Bruno Manser Fonds Aktualisierung 2000-11-15 |
Basel, 31. Januar 2001Presse-ErklärungGrund der Such-Expedition zum Penan-Berg Batu LawiBruno äusserte gegenüber dem BMF und Freunden, dass er eventuell den Batu Lawi besteigen werde, bevor er zu den Nomaden am Nyakit-Fluss weitermarschiere. Diese Absicht tönte er auch gegenüber seinem Penan-Führer Paleu an (Beilage 1: Interview Paleu). Schon bei einer Besteigung in den 80er Jahren geriet Bruno in grösste Gefahr. Ein Unfall an diesem Berg war entsprechend wahrscheinlich. Diese Abklärungen konnten die Penan, die seit August auf der Suche nach Bruno sind, nicht selber durchführen, dazu fehlt ihnen die Erfahrung und Ausrüstung. Der BMF organisierte eine Expedition, die sich aus 2 Teams zusammensetzte, einem Boden-Team und einem Helikopter-Team. Ziele der Such-Expedition zum Batu LawiAbklärung: Unfall am Berg? Resultat Helikopter-FlugDer Schweizer Bergführer Dario-Andri Schwoerer, mit Erfahrung in Rettungs-Einsätzen, führte die Suche per Helikopter am 24.12.2000 erfolgreich durch. Fazit des Helikopter-Einsatzes: Dario Schwoerer kommt zum Schluss, dass Bruno Manser mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht am Batu Lawi verunglückte. (Beilage 3: Bericht Helikopter-Einsatz) Resultat Boden-TeamDas Boden-Team war unterwegs vom 14. 12.00 - 05.01.01. Während dem Anmarsch zu den Nomaden befragte der Team-Leiter am 16.12.00 den halb-sesshaften Penan Akit aus dem Gebiet des Oberlaufs des Baram-Flusses, der bestätigt, Bruno in der Nacht vom 23./24.05. in Bario gesehen zu haben (Beilage 2: Interview Akit) Das Batu Lawi-Team formierte sich im Magoh-Biosphären-Reservat am Kubaan-Fluss, wo über 20 Penan-Familien ihr Lager aufgeschlagen haben, nachdem bekannt wurde, dass Bruno Manser verschwunden ist. Hier wollten die Penan mehr zum Verschwinden des Penan-Mannes erfahren und von hier aus wurden bereits 2 Suchaktionen organisiert. In diesem Lager befragte der Leiter des Boden-Teams (ein orts- und sprachkundiger Europäer, der noch vor Ort ist und deshalb anonym bleiben will) auf Paleu, der Bruno Ende Mai begleitete (Beilage 1: Interview Paleu) Das Team setzte sich aus dem Leiter sowie 4 Nomaden (darunter Paleu) und einem sesshaften Penan zusammen, die alle bereits an den früheren Suchaktionen teilnahmen und Brunos Spuren schon im August fanden. Am 25.12.00 brach das Team auf und folgte den von Bruno mit dem Buschmesser geschlagenen Spuren, die vom Ort, wo Bruno sich von Paleu trennte am Rande des Magoh-Biosphären-Reservates in Richtung Batu Lawi führen. Aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen sowie aufgrund der Aussagen von Paleu sind sich die Penan sicher, dass es sich hierbei um Brunos Spuren handelt, da sich sonst niemand in dieser Gegend bewegte. Am 27.12.00 erreicht das Team über den beidseitig steil abfallenden Grat die Stelle, wo der Gipfel des Batu Lawi senkrecht in die Höhe steigt. Spätestens hier hätte Bruno seinen Rucksack (30 kg Ausrüstung) deponieren müssen. Fazit des Boden-Teams: Es konnten keinerlei Spuren von Bruno Manser gefunden werden, die darauf hindeuten, dass er den Batu Lawi bestiegen hat, oder gar verunglückt wäre. Mit grösster Wahrscheinlichkeit ist Bruno nicht an diesem Berg verunglückt. Beurteilung der PenanNach Bekanntwerden von Brunos Verschwinden haben die Nomaden am Kubaan-Fluss im Magoh-Biosphären-Reservat ihr Lager aufgeschlagen, um zu erfahren, was passiert ist und um Bruno zu suchen. Ihre Suche ist nicht lückenlos, eine systematische Suche nach den Überresten oder der Ausrüstung von Bruno Manser ist aber praktisch nicht durchführbar. Ein Selbstunfall wird von den Penan nicht völlig ausgeschlossen. Unabhängig voneinander berichteten verschiedene Penan dass im Mai/Juni 2000 im überdurchschnittlich zahlreiche Truppen-Bewegungen von Militär, Polizei und Police Field Force stattgefunden haben. Gründe für diese zeitlich und örtlich mit Brunos Verschwinden übereinstimmenden Bewegungen sind nicht bekannt. In der Vergangenheit sind diese Truppen oft von der Holzindustrie gegen den Widerstand der UreinwohnerInnen eingesetzt worden. Da Bruno innerhalb des Magoh-Biosphären-Reservates verschwand, das gegenwärtig illegal abgeholzt wird von den Firmen Samling, WTK, Rimbunan Hijau und der Raut-Company, betrachten die Penan Fremdeinwirkung als wahrscheinlich. ( Beilage 6: New Straits Times 19.10.1993)
