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Rundbriefe






Bruno Manser Fonds
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Aktualisierung 2000-11-15

Tong Tana, Juli 1998

Zeitung des Bruno Manser Fonds

zu den Themen Regenwald, Indigenenrechte und Holzhandel

Titelblatt Tong-Tana 1998-7 24K

Inhaltsverzeichnis


Editorial

von Bruno Manser

Die letzten Botschaften der Penan waren voll Traurigkeit und Verzweiflung. Wir haben seit langer Zeit keine Nachricht mehr aus dem Gebiet der noch wirklich nomadisch lebenden Penan erhalten, und wir machen uns Sorgen. Die Waldbrände haben sich nun auch auf den nördlichen malaysischen Teil der Insel Borneo ausgebreitet. Sesshafte Penan klagen über Rauch, Hitze und Nahrungsmangel. Holzgesellschaften können wegen des Niedrigwassers der Flüsse die geschlagenen Stämme nicht mehr talwärts flössen. Kleinere Unternehmen haben wegen Finanzproblemen ihren Betrieb vorläufig eingestellt.

Unsere Zeitschrift «Tong Tana», in Penansprache bedeutet dies «im Wald», soll mit Informationen zum Themenbereich Regenwald nicht nur schockieren, sondern auch aufzeigen, wie jeder von uns durch persönliche wie politische Entscheidungen zum Schutz der letzten Urwälder in den Tropen wie im Norden beitragen kann: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es. Wer sich bei seinen Einkäufen immer wieder die folgende Frage stellt, trägt mit zur Lösung von weltweiten Umweltproblemen bei: Woher nehmen wir Bewohner der reichen Länder das Recht, Ressourcen vom anderen Ende der Welt, die uns geographisch gar nicht zustehen, unter ihrem reellen Wert zu vermarkten und zu konsumieren, wenn betroffene Völker vor Ort weder zustimmen noch von diesem Handel langfristig profitieren?

Uns allen viel Mut!
Bruno Manser



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Sarawak (Malaysia)

Gewaltausbruch der Polizei

von Roger Graf und Laszlo Maraz

Während einer Protestaktion gegen die Ausweitung einer Ölpalmplantage auf Ureinwohnerland im Gebiet von Bakong (Sarawak) wurden am 19. Dezember 1997 insgesamt 22 Iban verhaftet, darunter auch ein 13-jähriger Junge. Zwei Personen wurden durch Schüsse der paramilitärischen Polizei schwer verletzt, ein 40-jähriger Iban verstarb am 24. Dezember 1997 an den Folgen eines Kopfschusses.

Polizeieinsatz 19K Brutaler Polizeieinsatz gegen Ibanvolk in Sarawak.
Foto: Anke Schmitt



Die Firma Empresa (M) Sdn. Bhd. besitzt bereits mehrere grössere Palmölplantagen und wollte auf dem Land des IbanLanghauses Rumah Banggau eine weitere Plantage einrichten. Die Menschen erfuhren erst von den Plänen, als die Bulldozer auf ihrem Land vorfuhren. Die Iban beschwerten sich bei den Behörden, die aber nicht reagierten. Darauf konfiszierten die Iban drei Bulldozer und blockierten die Strasse vor ihrem Langhaus. Die 40 Polizisten der «General Operations Force» lösten die Ansammlung der rund 60 Demonstranten schliesslich mit Gewalt auf. Die Polizei wollte das Oberhaupt des Langhauses festnehmen. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der passiv im Hintergrund stehende Enyang ak Gendung durch einen Schuss lebensgefährlich am Kopf verletzt wurde. Im Verlauf der Schiesserei wurde auch Indit ak Uma getroffen, der sich verletzt zum Langhaus schleppen konnte und mit einem Buschmesser versuchte, die Teilnehmer der Blockade zu verteidigen. Nachdem er ein zweites Mal durch Schüsse getroffen wurde, gelang es ihm, einen Polizisten zu verletzen. Am Boden liegend wurde er ein drittes Mal angeschossen.

Auch Siba ak Sentu wurde nachdem er versuchte hatte, den Häuptling vor der Verhaftung zu schützen von einer Kugel im Unterleib getroffen. Weitere Iban wurden durch Stockschläge und Fusstritte verletzt. So auch der 63-jährige Dorfchef Bangga Ak Andop, welcher für einige Tage in Haft war. Er wurde wegen Tragens einer Waffe bei einer Demonstration und wegen Anstiftung zu Unruhen angeklagt. Der Häuptling wurde am 23. Januar 1998 unmittelbar nach der Anhörung im Gericht von Miri ein zweites Mal verhaftet und für zehn Tage eingekerkert. Bei dieser Anhörung ging es um die Anklage der IbanVertreter gegen die Firma Empresa wegen Landfriedensbruchs.

Victim of police 9K Zwei Schwerverletzte und ein Toter
bei Polizeieinsatz gegen IbanVolk.
Foto: Anke Schmitt



Die Iban leben traditionellerweise vom Brandrodungsanbau (Reis), vom Sammeln von Regenwaldprodukten, vom Fischfang und von der Jagd. Sie leben in Langhäusern, in denen in der Regel etwa 20 bis 30 Familien unter einem Dach wohnen. Die Iban, wie auch die anderen Ureinwohner Sarawaks, haben nach dem Gesetz gewisse Landrechte, die sie aber in Prozessen mühsam erkämpfen müssen. Immer mehr werden die traditionellen Landrechte jedoch von Holz und Plantagengesellschaften und selbst von den Behörden missachtet. Es wurden Gesetze erlassen, welche die Landrechtsansprüche der Ureinwohner immer mehr einschränken. Häufig werden auch viel zu geringe Abfindungen bezahlt und die Häuptlinge durch Geldzahlungen zur Freigabe des Landes überredet.

