrechte der UreinwohnerInnen, s. www.rengah.c2o.org) ignoriert wurden, haben die Umwelt- und Arbeiterverbände ihre Ablehnung bereits am ersten Treffen kundgetan. Die Wirtschaftsbehörde des konservativ regierten Hamburg (CDU/ FDP/»Schill-Partei»), er wies sich in der Folge aber als guter Schüler, ignorierte die Einwände, hielt an ihrem Ansinnen fest und lud einfach zum nächsten «Runden Tisch». Durch identisches Vorgehen behauptet Malaysia schon seit Jahren, alle relevanten Parteien seien partizipativ in den Prozess eingebunden… Informelle Treffen zwischen dem staatlich-wirtschaftlichen Malaysischen Zertifizierungsrat MTCC und dem Forest-Stewardship-Council FSC missbrauchte der MTCC trotz Protesten mehrfach als «Beweis», dass der FSC den Malaysischen Zertifizierungsprozess anerkenne. Dies ist aber nicht der Fall, da beim FSC-System die Rechte der lokalen (Ur-)Bevölkerungsgruppen über die Interessen der Holzindustrie zu stellen sind. Genau dazu ist Malaysia aber nicht bereit. Kommt hinzu, dass sich das praktisch Industrieeigene Zertifzierungssystem partout nicht von unabhängiger Seite kontrollieren lassen will - ebenfalls ein Muss für die FSC-Zertifizierung! Die NGOs liessen also die Fortsetzung des pseudo-partizipativen Runden Tisches am 13. Februar 2003 sausen - stattdessen stiegen AktivistInnen von Robin Wood der Wirtschaftsbehörde aufs Dach mit dem Transparent «Hamburg auf dem (Ab)Holzweg».
Eine schnelle Absegnung des Vorschlags konnten die Umweltorganisationen durch ihren Protest verhindern. Nun ist die trickreiche Wirtschaftsbehörde bereit, Vorschläge für Mindeststandards anzunehmen - allerdings hält sie daran fest, den MTCC befristet anzuerkennen. Die Würfel sind wohl noch nicht gefallen - zumal sich in Hamburg Niederlassungen der aktivsten Umwelt- und Regenwald-Organisationen befinden! Doch der Protest muss auch von ausserhalb Hamburgs geführt werden, damit der Senat erkennt, dass die Umweltorganisationen hier und anderswo kein Tropenholzzertifikat für die öffentliche Beschaffung hinnehmen werden, welches nicht die Landrechte der Waldvölker uneingeschränkt unterstützt.
Machen Sie den Online-Protest von «Rettet den Regenwald» mit unter www.regenwald.org/anew/aktuelles/hamburg/protmail.htm

Waghalsiger Einsatz von Robin Wood für die Ureinwohner Malaysias am 13. Februar in Hamburg.
jrd - Der Forest Stewardship Council (Waldbewirtschaftungsrat FSC) vergibt sein Label an Forstbetriebe, Holzverarbeiter und Händler mit der «Garantie», dass das gekennzeichnete Holz(-produkt) aus umweltverträglicher, nachhaltiger und sozial verantwortungsbewusster Waldwirtschaft stammt. Anhand von 9 Fallbeispielen aus aller Welt zeigt die britische Rainforest Foundation in einem Ende 2002 erschienenen Bericht*, dass diese Behauptung oft nicht stimmt und grundlegende Reformen nötig sind, damit der FSC dem eigenen Anspruch und der Erwartungen der Öffentlichkeit gerecht wird. Negativbeispiele wie das schliesslich einer indonesischen Teak-Plantagenfirma aberkannte Zertifikat (vgl. Tong Tana Aug. 2001, S. 6f) sind dem Renomée des FSC abträglich. Unter anderem folgende Punkte unterminieren nach Ansicht der Rainforest Foundation die Performance des FSC:
Das ursprüngliche Interesse an Zertifizierungen war durch die Boykottaufrufe gegen Tropenholz bzw. Holzprodukte aus Raubbau bedingt: Lieferanten, staatliche Stellen und Detaillisten wollten weiterhin eine grosses Sortiment an Holzprodukten anbieten können, ohne ständig mit Aktionen und Beschwerden konfrontiert zu werden. Ein grundsätzliches Problem der Zertifizierung von Holz- und Holzprodukten ist aber, dass der erzielbare Zusatzgewinn für solche Produkte gering ist, sodass die Unternehmen jeweils ein günstiges Label bzw. eine nicht so strenge Zertifizierungsfirma suchen oder sogar die Zertifizierer gegen einander ausspielen. Die Autoren kommen zum Schluss, dass der FSC im Laufe der letzten Jahre von einer Organisation, die sich für verbesserte Waldbewirtschaftung einsetzt, zu einem Instrument für bessere Vermarktung von Holzprodukten geworden ist. Sie schlagen massive Reformen vor, z. B. dass das FSC-Sekretariat selber (zusammen mit nationalen Arbeitsgruppen) das Label vergibt und auf die Zertifizierungsfirmen verzichtet. Sie erhoffen sich von dieser und weiteren Massnahmen mehr Transparenz und demokratischere Entscheidungen.