Fazit der ExpeditionAufgrund der Abmachungen, Erfahrungen und Abklärungen ist Bruno Manser nicht bewusst untergetaucht Aufgrund der Resultate der Expedition ist Bruno Manser am Batu Lawi nicht verunglückt Aufgrund der Aussagen Malaysischer Behörden wird Bruno nicht gefangengehalten Die Suche nach Bruno ist nicht lückenlos, ein Selbstunfall kann nicht ausgeschlossen werden Fremdeinwirkung im Zusammenhang mit Brunos Verschwinden kann nicht ausgeschlossen werden Brunos Spuren verlieren sich innerhalb des Magoh-Biosphären-Reservates. Dieses Schutzgebiet wurde 1987 vom Chief Minister von Sarawak Taib Mahmud speziell für die Penan-Nomaden eingerichtet. Die Penan beklagen sich schon lange über illegale Aktivitäten der Firmen Samling (Ravenscourt), WTK, Rimbunan Hijau und der Raut-Company (Rawood) innerhalb des Magoh-Biosphären-Reservates. Im Wirkungsbereich einer Industrie, die ganze Völker und Kulturen verschwinden lässt (und ein Kopfgeld auf Bruno aussetzt), ist Fremdeinwirkung nicht auszuschliessen. Zumal die Regierung duldet, dass diese Firmen kriminelle Banden anstellt, um die Ureinwohner einzuschüchtern. Bruno Manser gilt weiterhin offiziell als Staatsfeind. Brunos Spuren führen Richtung Batu Lawi. Da keinerlei Hinweise auf ein Unglück an diesem Berg gefunden wurden, ist es möglich, dass sich Bruno ins Adang-Reservat hat durchschlagen können. Dieses 1993 für die Penan-Nomaden eingerichtete Reservat wird derzeit attackiert von den Firmen Samling (Ravenscourt) und der Limbang Trading Ltd, der Firma des Umweltministers von Sarawak, Datuk James Wong! (Beilagen 5, 6: Karte mit Stossrichtung der Holzfirmen / New Straits Times 19.10.1993) Eingeschlossen von Holzfällern, Polizei und Militär und wagt es die Nomaden-Sippe nicht, das Adang-Reservat zu verlassen. Zu gross ist ihre Angst, die Firmen würden sofort ihren letzten intakten Lebensraum abholzen. Diese Sippe kam nicht zum grossen Treffen am Kubaan-Fluss und es konnte bisher kein Kontakt zu diesen Nomaden hergestellt werden. Es ist möglich, dass Bruno Manser dort eingeschlossen ist. Diese These wird gestützt von James Ritchie, Autor der Beilage 6 (New Straits Times v. 19.10.1993) und Buchautor über Bruno Manser und die Penan, gemäss dessen Informationen Bruno im Januar 2001 innerhalb des Adang-Reservates gesehen worden sei. Situation der PenanDie Situation der 300 Penan-Nomaden ist verzweifelt. Nicht einmal die von der Regierung eingesetzten Reservate (Magoh, Adang, Melana, Seridan, Tutoh) sind vor illegalem Holzschlag geschützt. Der gesundheitliche und psychische Zustand der Penan ist schlechter als jemals zuvor. Der noch verbliebene intakte Lebensraum ist zu klein, das Wild ausgerottet, Flüsse und Bäche verschmutzt. Zuwenig zum leben, zuviel zum Sterben. Von allen Seiten werden sie attackiert: verzweifelt rufen sie um Hilfe und Rat. Jetzt wo Bruno nicht mehr da ist: wer hilft ihnen noch? Was sollen sie tun? (Beilagen 4, 5, 6: Along Segah spricht / Lageplan-Karte / New Straits Times 19.10.1993) Die Situation der 10'000 halb-sesshaften Penan ist leider nicht besser. Auch sie beklagen sich über illegale Abholzung ihrer Reservate, vor Allem des Melana-Schutzgebietes. Die Penan am Baram-Fluss wehren sich derzeit mit Blockaden gegen die Abholzung ihres Territoriums. Im März dieses Jahres wird die Malaysische Menschenrechts-Kommission Suhakam die Penan am Oberlauf des Baram-Flusses besuchen, um sich ein Bild von ihrer Situation zu machen. Wenn nicht sofort etwas geschieht, werden die Penan als eigenständige Ethnie, als eigene Kultur mit ganz eigenen Traditionen nicht überleben, sondern in Kürze verschwinden von dieser Erde. Wie weiter?Bruno Manser lebt, solange keine Klarheit darüber besteht, was mit ihm geschah. Die Suche der Penan und des Expeditions-Teams ist nicht lückenlos. Ein Unfall ohne Fremdeinwirkung ist nach wie vor möglich (fallendes Totholz, plötzliches Hochwasser, Giftschlange) Malaysische, multinational operierende Holz-Firmen (Samling, Rimbunan Hijau und WTK holzen u.a. in Korea, Russland, Kamerun, Brasilien, Bulgarien), die zu den Weltgrössten der Branche gehören und selbst vor staatlich geschützten Reservaten nicht Halt machen nehmen das Verschwinden ganzer Völker und Kulturen in Kauf. Die letzten Rückzugsgebiete der Penan-Nomaden, das Adang-Reservat und das Magoh-Reservat werden derzeit illegal geplündert - ohne dass die Regierung einschreiten würde. Diese beiden Reservate waren Brunos Ziel. In Anbetracht dieser Umstände sowie unter Berücksichtigung des auf Bruno ausgesetzten Kopfgeldes von 50'000 $ kann Fremdeinwirkung nach wie vor nicht ausgeschlossen werden Eine systematische Suche im Falle eines Selbstunfalls ist praktisch nicht durchführbar. Die Penan werden die Augen und Ohren weiterhin offenhalten. Die Angehörigen Bruno Mansers erwägen die Aussetzung einer Belohnung für Hinweise zum Verschwinden. Der BMF führt vor Ort weitere Befragungen durch, vor allem mit den Nomaden vom Adang-Resesrvat. Der BMF wird weiterhin über den Stand der Suche nach Klarheit im Fall Bruno Manser berichten. Forderungen
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