Die Ureinwohner Malaysias sind noch immer ein Hindernis für die gigantischen Entwicklungspläne der Regierung. Nach dem Willen der Regierung, welche eine maximale Urbanisierung (95%!) anstrebt, sollen die Ureinwohner in eine Zivilisation nach westlichem Vorbild integriert werden, vordergründig, um eine gerechte Gesellschaft, zusammen mit den anderen Rassen (Malaien, Chinesen und Tamilen), zu gestalten. In Tat und Wahrheit jedoch kann durch die «Zivilisierung» der Ureinwohner eine Abhängigkeit geschaffen werden, aus der sie nicht mehr entfliehen können. Schliesslich haben dann Regierung und Privatindustrie leichtes Spiel, an die Ländereien der entwurzelten Ureinwohner zu gelangen. Die Frage, ob Entwicklungsprojekte, für deren Umsetzung die Ureinwohner ein Hindernis darstellen, nicht von vornherein Fehlplanungen sind, wird Malaysia vor dem eigenen Gewissen und gegenüber den Handelspartnern beantworten müssen.

Sarawak: Penan beim Chief Minister

von Bruno Manser

Eine Delegation von sieben PenanVertretern aus dem Ulu BaramGebiet wurde Ende Januar 1998 vom Chief Minister Datuk Patinggi Tan Sri Haji Abdul Taib Mahmud in Kuching empfangen. In ihrer in malaysischer Amtssprache abgefassten Bittschrift machen sie auf die durch Holzgesellschaften verursachten Probleme aufmerksam: Erosionsschäden, Trinkwasserverschmutzung, steigende Temparaturen, Dezimierung der Wild und Fischbestände durch Auswärtige, gewaltsame Bedrohung durch stationierte Polizeieinheiten. Sie bitten den Chief Minister um den Rückzug der Lizenzen für den Holzschlag innerhalb ihrers traditionellen Lebensraums. Eine Antwort von Taib Mahmud erfolgte nicht.
Die gleiche Forderung wurde von den VertreterInnen dreier weiter flussabwärts liegender PenanGemeinschaften schon im August 1997 gestellt. Auch hier warten die Penan noch immer auf eine Antwort.

PenanPeghulu 12K Ein PenanPenghulu (von der Regierung bestimmter oberster Vertreter mehrerer Dorfgemeinschaften) übergibt eine Bittschrift an Chief Minister Taib Mahmud.
Photo: James Bukitan



Deutsches Forstprojekt

von Bruno Manser

Die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) hat das Forstministerium Sarawaks mit der modernsten Technologie ausgerüstet und kürzlich mit der Firma Samling einen Vertrag für nachhaltige Forstwirtschaft unterzeichnet. Insbesondere sollen die Baumarten inventarisiert und kartiert werden. Das Projektgebiet umfasst eine Fläche von 1500 Quadratkilometern im Ulu Baram, grösstenteils im Lebensraum der Penan, die sich seit Jahren gegen den Holzschlag in ihrer Heimat wehren.
Bei einer gewaltfreien Blockade im Jahr 1993 starb dabei ein vier-jähriger Junge an den Folgen eines Tränengaseinsatzes der Paramilitärs. Die Penan haben den Chief Minister persönlich um Rückzug der Holzeinschlagslizenzen gebeten. Wenn die GTZ ihre Richtlinien einhält, wie zum Beispiel Ausschluss der Urwälder von kommerzieller Holzfällerei und Wahrung der Interessen der Urbevölkerung, sollte dem Projekt nichts im Wege stehen. Schonendes Holzfällen («Low Impact Logging») in bereits degradierten Wäldern ist eine sinnvolle Verbesserung, falls die betroffene Bevölkerung dies auch wirklich wünscht.
Die Frage sei aber trotzdem erlaubt, ob die Penan, die ihre Wälder über Jahrhunderte erhalten haben, nicht die besten Garanten für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sind, noch vor jeglichem Konzept einer fremden, technischen Entwicklungsorganisation.



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Indonesien und Malaysia

Indonesien: Lockerung der Restriktionen für Holzexporte

bearbeitet von Roger Graf

Jakarta, 11. Februar 1998

Um die Deviseneinnahmen des von einer heftigen Wirtschaftskrise geschüttelten Landes aufzubessern, hat der mittlerweile zurückgetretene Präsident Suharto per 1. März 1998 eine Reihe von Reformen durchgesetzt. Wie das «Deutsche Holzzentralblatt» berichtet, soll der Export von Rundholz (unbearbeitete Baumstämme), Schnittholz (Bretter), Sperrholz und Rattan erleichtert werden. Zurzeit ist nämlich der (eingeschränkte) Rundholzexport mit einer Steuer von 200% belastet, was den Export von höherwertigem und verarbeitetem Holz förderte, vor allem von Sperrholz. Wegen der Wirtschaftskrise in Südostasien, insbesondere in Japan, ist die Nachfrage nach indonesischen Holzprodukten stark geschrumpft. Auch die Inlandsnachfrage ist massiv zurückgegangen. Die 200%Exportsteuer wird wegfallen, dafür soll eine sogenannte angemessene RessourcenNutzungsSteuer in Höhe von 10% eingeführt werden. Alle weiteren Exportbeschränkungen, wie die Exportquoten, werden in drei Jahren wegfallen. Inskünftig können die Holzkonzessionäre sämtliches Holz exportieren, solange sie mindestens 5% (!) auf dem inländischen Markt absetzen. Japan, so die neueste Meldung, bezieht nun bis zur Abschaffung der Exporttaxen kein Tropenholz mehr aus Indonesien. Diese schwerwiegenden Exporterleichterungen werden zu einer weiteren starken Dezimierung der noch verbliebenen Wälder Indonesiens führen.

Wieso brennt der Regenwald?

von Bruno Manser und John Künzli

Die Wälder Indonesiens brannten im letzten Jahr während Monaten. Nachdem der Regen Anfang 1998 für etwas Beruhigung gesorgt hatte, brennen seit März 1998 die Wälder von neuem. Auch Sarawak ist nun von Waldbränden direkt betroffen. Die Feuer haben im vergangenen Jahr auf Borneo und Sumatra mindestens 8000 Quadratkilometer Wald zerstört (ca. 20% des Gebiets der Schweiz). Weitere Brände wurden auch aus Sulawesi und Java gemeldet. Augenreizungen aber gab es vor allem in Malaysia, wohin der Südostwind die Rauchschwaden trieb. Allein in den Spitälern von Sarawak (Borneo) suchten in den ersten drei Septemberwochen über 10 000 Menschen Hilfe wegen Atembeschwerden. Sarawaks Hauptstadt Kuching meldete am 23. September 1997 mit 839 Index Punkten den bisher höchsten Schadstoffwert. Werte unter 50 Punkten werden als gut bezeichnet, Werte von 200 bis 300 Punkten als sehr ungesund, Werte über 500 Punkte gelten als extrem gefährlich. Die Regierung erwog die Evakuierung der Bevölkerung. Anfang November verhängte Malaysia eine totale Nachrichtensperre.