Ausserdem empfehlen sie, dass der FSC statt auf der Wachstumsschiene fortzufahren eine Nischenfunktion wahrnehmen soll, indem er sicherstellt, dass nur wirklich gute Beispiele gemäss seinen strengen Prinzipien das Label bekommen.
Counsell & K.T. Loraas (2002): Trading in Credibility - The myth and reality of theForest Stewardship Council. 159 S. Links: www.rainforestfoundationuk.org/FSC/ RFA4REPORT.full.pdf oder www.rainforestfoundationuk.org/FSC/FSCReport.html www.fscoax.org www.regenwald.org/pdf/rdr-report0301.pdf

Er hat ihn nicht gefällt! Ulu Limbang, 1999.
jrd - Kürzlich erarbeitete das FSC-Sekretariat eine Antwort**, die vor Allem festhält, dass die im Report behandelten Probleme schon lange bekannt seien, aber keine unüberwindbare Schwächen der Zertifizierung darstellen. Es wird aber anerkannt, dass viele Verbesserungen nötig sind. Der FSC operiere aus Gründen der Effizienz als Akkreditierungsorganisation; selber zu zertifizieren würde kaum bessere Resultate liefern. Dennoch möchte man die Zertifizierungsfirmen besser überwachen. Der FSC betont, dass eigene Abklärungen keine Beweise für Absprachen zwischen Forstbetrieben und Zertifizierern ergeben hätten, und weist den Vor wurf zurück, dass das eigene Personal unfähig oder nicht willens sei, die FSC-Regeln zu überwachen und durchzusetzen. Die Händlergruppen und deren grosse Nachfrage werden als enorme Unterstützung und entscheidend für den anhaltenden Erfolg des FSC-Systems angesehen. Dessen Wachstum sei dennoch nur im Rahmen der Prinzipien & Kriterien wünschbar. Statt «eindeutige Ver fehlungen» zu definieren, die mit dem Zertifikat unvereinbar sind, will das Sekretariat den Akteuren lieber Hinweise zum besseren Einhalten der FSC-Regeln geben. Die Analyse ist sorgfältig und oft detailliert. Darin werden auch viele Fehler zugegeben, doch verblüffend ist, wie viele Verbesserungen kürzlich erarbeitet worden sein sollen und wieviele (in Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Gremien) gerade ausgearbeitet werden!
** H. Liedeker (2003): An FSC Analysis of the Rainforest Foundation report, «Trading in Credibility».
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Der BMF war schon immer kritisch eingestellt gegen die Zertifizierung als (alleiniges) Mittel zum Urwaldschutz. Er ist auch nicht Mitglied beim FSC. Problematisch bei diesem Wald-Zertifizierungssystem ist, dass es den kommerziellen Holzschlag in Primärwäldern nicht klar ausschliesst, und auch Plantagen zertifizier t werden können. Zwar ist es nicht grundsätzlich falsch, Aufforstungen, die naturnah (mit einheimischen Baumarten, ohne Monokulturen, und nicht auf zu diesem Zweck extra gerodetem Land) und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Lokalbevölkerung erfolgen, zu zertifizieren, doch muss dafür ein unterscheidbares Label kreiert werden. Wir anerkennen, dass der FSC das beste aller Holz-Labels hat, meinen aber, dass dessen Vergabe viel restriktiver und konsequenter erfolgen muss. Der hier besprochene Report bestätigt uns in unserer vorsichtigen Haltung und verlangt grundsätzliche Reformen beim FSC-System, die wir mehrheitlich unterstützen können. Auch ein sehr gutes Label macht aber staatliche Massnahmen wie eine Deklarationspflicht (nach Art und Herkunft) für Hölzer und Holzprodukte, den Kampf gegen illegal gewonnenes Holz und direkte Beiträge zum Schutz der letzten Urwälder und ihrer Bewohner nicht überflüssig! Und nach wie vor gilt: Bevorzugen Sie Holz aus der Schweiz oder dem angrenzenden Ausland, nicht zuletzt der kurzen Transportwege wegen. Wenn solche Holzprodukte dann ein FSC-Label tragen: umso besser, denn in Mitteleuropa tragen die FSC-Anforderungen zu einer gewissen Verbesserung der Forstwirtschaft gegenüber den gesetzlichen Anforderungen bei, z.B. indem verlangt wird, als Beitrag zur Artenvielfalt einige tote Bäume stehen zu lassen.

