BMF - Press release 24-sep-1998
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updated 2001-01-31

Basel/Rehetobel, 24. September 1998

Press Release

Bruno-Manser-Fonds
&
Verein "Kein Stolz auf Tropenholz"

Kein Stolz auf Tropenholz logo - 5K

206 Schweizer Gemeinden und 4 Kantone verzichten in öffentlichen Bauvorhaben offiziell auf Holz aus Raubbau. Dies entspricht rund 2.2 Mio. EinwohnerInnen oder 30% der Schweizer Bevölkerung.

Fotos aus Sarawak


Picture for communities without stollen wood - 19K Dies ist das erfreuliche Resultat eines Schreibens des BMF vom November 1997, das in den 4 Landessprachen an alle 2913 Schweizer Gemeinden verschickt worden ist. Als Vorlagen dienten die vorbildlichen Richtlinien der Stadt Zürich, der Gemeinderats-Beschluss von Fällanden sowie ein Faltblatt des Kantons Appenzell/ARh. Letzteres hatte zur Folge, dass sich alle Appenzeller/ARh. Gemeinden den Schlussfolgerungen der kantonalen Baudirektion anschlossen und heute auf Holz aus Raubbau verzichten.

Der Verein "Kein Stolz auf Tropenholz" und der Bruno-Manser-Fonds ehren darum am Freitag Mittag, 25.09.98, die Stadt Zürich und die Gemeinde Fällanden für ihr gutes Beispiel, Alt-Regierungsrat von Appenzell/AR, Herr Ueli Widmer, sowie alle 206 Gemeinden, die einen entsprechenden Beschluss gefasst haben ehren wir in feierlichem Rahmen am Freitag Abend auf dem Säntis.

Es ist zu erwarten, dass dem guten Beispiel weitere öffentliche Verwaltungen und auch private Bauherrschaften folgen werden.

Warum lancierte der BMF die Gemeindekampagne

Der Druck auf die letzten Urwälder unserer Erde hat zugenommen, im Süden wie im Norden. An diesem Umstand wird auch die Schaffung des Oeko-Labels FSC nichts ändern, solange Holzschlag in - unwiederbringlichen - Urwäldern nicht klar ausgeschlossen ist.

Der Beschluss, anstelle von Holz aus Raubbau vor allem einheimische Ressourcen und solche aus ausgewiesen nachhaltiger Waldwirtschaft zu verwenden, ist deshalb ein notwendiger und logischer Schritt, der seine Wirkung sowohl auf Produzenten als auch auf Konsumenten nicht verfehlen wird. Timber-Mining  - 20K Wenn heute in einigen Exportländern über eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zumindest diskutiert wird, so ist das massgeblich den Verzicht-Aufrufen vieler Umwelt- und sozial engagierten Organisationen zu verdanken.

Der Verzicht auf Holz aus Raubbau reduziert die Nachfrage und wird dadurch ein effizientes Instrument, um Händler und Produzenten zum Umdenken hin zum sorgsamen Umgang mit den Holzressourcen zu bewegen. Die schweizerische Forstwirtschaft zeigt mit ihrer vorbildlichen Bewirtschaftung ehemals degradierter Wälder die Lösung auf, wie der Weltbedarf an Holz gedeckt, und gleichzeitig einzigartige Oekosysteme für die Menschheit und die gesamte Biodiversität erhalten werden können.

Da grosse Bauvorhaben oft von der öffentlichen Verwaltung realisiert werden und dabei meist der billigste Anbieter den Auftrag erhält, sind verbindliche Richtlinien absolut nötig, wenn die öffentliche Verwaltung ihrer Vorbildfunktion gerecht werden soll. Da Holz aus Raubbau oft versteckt hinter Plastikfolien, Farben und Aluminium zu Anwendung kommt (Türen, Fenster, Sockelleisten etc.), ist des weiteren notwendig, diese Richtlinien den Lieferanten zu kommunizieren.

Im folgenden möchte ich kurz auf die Probleme der Penan in Sarawak/Malaysia eingehen, dessen Fall exemplarisch für viele andere vom Raubbau betroffene Naturvölkern in den letzten Urwäldern dieser Erde ist.

Die Krise in Malaysia, dem weltweit grössten Exporteur von Tropenholz, hat - trotz aller Härte für das Malaysische Volk - den positiven Effekt, dass dort zur Zeit die Einschlagquoten reduziert werden. Auch die Dialogbereitschaft der Unternehmen in Sachen Oekologie und Achtung der Meschenrechte hat weiter zugenommen, seit der europäische Markt diesen Aspekten vermehrt Beachtung schenkt.

Die Situation der Penan ist jedoch nach wie vor kritisch: Die letzten Along  - 20K Urwaldgebiete in Ost-Sarawak befinden sich nicht zufällig im Lebensraum der Penan, sondern weil diese seit den frühen 80er Jahren mit Blockaden die Zerstörung zu stoppen versucht haben. Für diese friedlichen Proteste wurden im Laufe der Zeit mehr als 700 Penan zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Penan warten bis heute darauf, ihre traditionellen Landrechte respektiert und ihre Urwälder geschützt zu wissen. Trotz dem momentanen Rückgang der Einschläge treiben die Unternehmen ihre Bulldozer voran zum Strassenbau, auf dass, wenn die Holz-Preise wieder steigen, alles für die letzte Plünderung vorbereitet ist ... Hinter den Kulissen bestehen Versprechungen und Projekte für Schutzgebiete, denen internationale Unterstützung gewiss ist. Es liegt nun an den Malaysischen Unternehmen und Behörden, mit Taten zu zeigen, wie ehrlich sie es meinen. In West-Sarawak ist bereits ein grosses Schutzgebiet verwirklicht worden (Lanjak Entimau). Werden die Penan in Ost-Sarawak bald einen Grund bekommen, gemeinsam mit dem Chief Minister zu feiern und zu tanzen?
Wir wünschen es!

Bruno-Manser-Fonds, 24. September 1998
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