Palmölplantage 23K
Palmölplantage in Malaysia
Foto: Stuart Franklin, «National Geographic», Aug. 1997


Wie aber ist es möglich, dass ein Regenwald brennt, der in der Regel gar nicht brennen kann? Intakte Urwälder enthalten genügend lebende Biomasse und sind bei beinahe täglichen Regenfällen so feucht, dass sie über Jahrhunderte den traditionellen Brandrodungen der Kleinbauern und indigenen Völker widerstanden haben. Bei solch einer Brandrodung fällt jede Familie ein kleines Stück Wald, meistens Sekundärwald, der im traditionellen Zyklus bereits früher bewirtschaftet wurde, verbrennt die gefällten Bäume wenige Wochen später und pflanzt den Reis direkt in die noch warme Asche.

Nach Auswertung von Satellitenbildern hat die indonesische Regierung nicht diese Kleinbauern als Verursacher eruiert, sondern 176 Firmen. Davon sind 133 in der Plantagenbewirtschaftung, 28 im Holzgeschäft und weitere 15 Firmen in Umsiedlungsprojekten tätig. Es handelt sich bei den Agrarprojekten vor allem um Reisfelder und Kautschuk und Ölpalmplantagen, die sich über Flächen von bis zu 240 Quadratkilometern ausdehnen. Zur kostengünstigen Vorbereitung des Terrains haben die beschuldigten Firmen den Wald grossflächig abgebrannt. Die Feuer konnten auf die umliegenden, vorgängig von der Holzwirtschaft ausgebeuteten Wälder (sogenannte Sekundärwälder) übergreifen. Dies, weil durch die von den Bulldozern geschlagenen Schneisen das Sonnenlicht auf die liegengebliebenen Holzabfälle, wie Äste und Baumkronen, niederbrennt und das Holz austrocknet. So bekommt das Feuer immer wieder neue Nahrung. Erschwerend kommen auf Borneo die unterirdischen Torfvorkommen dazu, welche ohne das schützende Dach des Regenwaldes austrocknen und unterirdisch weiterglimmen. Nach einiger Zeit brechen dann an der Oberfläche wieder von neuem Waldbrände aus.

Palmöl Produckten 16K
Die meisten Nahrungsmittel, in deren Zusammensetzung «pflanzliche Fette» erwähnt sind, enthalten mit grosser Wahrscheinlichkeit Palmöl. Nach dem schweizerischen Lebensmittelgesetz sind die Hersteller nicht verpflichtet, solche Fette im Detail zu deklarieren. Auch Kosmetika, Reinigungsmittel und Backwaren enthalten übrigens oftmals Palmöl.


Die beschuldigten Firmen wurden nun von der Regierung unter Androhung des Entzugs von Einschlaglizenzen und HolzverwertungsBewilligungen aufgefordert, ihre Unschuld zu beweisen. An 43 dieser Firmen sind malaysische Investoren beteiligt, fünf sind in Singapore ansässig, und auch eine USamerikanische Firma befindet sich unter den Verdächtigten. Gegen 27 dieser Firmen ist ein Strafverfahren eröffnet worden, 19 in der Plantagenwirtschaft tätigen Firmen wurde die HolzverwertungsBewilligung entzogen.

Die Grossrodungen verändern das lokale Klima negativ in eine gefährliche Richtung: Die Regenmenge nimmt ab, die Trockenheit nimmt zu. Die Erfahrung zeigt, dass die letzten intakten Urwälder nicht nur ihrer Artenvielfalt und klimatischen Funktion wegen, sondern auch als Feuerschutz erhalten werden sollten. Gemäss einer Untersuchung des WWF Indonesien haben die Brände für die Volkswirtschaften der Region horrende Schäden verursacht. Obwohl die Ausmasse der Katastrophe noch nicht genau abschätzbar sind, kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass 1997 allein in Indonesien Kosten von über 1,4 Milliarden Schweizer Franken entstanden sind, während für Malaysia mit einem Verlust von 420 Millionen Schweizer Franken gerechnet wird. Ein Betrag, mit dem die staatlichen Sozialprogramme der vergangenen drei Jahre hätten bezahlt werden können!

Was jedoch haben wir im reichen Norden mit diesem Feuer zu tun? Verantwortung tragen vor allem jene Firmen, die Tropenholz, Kautschuk und Palmöl importieren und damit eine Degradierung und Zerstörung der letzten Urwälder begünstigen: Seien es Marubeni und Mitsubishi in Japan, seien es der Schweizer Holzimporteur HIAG, die Firmen Bally und Pirelli (Kautschuk), Nestlé (Palmöl) oder die Grossverteiler, wie Coop und Migros. Wir alle sind aufgerufen, diesen Ländern in Not nun mit konkreter Hilfe beizustehen. Wer den Regenwald schützen will, muss sich beim nächsten Einkauf für Produkte aus einheimischem Holz anstatt für solche aus Tropenholz entscheiden, mit einheimischer Butter statt mit pflanzlicher (Palmöl)Margarine kochen und auf palmölhaltige Seifen und Abwaschmittel, wie «Palmolive»Produkte, verzichten.