Noch darf und kann er im Wald leben. Ulu Limbang, August 2002
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Vergangenen November nahm ich an der 21. Session des Internationalen Rates für Holzhandel ITTC in Yokohama, Japan, teil. An der Konferenz wurde bekanntgemacht, dass der Chief Minister von Sarawak die Internationale Tropenholzorganisation ITTO um Unterstützung für das Pulung Tau-Schutzgebiet, das an den Indonesischen Nationalpark Kayan-Mentarang angrenzen wird, angefragt hat. Während mehr als zwei Jahrzehnten harr te dieser Vorschlag auf seine Umsetzung genau wie 20 weitere geplante Schutzgebiete. Die Schutzbemühungen sind - nach mehr als 10 Jahren intensiver Holznutzung in den traditionellen Kelabit- und Penan-Territorien - hochwillkommen!
Transnationale Schutzgebiete (Transboundary Conservation Areas TBCA) sind ein ITTO-Programm um die biologische Vielfalt in den Grenzgebieten zweier (oder dreier!) Länder zu schützen - denn die Natur kennt keine Staatsgrenzen. In Südafrika werden solche Parks gar «Friedensparks» genannt wegen dem positiven Einfluss auf Grenzstreitigkeiten.
TBCA ist von Sarawak und Kalimantan (Indonesien) erstmals 1994 umgesetzt worden, mit den Schutzgebieten Lanjak Entimau (Sarawak) und Betung Kerihun (Kalimantan). Ziel ist hier, das letzte Orang Utan-Rückzugsgebiet weit und breit zu schützen. Mit fast 2000 km 2 ist es das grösste Schutzgebiet in Malaysia überhaupt und Kandidat für den UNESCO-Welterbe- Status. Schutzprojekte werden in Sarawak nach wie vor von «Oben-nach-Unten» implementiert, wobei die Regierung eine Fläche als Schutzgebiet ausscheidet und danach mit den Bevölkerungsgruppen, die dadurch rechtlich legitime Ansprüche verlieren, Verhandlungen über Kompensationszahlungen aufnimmt. Leider fehlt dem ganzen Prozess jegliche Transparenz, und er ist weit davon entfernt, die Betroffenen nachhaltig in die Schutzbemühungen einzubinden.
Für die lokalen Gemeinden geht es natürlich um viel mehr, als um die Kompensation ihrer Verluste: Es geht um ihr Heimatland. Sie haben jedes denkbare Interesse an einem sicheren und gesunden Lebensraum, heute und in Zukunft! Die Tatsache, dass sich eine riesige Artenvielfalt gerade in ihrem Lebensraum hat halten können, ist keinesfalls ein Widerspruch. Das über unzählige Generationen entwickelte System basiert auf nachhaltiger Nutzung der natürlichen Ressourcen und garantiert damit deren Schutz - Wissenschaftler und Praktiker müssten nur endlich dieses Wissen anwenden!
Unglücklicherweise wird die Lokalbevölkerung nicht als Verbündete sondern als Bedrohung für Schutzgebiete betrachtet. Dabei sind diese Gemeinschaften erst dann eine Bedrohung, wenn sie ihren Lebensgrundlagen beraubt werden, wie das die Holzindustrie oder andere, grossräumige Entwicklungsprojekte tun. Das Pulung Tau-TBCA wird möglicherweise an der nächsten ITTC-Sitzung in Yokohama offiziell bekanntgemacht. Das Pulung Tau-Gebiet ist die Wasserscheide drei der wichtigsten Flüsse Sarawaks; hier entspringen der Baram, der Limbang und der Lawas. Zu diesem Gebiet gehört eigentlich auch der markante Batu Lawi mit seinen einzigartigen Kalkstein-Türmen, seiner kulturellen Bedeutung und seinen vielen endemischen Lebensarten. Traurigerweise wird der Batu Lawi aber nicht in das Schutzgebiet aufgenommen, da Samling Co. bereits am abholzen ist. Hoffentlich werden die Interessen der Penan-Nomaden, deren Territorien am Adang-Fluss an das TBCA grenzen, diesmal bei allen Entscheidungen einbezogen, wie das internationale Abmachungen verlangen.
