Bruno-Manser-Fonds
&
Verein "Kein Stolz auf Tropenholz"

206 Schweizer Gemeinden und 4 Kantone verzichten in öffentlichen
Bauvorhaben offiziell auf Holz aus Raubbau. Dies entspricht rund 2.2
Mio. EinwohnerInnen oder 30% der Schweizer Bevölkerung.
Fotos aus Sarawak
Dies ist das erfreuliche Resultat eines Schreibens des BMF vom November
1997, das in den 4 Landessprachen an alle 2913 Schweizer Gemeinden verschickt
worden ist. Als Vorlagen dienten die vorbildlichen Richtlinien der Stadt
Zürich, der Gemeinderats-Beschluss von Fällanden sowie ein
Faltblatt des Kantons Appenzell/ARh. Letzteres hatte zur Folge, dass
sich alle Appenzeller/ARh. Gemeinden den Schlussfolgerungen der kantonalen
Baudirektion anschlossen und heute auf Holz aus Raubbau verzichten.
Der Verein "Kein Stolz auf Tropenholz" und der Bruno-Manser-Fonds
ehren darum am Freitag Mittag, 25.09.98, die Stadt Zürich und die
Gemeinde Fällanden für ihr gutes Beispiel, Alt-Regierungsrat
von Appenzell/AR, Herr Ueli Widmer, sowie alle 206 Gemeinden, die einen
entsprechenden Beschluss gefasst haben ehren wir in feierlichem Rahmen
am Freitag Abend auf dem Säntis.
Es ist zu erwarten, dass dem guten Beispiel weitere öffentliche
Verwaltungen und auch private Bauherrschaften folgen werden.
Warum lancierte der BMF die Gemeindekampagne
Der Druck auf die letzten Urwälder unserer Erde hat zugenommen,
im Süden wie im Norden. An diesem Umstand wird auch die Schaffung
des Oeko-Labels FSC nichts ändern, solange Holzschlag in - unwiederbringlichen
- Urwäldern nicht klar ausgeschlossen ist.
Der Beschluss, anstelle von Holz aus Raubbau vor allem einheimische
Ressourcen und solche aus ausgewiesen nachhaltiger Waldwirtschaft zu
verwenden, ist deshalb ein notwendiger und logischer Schritt, der seine
Wirkung sowohl auf Produzenten als auch auf Konsumenten nicht verfehlen
wird.
Wenn heute in einigen Exportländern über eine nachhaltige
Waldbewirtschaftung zumindest diskutiert wird, so ist das massgeblich
den Verzicht-Aufrufen vieler Umwelt- und sozial engagierten Organisationen
zu verdanken.
Der Verzicht auf Holz aus Raubbau reduziert die Nachfrage und wird
dadurch ein effizientes Instrument, um Händler und Produzenten
zum Umdenken hin zum sorgsamen Umgang mit den Holzressourcen zu bewegen.
Die schweizerische Forstwirtschaft zeigt mit ihrer vorbildlichen Bewirtschaftung
ehemals degradierter Wälder die Lösung auf, wie der Weltbedarf
an Holz gedeckt, und gleichzeitig einzigartige Oekosysteme für
die Menschheit und die gesamte Biodiversität erhalten werden können.
Da grosse Bauvorhaben oft von der öffentlichen Verwaltung realisiert
werden und dabei meist der billigste Anbieter den Auftrag erhält,
sind verbindliche Richtlinien absolut nötig, wenn die öffentliche
Verwaltung ihrer Vorbildfunktion gerecht werden soll. Da Holz aus Raubbau
oft versteckt hinter Plastikfolien, Farben und Aluminium zu Anwendung
kommt (Türen, Fenster, Sockelleisten etc.), ist des weiteren notwendig,
diese Richtlinien den Lieferanten zu kommunizieren.
Im folgenden möchte ich kurz auf die Probleme der Penan in Sarawak/Malaysia
eingehen, dessen Fall exemplarisch für viele andere vom Raubbau
betroffene Naturvölkern in den letzten Urwäldern dieser Erde
ist.
Die Krise in Malaysia, dem weltweit grössten Exporteur von Tropenholz,
hat - trotz aller Härte für das Malaysische Volk - den positiven
Effekt, dass dort zur Zeit die Einschlagquoten reduziert werden. Auch
die Dialogbereitschaft der Unternehmen in Sachen Oekologie und Achtung
der Meschenrechte hat weiter zugenommen, seit der europäische Markt
diesen Aspekten vermehrt Beachtung schenkt.
Die Situation der Penan ist jedoch nach wie vor kritisch: Die letzten
Urwaldgebiete in Ost-Sarawak befinden sich nicht zufällig im Lebensraum
der Penan, sondern weil diese seit den frühen 80er Jahren mit Blockaden
die Zerstörung zu stoppen versucht haben. Für diese friedlichen
Proteste wurden im Laufe der Zeit mehr als 700 Penan zu Gefängnisstrafen
verurteilt. Die Penan warten bis heute darauf, ihre traditionellen Landrechte
respektiert und ihre Urwälder geschützt zu wissen. Trotz dem
momentanen Rückgang der Einschläge treiben die Unternehmen
ihre Bulldozer voran zum Strassenbau, auf dass, wenn die Holz-Preise
wieder steigen, alles für die letzte Plünderung vorbereitet
ist ... Hinter den Kulissen bestehen Versprechungen und Projekte für
Schutzgebiete, denen internationale Unterstützung gewiss ist. Es
liegt nun an den Malaysischen Unternehmen und Behörden, mit Taten
zu zeigen, wie ehrlich sie es meinen. In West-Sarawak ist bereits ein
grosses Schutzgebiet verwirklicht worden (Lanjak Entimau). Werden die
Penan in Ost-Sarawak bald einen Grund bekommen, gemeinsam mit dem Chief
Minister zu feiern und zu tanzen?
Wir wünschen es!
Bruno-Manser-Fonds, 24. September 1998