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Besitz und Teilen Beim Volk der Penan

von Bruno Manser (Handschrift)

Besitz und Teilen bei Penan, Teil 1, 161K
Besitz und Teilen bei Penan, Teil 2, 194K


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Russland: Amur-Tiger durch Holzeinschlag bedroht

von Roger Graf

Im Dezember 1997 hat die Regierung im russischen Khabarovsk 3050 Quadratkilometer der SukpaiWasserscheide zur Abholzung freigegeben. Der Pächter heisst Rimbunan Hijau International aus Malaysia! Für 450 000 USDollar darf der Holzgigant innerhalb 48 Jahren -jährlich 550 000 Kubikmeter Holz einschlagen. Die SukpaiWasserscheide liegt im SikhoteAlinBerggebiet, wo unter anderem der in freier Wildbahn äusserst bedrohte Amur-Tiger lebt. Nach einer Studie des russischen Umweltamtes sollen 1994 noch 150 bis 200 Amur-Tiger im äussersten Osten von Russland und im Grenzgebiet zu China gelebt haben. Ausserdem wird die Waldgegend durch die UdeheUreinwohner seit Generationen nachhaltig genutzt. Die Udehe (nach anderer Schreibweise auch Udege) leben von der Jagd auf Pelz und Fleischtiere, vom Fischfang auf Stör und Salm und vom Ackerbau. Den Winter verbrachten mehrere Familien in Langhäusern aus Holz, im Sommer zogen die Udehe wieder getrennt zu ihren Jagdgründen und wohnten dort in mit Birkenrinde und Fischhaut gedeckten Stangenzelten. Die Udehe sind geschickte Schmiede und produzieren kunstreiche Lederarbeiten und Stickereien.

Der chinesische Einfluss beeinflusste ihre Religion, doch werden noch immer Bär und Amur-Tiger verehrt und in Mythen erwähnt. Während der kommunistischen Herrschaft in der ehemaligen Sowjetunion wurden die Udehe in geschlossene Dörfer umgesiedelt. So entstand das Dorf Gvasiugi, welches nun durch den Holzschlag der Malaysier betroffen ist. Heute leben die Udehe vermehrt vom Ackerbau und vom Sammeln der wild wachsenden Ginsengwurzel.

Amur tiger 9K Amur tiger
Foto: Zoo of Zurich



Die malaysische Rimbunan Hijau, bestens bekannt wegen ihrer skandalösen Machenschaften in Malaysia und Papua Neu Guinea, hat sich angeblich mit den Udehe zum Gespräch getroffen und «Gemeinsamkeiten» herausgefunden. Anscheinend sollen die Ureinwohner mit elf Autos im Wert von 100 000 US-Dollar entschädigt werden. Ausserdem soll Rimbunan Hijau weitere 100 000 US-Dollar für den Kauf von Baumsetzlingen zu Gunsten der Forstverwaltung versprochen haben.

Karte Sibirien 25K Karte Sibirien



Victor Borisovich Skachkov vom Regionalkomittee für Umweltschutz kritisiert, dass Rimbunan Hijau dem Schutz der Biodiversität keine Bedeutung beimesse. Die Firma müsse eine Umweltverträglichkeitsprüfung machen und russische Gesetze beachten. Leider werden die Folgen des Holzeinschlags noch weitere Gebiete betreffen. Rimbunan Hijau plant eine Strasse von der Stadt Sukpai zum Hafen von Nelma zu bauen, denn nur so können die Baumstämme rentabel exportiert werden. Die Strasse wird die 8000 Quadratkilometer grosse und mit Primärwald («Urwald») bestockte Wasserscheide des SamargaFlusses entzweischneiden. Gut möglich, dass in nächster Zukunft noch weitere Begehrlichkeiten von Rimbunan Hijau für weitere Einschlagsflächen angemeldet werden ...



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Rund ums Holz

zusammengestellt von Roger Graf

Bravo!

Unsere Aktion gegen die 200 neuen Iroko-Sitzbänke an den Haltestellen der Lausanner Verkehrsbetriebe zieht weitere Kreise: Der WWF Waadt nimmt sich nun der Sache an und ist am 20. Februar 1998 mit einer kritischen Stellungnahme an die Medien gelangt. Sogar der «Schweizer Holzzeitung» war die Sache zu viel. Wir gratulieren zum deutlichen Editorial des Chefredaktors!

Unser Aufruf vom November 1997 (Pressekonferenz, Inserate in den wichtigsten Tageszeitungen, Briefe an alle Gemeinden) zum Verzicht auf Raubbauholz in kommunalen Bauten hat bereits einen ansprechenden Erfolg gebracht. Auf Grund unserer Aktion haben sich schon 197 Gemeinden (Stand bei Redaktionsschluss) aus allen Sprachregionen für den Verzicht auf Raubbauholz ausgesprochen. Die 197 Gemeinden repräsentieren eine Einwohnerzahl von über 2,1 Millionen (30% der Schweizer Bevölkerung). Der grosse Zuwachs an Tessiner Gemeinden ist dem tollen Engagement der Umweltorganisation «Capriasca Ambiente» zu verdanken. Herzlichen Dank auch an die Regierung des Bezirkes Malcantone, die alle Gemeinden im Bezirk eingeladen hat, sich dem Verzicht auf Holz aus Raubbau anzuschliessen. Die aktuelle Liste der Schweizer und Liechtensteiner Gemeinden mit schriftlichen Verzichtsbeschluss im Detail (nach Kantonen):

Schweizer Holzzeitung , Richterswil 5. März 1998 Schweizer Holzzeitung , Richterswil 5. März 1998, 70K

Pfui!

SBB-Sitzbänke an Bahnhöfen

Im Rundbrief Januar 1998 haben wir die Tropenholzsitzbänke bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) kritisiert und ein Foto einer Sitzbank im Bahnhof von ArthGoldau publiziert. Die SBB bitten uns um Veröffentlichung folgender Stellungnahme:

Ausserdem weisen die SBB auf eine im Jahr 1993 durch das Amt für Bundesbauten und der SBB publiziertes Infoblatt hin.

Kommentar des BMF: Das Infoblatt trägt den Titel «Verzicht auf Tropenholz?», wobei von entfernt, einen Verzicht auf Tropenholz zu propagieren. So ist zu lesen: «Durch einen undifferenzierten Verzicht auf den Import von Tropenholz können deshalb die Regenwälder nicht gerettet werden. Im Gegenteil würde der direkte wirtschaftliche Nutzen des Waldes und damit auch die Bereitschaft, diesen zu erhalten, geringer.» Dazu wird eine Liste mit 21 Tropenholzarten und deren Verwendungsmöglichkeiten veröffentlicht!