Im Februar nahm ich an einem IUCN/ITTO-Arbeitstreffen in Thailand teil, wo sich 80 Wissenschaftler und Praktiker einfanden, um TBCAs effektiver zu machen. Die ExpertInnen haben dabei einerseits den politischen Willen und andererseits die soziale Komponente, resp. die Beteiligung der betroffenen Parteien als Schlüsselelemente für die erfolgreiche Umsetzung identifiziert. Im Falle von Pulung Tau existiert eine starke lokale Unterstützung, jedoch ist unklar, wieweit diese Bevölkerungsgruppen tatsächlich am Prozess beteiligt sein werden. Als Kelabit bin ich Mitglied einer betroffenen Interessengruppe und habe bisher weder den Vorschlag zu Pulung Tau gesehen noch die Möglichkeit gehabt, einen Input zum Projekt zu geben. Vor Allem fehlende Transparenz und ungenügende Beteiligung der Betroffenen beeinträchtigen die Wirkung von Schutzgebieten am meisten, zu diesem Schluss kamen die Experten in Thailand. Pulung Tau heisst in der Sprache der Kelabit «der Wald unserer Gemeinschaft». Wir hoffen, dass sich der Gemeinschaftsgeist, den der Name impliziert, auch tatsächlich durchsetzt - im Gegensatz zur Holzindustrie, von deren zerstörerischen Aktivitäten nach wie vor nur eine kleine Elite der Gesellschaft profitiert. Anderson Mutang Urud-Blanchet

Der Schatten des Batu Lawi zeigt auf das Territorium von Along Sega - und die Strassen der Samling Company; Juni 2002.
tk - Zeitgleich mit dem Weltwirtschaftsforum von Davos (WEF, 23.-28.1.2003) fand das dritte Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre, statt. Es trafen sich 30 000 Delegierte von 5717 Nichtregierungsorganisationen. Plus weitere 70 000 Interessierte. Kurz, es war der grösste «Kongress» in der bisherigen Geschichte! Viel Musik und Gesang im Hintergrund, ein bunter lateinamerikanischer Handwerksbasar auf dem Forumsgelände. Dann und wann eine kleine «kultische» Einlage, etwa als eine Tochter Che Guevaras Autogramme verteilte…
Im Kern war das Sozialforum aber ein brodelnder Think Tank. Neben einigen Monsterveranstaltungen im «kleinen Giganten» (Sportstadion mit 12 000 Plätzen) fanden, verteilt über die Hangars am Hafen und die Gebäude der Katholischen Universität, unzählige Workshops statt, manchmal mehr als hundert gleichzeitig. Das Oberthema lautete angesichts des Irak-Krieges: «Eine friedliche Welt ist möglich!» Viele Veranstaltungen galten Themen wie: Schuldenerlass, Kampf gegen Hunger und Krankheit, Stärkung der Demokratie, Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Das Stichwort «economia solidária», dem allein etwa 40 Veranstaltungen galten, zog sich wie ein roter Faden durch das Ganze.
Tropenwälder und indigene Völker erwiesen sich als Randthemen. Das World Rainforest Movement veranstaltete ausserhalb des Forums am zweiten Tag ein Meeting, brach es aber vorzeitig ab, um Brasilien-Präsident «Lulas» Rede nicht zu versäumen. Am dritten Tag wurde dann das voluminöse Forumsprogramm ausgehändigt. So konnte die Suche nach den sprichwörtlichen Stecknadeln im Heuhaufen beginnen: Unter 1200 Workshops fand ich deren vier oder fünf über indigene Völker. Veranstalter waren die Indianermission der Katholischen Kirche Brasiliens und das Instituto Indigena Brasileiro. Einen weiteren (von der Indigenen-NGO COIAB) verriet die Flüsterpropaganda.