Übrigens hat der Bruno-Manser-Fonds das Infoblatt bereits 1993 kritisiert, und noch immer wird es anscheinend unverändert verwendet. Was von der Einhaltung der Empfehlungen zu halten ist, beweist auch folgender Sachverhalt. Die SBB schreiben, dass nur noch Metallsitzbänke eingesetzt würden (was wir als ökologisch falsch erachten, die Red.). Dazu zitieren wir nun aber aus dem Infoblatt: «Holz ist generell ein umweltfreundlicher Bauund Werkstoff, deshalb ist in den Bundesbauten vermehrt Holz zu verwenden.» Ja, liebe SBB, was gilt denn nun?

(Bemerkung: Der Direktor des Amtes für Bundesbauten hat die Mitarbeit des Bruno-Manser-Fonds bei einer zukünftigen Neuauflage des Infoblattes gewünscht.)

Q-Label

«Neue Zürcher Zeitung», Zürich 25. November 1997

«Neue Zürcher Zeitung», Zürich 25. November 1997, 38K

Unsere Kritik am sogenannten Q-Label des Waldwirtschaftsverbandes in einem Leserbrief in der «NZZ» (siehe Abdruck auf folgender Seite) und im BMF-Rundbrief vom Januar 1998 hat in gewissen Holzkreisen zu einigem Aufruhr geführt. Insbesondere wiesen wir darauf hin, dass der Waldwirtschaftsverband wohl nicht ganz zufällig sein «Oeko»Label unmittelbar zwei Tage (!) vor der Lancierung des vom WWF propagierten FSC-Oeko-Labels den Medien vorgestellt hat und dies, ohne die grossen Umweltschutzorganisationen informiert, geschweige denn eingeladen zu haben. Dass unsere Kritik nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt nun noch folgender Sachverhalt:

Am 7. April 1998 durfte Herr Urs Amstutz, Direktor des Waldwirtschaftsverbandes, einen mehr als halbseitigen Artikel zum Thema «Das Q-Label zur Wald und Holzzertifizierung Umweltzeichen für die Schweizer Wald und Holzwirtschaft» in der «Neuen Zürcher Zeitung» zum Besten geben. In seinem Artikel wird behauptet, dass ein Vergleich zwischen den «HelsinkiKriterien» und den Prinzipien des FSC ergeben habe, dass alle Forderungen des (strengeren, die Red.) FSC-Labels abgedeckt seien. Daher könne festgehalten werden, dass durch die eidgenössische Waldgesetzgebung auch die Prinzipien des FSC eingehalten seien. Diese Behauptungen des Waldwirtschaftsverbandes suggerieren in unzulässiger Weise, dass das Waldwirtschaftsverbands Label dem FSC-Label der Umweltorganisationen ebenbürtig ist. Nur zwei Tage (!) später wurde übrigens in derselben «NZZ» in einem kleineren Artikel über die erste FSC-Zertifizierung eines Schweizer Forstbetriebes berichtet. Ob diese zwei Tage Vorsprung wohl nochmals ein «Zufall» sind?

Quimper besteht auf Tropenholz

Die Stadt Quimper in der Bretagne (Frankreich) baute ein neues, 700 Personen Platz bietendes Mehrzweckgebäude mit rund 2300 Kubikmetern brasilianischem Ipé Holz. Obwohl das Holz nur 1% der gesamten Bausumme ausmachte, war der Stadtpräsident Bernard Poignant nicht bereit, das Tropenholz durch einheimisches Holz zu ersetzen. Es handelt sich beim Ipé übriges um das gleiche Holz, wie es schon beim Bau der Nationalbibliothek in Paris Verwendung fand. Zwar hat der zuständige Vertreter für Stadtentwicklung und Umwelt (Maire-Adjoint à l’Urbanisme et à l’Environnement) im Gespräch mit einer lokalen Umweltorganisation zugegeben, dass der Entscheid für Ipé ein Fehler war. Trotzdem schlägt er nun für weitere kommunale Bauten afrikanisches Iroko vor!

Salle de Spectacle» in Quimper, 27K


Bitte fordern Sie den Tropenholzverzicht in kommunalen Bauten der Stadt Quimper und schreiben Sie, was Sie vom neuen «Salle de Spectacle» halten (siehe Foto). Eine Postkarte bitte senden an: Monsieur Bernard Poignant, Maire, F-29000 Quimper (France).

Precious Woods

Die Schweizer Firma Precious Woods hat die schon vor langer Zeit angekündigte FSC-Zertifizierung für ihr Brasilien-Projekt «Mil Madeireira» im Amazonasgebiet am 1. Juni 1997 erhalten. Erstaunlicherweise war über die (erfolgreiche) Zertifizierung kaum etwas in den Medien zu lesen, nachdem die Manager von Precious Woods in der Vergangenheit stets sämtliche Register gezogen haben, um Medienpräsenz (u. a. in der «NZZ» in einer mehrseitigen Wochenend-Beilage) zu erhalten. Dem BMF liegt nun seit kurzem eine 21- seitige Zusammenfassung des Zertifizierungsberichts vor.

Die Bewertung der Leistung von Precious Woods ergab folgende Noten (sinngemässe Übersetzung der Bewertungspunkte durch den BMF): Absicherung der Landrechte (4.0), Management-Plan (3.8), nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes (4.0), Umweltauswirkungen (3.5), Beziehungen mit der lokalen Bevölkerung (3.1), Beziehungen mit den Arbeitern (4.0), ökonomische Wirtschaftlichkeit (3.5), Optimierung des Waldpotentials (3.5) und Kontrollsystem des Holzflusses (4.4). Eine Note 3.0 bedeutet übrigens: «zertifizierbar, über der Norm in der Region, aber mit Möglichkeiten zur Verbesserung», Note 4.0 bedeutet: «sehr vorteilhafte Erfüllung, merklich über der Norm, aber immer noch mit Möglichkeiten der Verbesserung».

Insbesondere die Beurteilung der Beziehung zur lokalen Bevölkerung fällt für Precious Woods nicht gerade vorteilhaft aus. So gibt es insgesamt 50 Familien, die innerhalb des Landes von Precious Woods leben und Anspruch auf die Nutzung der Waldressourcen erheben. Diese Menschen haben schon vor dem Landkauf durch Precious Woods dort gelebt. Es gibt (noch) kein legales Abkommen zwischen der Lokalbevölkerung und Precious Woods zur Klärung der Landrechte. Im Zertifizierungsbericht wird dies als mögliches Konfliktpotential bewertet. Gegenüber dem BMF hat Precious Woods immer die Anwesenheit einer lokalen Bevölkerung, ausser im Gebiet der Sägerei, in Abrede gestellt. Umso mehr sind wir erstaunt, dies nun aus dem Zertifizierungsbericht zu erfahren. Im Bericht wird zudem darauf hingewiesen, dass eine Überwachung der Wildtierbestände fehlt. Ausserdem wird die Durchtrennung der Lianen zwecks Abtötung kritisiert, inbesondere weil klare Richtlinien fehlen. Precious Woods hat zwar die FSC-Zertifizierung (mit vielen zusätzlichen Bedingungen und Auflagen) erhalten, doch ist die Benotung sicherlich kein Ruhmesblatt. Erklärt dies möglicherweise auch, wieso man in den letzten Monaten in den Medien kaum etwas über die «erfolgreiche» Zertifizierung von Precious Woods gehört hat?

Der BMF befürwortet die Bestrebungen für ein Oeko-Label, welches Holz aus nachhaltiger Bewirtschaftung kennzeichnet. Dies ist in Sekundärwäldern (bereits degradierte Wälder) möglich und sollte gefördert werden. Leider ermöglicht das FSC-Label den Holzeinschlag auch in Primärwäldern («Urwäldern»), was für den BMF inakzeptabel ist. Ein intaktes Urwaldgebiet mit Strassen zu erschliessen, mit Bulldozern Wunden in den Wald zu brechen, uralte Baumriesen zu fällen und diese um die halbe Welt zu karren und dazu noch zu behaupten, damit würde der Regenwald geschützt («Schützen durch Nützen», Zitat Precious Woods) ist ein ökologischer Blödsinn.

Kamerun

Pygmäenkinder 11K Der Druck auf die Wälder des afrikanischen Kongobeckens wächst stetig.
Pygmäenkinder beim unbeschwerten Spiel - wie lange noch?
Foto: B. Manser



Kamerun hat den Holzexport in den letzten Jahren vervierfacht. Insgesamt 67 ausländische Holzgesellschaften kontrollieren 81% von Kameruns Waldressourcen. Frankreich beteiligt sich mit über 20 Holzfirmen massgebend an der Zerstörung der Urwälder in Zentralafrika.



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BMF-Aktionen

Bruno Manser will sich in Malaysia stellen

Auszüge aus einem Artikel von Ruedi Suter (Journalist «Basler Zeitung») bearbeitet von Roger Graf

Mit einem Fallschirm ausgerüstet, wollte Bruno Manser am 5. April 1998 mit den Singapore Airlines nach Singapur fliegen. Als Gepäck gab er «Gumperli» an, ein 24 Tage altes Lamm, für das alle Papiere vorgelegen hätten. Dennoch versagte die Fluggesellschaft vermutlich auf diplomatischen Druck hin dem Tier im letzten Moment den Zutritt.

Am 7. April, dem islamischen Feiertag Hari Raya Haji, wollte Bruno Manser aus einem Kleinflugzeug über der Stadt Kuching mit dem Tier abspringen. Der Hari Raya Haji markiert den Abschluss der Pilgerreise der Mohammedaner nach Mekka und basiert auf der biblischen Geschichte von Abraham. Als dieser Gott seinen Sohn opfern wollte, hinderte ihn eine Engel daran, worauf Abraham ein Schaf opferte. In Erinnerung daran beglückwünschen Mohammedaner an diesem Tag jeden Menschen mit «Eid Mubarak», wünschen Frieden, und wer es vermag, schlachtet ein Tier und verteilt das Fleisch an die Armen.

Bruno Manser hatte vor, das symbolträchtige Lamm während der Feierlichkeiten des Hari Raya Haji dem Chiefminister des ostmalaysischen Bundesstaates Sarawak, Abdul Taib Mahmud, zu übergeben. Bruno Manser: «Dies als Geste des Friedens und der Versöhnung. Ich möchte mich für die nicht verjährenden Verletzung der Einwanderungsgesetze entschuldigen und auch einer Bestrafung nicht ausweichen. Ich hoffe aber auch, dass mir die Malaysier verzeihen und wir zusammen eine rasche Lösung für die Rettung der Penan und ihrer letzten Wälder finden können.»

Fallschirmsprung über Genf 10K Bruno Manser in der Luft über Genf mit Malaysiaschirm und Sarawakflagge, sowie Lamm «Gumperli»
Foto: Ruedi Suter



Um seine friedliche Absicht zu unterstreichen, habe er Chiefminister Taib Mahmud detailliert über seine ursprünglich als Überraschung gedachte Anreise informiert und ihn um Erlaubnis gebeten. Einziges Resultat: Die Transportverweigerung für das Lamm, ohne das Manser nicht reisen will.

Die Aktion wurde vom Bruno-Manser-Fonds von langer Hand diskret vorbereitet. Manser selbst reiste im Januar in die USA und orientierte Vizepräsident Al Gore, die Weltbank sowie den malaysischen UNO-Botschafter über die Lage der Penan und seine geplante Rückkehr. Eine Gönnerin bezahlte ihm in Österreich das Erlernen des Fallschirmspringens. Schweizer Piloten und Fallschirmspringer berieten ihn, ermöglichten ihm gegen 100 Absprünge und halfen, die malaysische Flagge auf den Fallschirm zu malen. Jean-Pierre Weiss aus Kleinlützel (SO) stellte das Lamm zur Verfügung, mit dem der ehemalige Schafhirte Manser bei Biel/Bienne zweimal aus einem Flugzeug sprang - «Gumperli» zeigte sich überraschenderweise völlig unbeeindruckt.