In fast jeder dieser Veranstaltungen traf ich dieselben ca. vierzig Delegierten indigener Völker Lateinamerikas: aus Brasilien, Argentinien, Chile, Peru, Kolumbien, Panama und Guatemala. Plus einen Franziskaner aus Quezon, Philippinen! In einem der Workshops ging es um die Rechte der indigenen Völker, in einem anderen um die Suche nach Wegen, die Politik für ihre Anliegen zu gewinnen: die Anerkennung der ethnischen Identitäten und der angestammten Territorien (Landvermessung war ein Standardthema!); bessere medizinische Versorgung und für den Zugang zu Ausbildungsmöglichkeiten. Die indigenen Gruppen aus dem bürgerkriegsgeschüttelten Kolumbien wären zudem dankbar für eine Reduktion der überaus starken Militärpräsenz in ihren Territorien…
Alle Delegierten bekannten sich zur unverwechselbaren Tradition ihres jeweiligen Volkes. Bunte Kostüme (Andenregion), metallisches Gepräge (Chile) und phantastischer Federschmuck (Amazonas) unterstrichen die Kulturenvielfalt. Aber alle bedienten sich einer der «Verkehrssprachen» - Spanisch oder Portugiesisch. Alle hielten sich strikt, mit geradezu helvetischer Pünktlichkeit, an die Redezeiten. Alle beteiligten sich am gleichen Diskussionsstil: ernst, aber humorvoll. Diszipliniert, aber locker. Getragen von gegenseitigem Respekt - so wie man sich eine Diskussion im Zeitalter der «Globalisierung» nur wünschen kann! In zwei der Workshops erntete ich mit einem Kurzbericht über die Lage der Penan, auf der entgegengesetzten Seite des Globus, Betroffenheit, Anteilnahme und Interesse. Fazit: Das Sozialforum stärkte die Bewegung der «Zivilgesellschaft» in Nord und Süd. Die indigenen Völker aber verbleiben am Rande des Geschehens. Erst in wenigen Ländern sind die Indigenen in der Regierung vertreten (im Parlament, wie seit langem in Panama, oder sogar in der Exekutive, wie seit kurzem in Ecuador). In den meisten Ländern, einschliesslich Brasilien, werden ihre Anliegen von der Politik bis heute weitgehend ignoriert. So beschlossen die Indigenen denn, am nächsten Sozialforum wesentlich zahlreicher präsent zu sein und schon im Vor feld ein eigenes Symposium zu veranstalten, das eine weitere Öffentlichkeit mobilisieren soll.

Riesiger Andrang für eine bessere Welt in Porto Alegre.
jk - Im Frühjahr 2001 lancierte der BMF zusammen mit der Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz GfbV eine Petition, die den Austritt der Schweiz aus der ITTO verlangte. Die ITTO ist zwar eine simple Handelsorganisation, die das internationale Geschäft mit Tropenhölzern vergrössern und fördern soll. Gleichwohl wurde die Schweizer ITTO-Mitgliedschaft während Jahren gleichgesetzt mit der offiziellen Schweizer Tropenholzpolitik. Dass Politik nicht nur Profitmaximierung der Privatindustrie bedeutet, sondern auch eine Verantwortung für die Zivilgesellschaft darstellt, wurde dabei von Bundesrat und Parlament ignoriert. Als dann das einzige ITTO-Ziel von sozialer Bedeutung - ab dem Jahr 2000 sollte nur noch Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung international gehandelt werden dürfen - bei weitem nicht erreicht wurde, verlangten wir den Austritt der Schweiz aus diesem Alibi-Verein. Oder alternativ dazu zumindest die Einrichtung eines Fonds für indigene Völker - nicht nur des Regenwaldes im selben finanziellen Umfang, wie die von der Schweiz jährlich geleisteten Zahlungen an die ITTO. Zudem soll sich die Schweiz innerhalb der ITTO für eine Deklarationspflicht nach Art und Herkunft für Holz einsetzen, den Handel mit illegal produziertem Holz verbieten und eine Zertifizierung nach den Kriterien echter Nachhaltigkeit fördern. Zu diesen Punkten wurden dann in der Folge im Nationalrat gezielte Vorstösse gemacht, die allerdings noch ihrer Behandlung durch das Parlament harren.