Das Ganze wurde auf Video festgehalten und mit einer Grussbotschaft an den Chiefminister versehen, in der Manser um die Bewilligung der Versöhnungsaktion in Kuching bat. Auf das am 20. März per Eilkurier verschickte Video hat Bruno Manser keine Antwort erhalten. Beim Bruno-Manser-Fonds meldete sich lediglich ein Angestellter der malaysischen UNO-Botschaft in Genf, um von jeder Art von Anreise abzuraten. Die Singapore Airlines in Zürich bestätigten gegenüber dem BMF, von der malaysischen Botschaft kontaktiert worden zu sein. Manser reagierte gelassen: «Ich lasse mich von meinem Plan, mich mit den Malaysiern zu versöhnen, nicht abbringen.» Als Ersatz für seinen missglückten Plan führte Bruno Manser seine Aktion am 6. April 1998 in Genf durch. Manser traf sich nach erfolgreicher Landung mit dem malaysischen Botschafter Hamidon Ali zu einem zweistündigen Gespräch hinter verschlossenen Türen.



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BMF-Intern

Jahresbericht 1997

von Bruno Manser

Auch 1997 haben sich John Künzli, Bruno Manser und Roger Graf 100-Stellen-Prozente geteilt. Unterstützung erhielten wir von VolontärInnen, wie Chantal Pfiffner (Mithilfe Sekretariat), Peter Rudin (Spendenverdankungen), Erika Müri-Marrer (Finanzen), Michael Mettler (Mithilfe Sekretariat) und anderen. John Künzli hat sich in seine Funktion als Vereinssekretär ausgezeichnet eingearbeitet. Roger Graf hat die grosse Kampagne zum Verzicht auf Raubbauholz in den Gemeinden vorbereitet und die Redaktion des Rundbriefes betreut. Unser Vorstand besteht zurzeit aus fünf Mitgliedern: Barbara Jäckli (Biologin), Dr. Marco Baettig (Zoologe), Michael Studer (Schreiner), Michael Mettler (Student) und Bruno Manser (Ethnologe/Hirt). Der Vorstand beschäftigte sich in sieben Sitzungen mit anstehenden Fragen und Entscheidungen.

Insgesamt fanden im Berichtsjahr 17 erwähnenswerte Treffen mit VertreterInnen anderer gemeinnütziger Organisationen statt, 5 mit Wirtschaftsvertretern, 7 mit PolitikerInnen und 10 Treffen im Zusammenhang mit konkreten Projektvorschlägen. Zu den grossen Waldbränden in Indonesien und Malaysia wurde der BMF in 7 Presse-, 5 Radio- und 6 Fernsehinterviews befragt. Neben 9 Vorträgen durch Bruno Manser war der BMF an drei Ausstellungen massgeblich mitbeteiligt: Landesmuseum Zürich («Jäger und Sammler von Borneo»), Rehetobel/AR (Regenwaldausstellung) und in La Chaux-de-Fonds (Bilder aus dem Ituri-Wald in der Republik Kongo-Zaire).

Alex Rabus 8K Alex Rabus’ wichtigstes Zitat stammt vom Dalai Lama:
«Unser schlimmster Feind ist der Pessimismus.»



Aus Videoaufnahmen durch Bruno Manser in den Jahren 1986 bis 1989 entstand in Zusammenarbeit mit Bela Böke von Arbel Video ein Dokumentarfilm zum Thema «Sagoproduktion bei den Penan». Das Video kann gegen eine Gebühr von Fr. 50.- beim BMF bestellt werden. Aus dreissig Stunden Tonaufnahmen, ebenfalls durch Bruno Manser während seiner Sarawak-Zeit aufgenommen, entstanden drei Tonbandkassetten mit Tierstimmen, Penan-Musik und -Sagen. Bruno Manser’s Buch «Stimmen aus dem Regenwald» wurde durch Frau Masako Fujimaki minuziös übersetzt und ist seit November 1997 in Japan im Handel.

Am 20. November 1997 haben wir alle 2913 Schweizer Gemeinden in den vier Landessprachen angeschrieben mit der Bitte, in Zukunft auf die Verwendung von Hölzern aus Raubbau zu verzichten. Ausserdem publizierten wir aus zweckgebundenen Spenden verschiedene Zeitungsinserate in allen vier Sprachregionen. In den verbleibenden fünf Wochen bis Ende 1997 haben bereits zwanzig Gemeinden positiv reagiert (siehe dazu auch unsere aktuelle Liste auf Seite 10).

Wiederum durften wir von unseren Leser-Innen viele Einzelspenden entgegennehmen. Vielen herzlichen Dank! Von den grossen Geldgeschenken und Naturalgaben möchten wir an dieser Stelle folgende Personen und Firmen erwähnen: Alex Rabus (Fr. 40 000.- aus dem Verkaufserlös seines künstlerischen Schaffens), Frau Ruth Popp (Fr. 3000.-), die Firma Ebi-Pharm aus Kirchlindach (Fr. 5000.-), sowie die Firma Victorinox aus Ibach (SZ) (für 302 Taschenmesserkörper). Die Jahresrechnung 1997 schliesst mit einem Fehlbetrag von Fr. 19 249.-, bei Einnahmen von Fr. 248 436.- und Ausgaben von Fr. 267 685.-. Eine detaillierte Bilanz und Erfolgsrechnung kann im Sekretariat des BMF bestellt werden.

Die Situation bei den Penan hat sich weiter drastisch verschlechtert. In den insgesamt 15 Stunden Tonbandaufnahmen, die der BMF direkt vom Penan-Gebiet erhielt, wird Schlimmes berichtet. So sagt Sigan Medeng, ein Nomade vom Magoh-Fluss: «Wenn du (Bruno Manser, die Red.) nicht schnell kommst, wirst du später nur noch unsere Spuren sehen, offenes Land, der Regen wird auf deinen Kopf fallen, Wind wird sein. Und wirst du auch deine Hand hinstrecken, so werde nicht ich dich grüssen, nicht ich deine Hand nehmen, nur Regen und offenes Land. Darum sage ich dir, hab ausdauerndes Herz, Freund! Hab Mitleid mit den Kindern!» Die Bulldozer sind nun bereits tief in die letzten Urwaldreste vorgedrungen. Die versprochenen Schutzgebiete sind noch immer nicht umgesetzt. Der Chief Minister Taib Mahmud wird sich beeilen müssen, wenn er international glaubhaft sein will. Persönlich werde ich mich weiterhin bis an meine Grenzen für positive Schritte im Sinn der Penan einsetzen. Zusammen mit dem BMF und mit Euch allen, liebe Leserinnen und Leser, die Ihr einen Beitrag leisten möchtet.

Herzlich Bruno Manser

Neu: Regenwald-Ausstellungen

Es sind folgende zwei Wanderausstellungen gegen einen Unkostenbeitrag erhältlich:

Thema: Tropenwald

Roger Graf hat eine Ausstellung zum Thema Tropenwald und insbesondere zu Fragen im Zusammenhang mit Tropenholz produziert. Die Ausstellung besteht aus 12 Stellwänden (1 mx 2 m) mit Texten in deutscher Sprache und vielen Farbfotos zu folgenden Themen: Waldarten in den Tropen, Urwälder, Artenvielfalt, Menschen/indigene Völker, Nichtholzprodukte, Ursachen der Waldzerstörung, Tropenholz (mit Produkten aus Tropenholz zum Anfassen!), Ziele des Bruno-Manser-Fonds.

(Reservation: BMF oder: Verein «Kein Stolz auf Tropenholz», Tel. 071/877 24 19)

Thema: Ituri-Wald (Kongo)

Die 106 Aufnahmen aus dem Jahr 1995 dokumentieren das Leben der Mbuti (Netzjäger) und der Baefe (Bogenjäger) und die kommerzielle Holzfällerei im Nordosten der Republik Kongo. Der Text ist in französischer und deutscher Sprache.

(Reservation: BMF, Tel. 061/261 94 74)

Baefe-Mädchen 19K Baefe-Mädchen schmücken sich mit Russ und dem Saft der Tato-Frucht (Rothmannia whitfieldii, Rubiaceae). Die «Tätowierung» verblasst innert zweier Wochen.
Foto: Bruno Manser



Gesucht: Farbkopierer und Videogerät

Bruno Manser hat während seines mehr als sechsjährigen Aufenthalts bei den Penan in Sarawak rund 2000 Seiten mit völkerkundlichen, zoologischen und botanischen Aufzeichnungen produziert. Da diese Originalaufzeichnungen durch das Alter, durch die Transporte und die Verwendung in bisher vier Ausstellungen in Gefahr sind, Schaden zu nehmen, möchten wir das gesamte Werk in dreifacher Ausführung auf Laserkopien sichern und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Die ungefähren Kosten betragen Fr. 6000.-. Wer könnte uns ein Lasergerät kostengünstig zur Verfügung stellen oder uns mit einem finanziellen Beitrag zweckgebunden unterstützen? Für Weiterbildungsaufgaben im Sekretariat - wir haben eine grössere Videosammlung zum Themenbereich Regenwald - suchen wir ein Videogerät mit Bildschirm. Wer kann uns ein Gerät schenken oder ein billiges Angebot machen? Herzlichen Dank!

Tel. 061/261 94 74 (Sekretariat BMF).

Ein neuer Computer im BMF!

Die Firma TISCOM-Systems aus Zürich hat uns einen neuen Computer inklusive Software geschenkt! Ganz herzlichen Dank! Ein grosses Merci auch an Michel Bovey, der uns die Anlage installiert hat und nun ausserdem unsere Seite im Internet gestaltet.

Publikationen

Diese Publikation «Papier und Umwelt» erscheint vierteljährlich und umfasst pro Ausgabe 24 Seiten über den Bereich umweltverträgliche Papiere und Büroökologie, wobei die Themenwahl ausserordentlich interessant und umfassend ist. So wird über den Wolfsschutz in Rumänien (Wölfe schützen Wald), über den Holzschlag in Kolumbien, über Recycling- und Pseudo-Recycling-Papier, die Beurteilung der Umweltberichte schwedischer Holzgiganten, über die Gewässerverschmutzung der Zellstoffhersteller in Österreich und so weiter berichtet. «Papier und Umwelt» arbeitet mit der schweizerischen Nachrichtenagentur «Infosüd» und dem «Taiga Rescue Network» zusammen. So können viele fundierte Artikel über die Waldproblematik im tropischen Süden wie auch im Gebiet der nordischen Wälder publiziert werden. Das Jahresabonnement kostet Fr. 20.- (DM 20.- zuzüglich Versandkosten) und kann unter den folgenden Adressen bestellt werden:

FUPS, Speerstrasse 18,
CH-9500 Wil,
oder in Deutschland: FöP,
Dorfstrasse 18, D-56288 Roth.




Impressum

Bruno-Manser-Fonds (BMF)
Verein für die Völker des Regenwaldes
Heuberg 25, CH-4051 Basel, Schweiz
Telefon 41 61/261 94 74
Fax 41 61/261 94 73
Email: info@bmf.ch
Web: http://www.bmf.ch/

Spendenkonten:
Schweiz/Liechtenstein: Coop Bank, CH-4002 Basel, Konto 421329.29.00.005
Frankreich: La Poste, Strasbourg, Numéro CCP 2.604.59.T
Deutschland: Deutsche Bank, Lörrach (BLZ 683 700 34), Konto 1678556
Redaktion: Roger Graf, John Künzli
Autoren: Roger Graf, John Künzli, Bruno Manser, Laszlo Maraz, Ruedi Suter
Fotos: Ruedi Suter, James Bukitan, Bruno Manser,«National Geographic», Claude Roudot, Anke Schmidt, Zoo Zurich
Zeichnung Titelblatt: Bruno Manser
Übersetzungen:
Nadja Alessandro, Robert Gogel (französisch),
Barbara Jäckli, Sara Moylan (english),
Bruno Manser, Roger Graf (deutsch),
Edition: 5700 (3500 deutsch, 1500 französisch, 700 english)

Erscheint dreimal jährlich.
Das Abonnement von «Tong Tana» ist gratis, wir sind aber dringend auf Spenden.

Satz und Druck: Gremper AG, Basel



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