Im November 2002 ist das der Organisation zugrunde liegende Abkommen, das Internationale Tropenholzhandelsabkommen ITTA, ein letztes Mal um drei Jahre verlängert worden. Die Neuverhandlung hat nun mit dem Ratifizierungsprozess in den einzelnen Mitgliedsländern begonnen und der BMF wurde eingeladen, am Diskussionsforum vom 18. März 2003 seine Sicht zu ITTO und ITTA abzugeben. Diese Gelegenheit nutzen wir gemeinsam mit der GfbV aber auch, um die ITTO zur Einrichtung einer ständigen Beschwerdestelle für vom Holzschlag betroffene Bevölkerungsgruppen und Umweltorganisationen einzurichten. Denn es ist nicht einzusehen, warum die ITTO - eine eigentliche Lobby-Organisation der Produzenten, Händler und Verarbeiter Beschwerden der Holzindustrie entgegennimmt, wenn diese z. B. nicht damit einverstanden ist, dass die Schweiz eine Deklarationspflicht für Holz und Holzprodukte einführen will, hingegen für die von der Holzindustrie verursachten sozialen und ökologischen Missstände kein Gehör hat. Zusammen mit den erwähnten Initiativen könnte so die ITTO endlich zu einem sinnvollen und ergänzendem Element einer Schweizer Regenwaldpolitik werden, die diesen Namen auch verdient!

Indigene Völker müssen angehört werden -

so wie hier am Weltsozialforum in Porto Alegre!

Nicht nur für die Holzhändler, auch für die vom Holzschlag Betroffenen trägt die ITTO Verantwortung…
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jk - Vor wenigen Monaten wurde der BMF von einem Schreiner angefragt, ob es korrekt sei, wenn eine urwaldfreundliche Gemeinde für den neuen Bodenbelag ein Parkett aus tropischem Jatobaholz aus FSC-zertifizier ter Waldwirtschaft verwende. Da die angegebene Zertifikatsnummer mit der genannten Holzart zwar übereinstimmte, der BMF aber als Nicht-Mitglied zuwenig über die FSC-Mechanik wusste, verwiesen wir an den WWF, die treibende Kraft hinter dem FSC. Nachdem der WWF das Zertifikat bestätigt hatte, sprach - ausser dass einheimisches Holz natürlich eher im Sinne Bruno Mansers wäre - nichts gegen den Einsatz von FSC-Jatoba.
Es dauerte nicht lange, da meldete sich eine Schweizer Zertifizierungsfirma, und warf uns Missbrauch des FSC-Labels vor. Zwar sei es nicht auszuschliessen, dass tatsächlich FSC-Jatoba verbaut werde - eine wirkliche Garantie könne aber nur eine lückenlose Zertifizierung der gesamten Handelskette geben, also von der Waldbewirtschaftung (Südamerika) bis zu den eigentlichen Endverarbeitern - eben unserem Bodenleger. Da in diesem Fall weder der Zwischenhandel noch der Endverarbeiter zertifiziert war, kann die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, dass das verlegte Jatoba- Holz aus Raubbau am Regenwald stammt. Erst die lückenlos zertifizier te Handelskette erlaubt eine vollständige Kotrolle aller involvierten Betriebe. Ist ein Zwischenhändler nicht bereit, sich zertifizieren zu lassen, gibt es keine Garantie, dass sich FSC-Holz nicht mischt mit Tropenholz aus Raubbau. Allzurasch haben wir unser Einverständnis gegeben. Denn als uns der Fehler bewusst wurde, war der Boden bereits verlegt. Während der beauftragenden Gemeinde gratuliert werden kann für das echte Bemühen, ihrer Urwaldfreundlichkeit gerecht zu werden, lautet das Fazit der lehrreichen Geschichte für uns: Je grösser die Nachfrage nach FSC-Tropenholz, um so besser muss - lückenlos - aufgepasst werden!
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jrd - Die Oberbaselbieter Gemeinde Sissach hat sich am 6. Januar 2003 verpflichtet, auf Raubbauholz in Gemeindebauten zu verzichten und Recyclingpapier zu bevorzugen. Dieses Engagement nahmen Greenpeace Schweiz und der BMF zum Anlass, im Sissacher Gemeindehaus am 18. März eine Medienkonferenz zur Aktion «urwaldfreundliche Gemeinde» zu veranstalten. John Künzli zitierte den verschollenen Bruno Manser: «Mit welchem Recht konsumieren wir Güter, die uns geographisch gar nicht zustehen? Es darf nicht sein, dass wir Zuhause den Raubbau verbieten - jedoch weiterhin Produkte aus Urwaldzerstörung importieren!» Frau Annemarie Spinnler (Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons BL) erläuterte die Auswirkungen unseres Papierverbrauchs auf den Schutz der letzten Urwälder.
Frau Elisabeth Alter (Bauchefin der Gemeinde Aesch/BL) berichtete über das Bauen mit einheimischen Hölzern und den Erwerb des Swissbau-MINERGIE- Hauses «Phoenix» als neues, umweltfreundliches Jugendhaus (siehe auch www.messe.ch/ca/y/yc/ und www.phoen-x.net/)
Kuno Roth (Greenpeace) und John Künzli übergaben anschliessend die Anerkennungsurkunden aus FSC-Buchenholz an die anwesenden VertreterInnen von 9 Gemeinden aus den Kantonen Baselland und Basel-Stadt.
Stellvertretend für die urwaldfreundlichen Gemeinden beider Basel bedankte sich Petra Schmidt, Gemeindepräsidentin von Sissach.
Nationalrätin Maya Graf, die aus Sissach stammt, berichtete über ihre parlamentarischen Vorstösse, um auch den Bund zur «Urwaldfreundlichkeit» (durch Bevorzugung von Recyclingpapier) und zum Verzicht auf Holz aus illegalen Einschlägen zu bewegen.
Kuno Roth meinte: «Urwaldfreundlichkeit ist machbar! Deshalb haben der BMF und Greenpeace am 12. März auch alle Kantone der Schweiz in einem Brief aufgefordert, sich der Aktion ebenfalls anzuschliessen». Beschaffungen von Kantonsverwaltungen haben nämlich einen beträchtlichen Umfang, und bei richtiger Auswahl können sie einen sehr positiven Einfluss auf den Absatz ökologischer Produkte ausüben.
Seit Dezember haben neben Sissach die folgenden Gemeinden beschlossen, urwaldfreundlich zu werden: Krummenau und Oberhelfenschwil (SG), Igis (GR), Zunzgen (BL), Laupen, Längenbühl und Rüegsau (BE), Bischofszell (TG), Plan-les-Ouates (GE). Diese erhielten Mitte März ebenso wie alle 327 im letzten Rundbrief erwähnten Gemeinwesen eine Anerkennungsurkunde. Gemeinden und andere Körperschaften, die sich für unsere Aktion interessieren, oder Personen, die ihre (Wohn-)Gemeinde gerne urwaldfreundlich(er) machen wollen, können die Unterlagen beim BMF beziehen oder vom Internet herunterladen (www.urwaldfreundlich.ch).
Urwaldfreundliches Baselland - urwaldfreundliche Basel-Stadt - herzliche
Gratulation!
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jk - Immer wieder werden wir beim BMF nach Brunos Verbleib gefragt. Vor 3 Jahren haben wir das letzte Lebenszeichen von Bruno erhalten, eine Postkarte abgeschickt in Bareo, Sarawak/Malaysia.
Nachdem die Penan von Juli bis November 2000 vergeblich nach Bruno gesucht hatten, wurde im Dezember eine grosse Suchaktion durchgeführt, die leider ebenso ergebnislos blieb, wie die Bemühungen der Penan zuvor. Sämtliche davor und danach auftauchende «Hinweise» erwiesen sich bei Nachforschung als haltlose Gerüchte. Trotzdem wurde 2001 eine zweite Suchexpeditionen durchgeführt von Erich Manser, der auch im Sommer 2002 wieder nach Sarawak reiste und abermals den Batu Lawi erkletterte und dort eine Gedenktafel für seinen Bruder anbrachte. Das Schicksal von Bruno bleibt leider im Dunkeln.
«Bruno Manser - ein Freiheitsheld?» wählten die beiden Polygrafie-Lehrlinge Didier Clapasson und Jörg Agostini als Thema der «Selbständigen Vertiefungsarbeit» im Rahmen ihrer Abschlussprüfung 2002.
Nicht eine detaillierte Biographie war das Ziel der Arbeit, sondern ein Puzzle aus gut recherchierten, thematisch vielfältigen Texten, Interviews und eigenen Überlegungen, das sich zusammenfügt zu einem Bild, das Brunos vielschichtiger Persönlichkeit, seinen Motivationen und seiner Wirkung gerecht wird. Das ist den beiden so abwechslungsreich und spannend gelungen, dass wir die leicht gekürzte Arbeit (ca. 80 Seiten, sw illustriert) nun in einer kleinen Auflage herausgeben. Sie ist (solange vorrätig) beim BMF erhältlich für 17 Franken / 12 Euro (+ Porto).
evb - Unter dem Motto «Globale Gerechtigkeit bewegt!» feiert die Erklärung von Bern vom 7. bis zum 12. Juli ihr 35-jähriges Jubiläum mit einem Marsch von Zürich nach Bern und einem grossen Bankett. Veranstaltungen stehen allen Interessierten offen.
Der Weg von Zürich nach Bern unter dem Motto «Globale Gerechtigkeit bewegt!» wird in 5 Tagesetappen von 2 bis maximal 5 Stunden zurückgelegt. Jede Wanderung ist einem Thema der globalen Gerechtigkeit gewidmet und schliesst mit einer Abendveranstaltung.
Der erste Tag des Marsches am Montag, 7. Juli, von Niederglatt über Dielsdorf und die Lägern nach Wettingen setzt sich mit der Agrochemie und der Wasserversorgung auseinander, der Abend mit dem Service Public. Der Dienstag, 8. Juli, führt von Wettingen nach Aarau mit Referenz an die Staudämme und die Biodiversität. Der Marsch über den Jura am Mittwoch nach Olten stellt die Frage nach den Steuerfluchtgeldern, während sich die Donnerstagswanderung nach Langenthal mit gerechter Arbeit beschäftigt. Der alten Aare entlang nach Orpund geht’s weiter nach Biel und Bern am Freitag, 11. Juli, dem Tag des Fair Trade und Kulturgüterschutzes. Am Samstag, 12. Juli, endet der Marsch «Globale Gerechtigkeit bewegt!» in Bern mit einem Bankett.
Das Bankett knüpft an die schweizerische Tradition des «banquet républicain» im 19. Jahrhundert an. Während der Restauration waren Bankette wichtige Foren für die freie Meinungsäusserung. Dort konnten in Brandreden ohne Gefahr jene Ideen verbreitet werden, die das revolutionäre Fundament für die Gründung des modernen Bundesstaates legten.
Zukunftsweisende Ideen und Aufklärung braucht es auch heute auf dem Weg zu einer globalen Gerechtigkeit. Dafür steht die EvB ein.
Das Bankett mit prominenten Referenten und Kunstschaffenden lädt zum Austausch ein, zu Genuss und Sinnenfreude, zu Kultur und Engagement. Weitere Informationen zu den Jubiläumsfeierlichkeiten: Erklärung von Bern, Quellenstrasse 25, Postfach, 8031 Zürich Tel. +41 1 277 70 00, Fax +41 1 277 70 01 info@evb.ch

Seit 3 Jahren spurlos verschwunden: Bruno Manser, Menschenfreund und Umweltaktivist.
Am 30. Mai findet um 18:00 Uhr in der Probstei von St. Peterzell im Toggenburg die Vernissage der Ausstellung «Die Tagebücher des Bruno Manser» statt. Die Ausstellung dauert bis 29. Juni. Sie wird auch wieder eine Penan-Hütte beinhalten, die schon in der Karwoche gebaut werden soll. Wer die Ausstellung noch nicht gesehen hat, soll diese Chance unbedingt nützen!
Tong Tana
Zeitschrift des Bruno-Manser-Fonds (BMF)
Verein für die Völker des Regenwaldes
Heuberg 25, CH-4051 Basel
Telefon 061 261 94 74
Fax 061 261 94 73
E-mail: info@bmf.ch
Internet: http://www.bmf.ch
Redaktion: John Künzli, J. Rudolf Dietrich
Autoren: J. Künzli (jk), J.R. Dietrich (jrd), Thomas Kesselring (tk), Anderson Mutang Urud, Erklärung von Bern (evb)
Fotos: Robin Wood, Olaf Wündrich, Erich & Bruno Manser, T. Kesselring, BMF
Titelbild: Würgfeige in Sarawak, Bruno Manser
Übersetzungen: Robert Gogel (französisch), Nicole Widmer, Tradoc (englisch)
Auflage: 6300 (4200 deutsch, 1500 französisch, 600 englisch)
Erscheint dreimal jährlich
Auf Spenden sind wir angewiesen - herzlichen Dank!
Spendenkonti Schweiz/Liechtenstein:
Postkonto 40-5899-8
Bank Coop, CH-4002 Basel, Konto 421329.29.00.00-5
Frankreich: La Poste, Strassburg, N° CCP 2.604.59T
Deutschland: Deutsche Bank, Lörrach (BLZ 683 700 24) Konto 1678556; IBAN = DE85 6837 0024 0167855600
Satz und Druck: Gremper AG, Basel